Paulus und die Eucharistie

Paulus und die Eucharistie

St. Pölten, 29.4.2014 (dsp) „Was wir heute noch zur Eucharistie von Paulus lernen können“, fragte der Heiligenkreuzer Bibelwissenschaftler Prof. Dr. Michael Ernst bei seinem Gastvortrag an der Phil.-Theol. Hochschule St. Pölten und stellte dabei den Text über die rechte Feier des Herrenmahls (1 Kor 11,23-26) zunächst in den Kontext der hellenistischen Religionsgeschichte und durchschritt dann die Stationen der Rezeptionsgeschichte dieses zentralen neutestamentlichen Textes bis heute.

„Dieses tut zum Gedenken an mich!“, so die wortwörtliche Übersetzung des Textes, der für die Eucharistiefeier sinnstiftend und jedem Gläubigen wohlbekannt ist. Prof. Ernst diskutierte dabei zuerst die Schlüsselbegriffe dieses Textes im Bezug zu anderen Schriften des NT wie auch zu den in griechischer Sprache abgefassten jüngeren Schriften des AT und ihre Interpretation in den Schriften der Kirchenväter, stellte den Text in den Kontext der „Kultaitiologien“, also jener Textgattung, die in der antiken Welt der erzählenden Begründung und Erklärung von Kulthandlungen diente, um sich dann eingehend mit dem „Anamnesisbefehl“ in 1 Kor 11,24 Dieses tut zum Gedenken an mich! auseinanderzusetzen, und damit die Brücke von der Liturgiegeschichte zur Eucharistie als Sakrament zu schlagen.

In seinem Gang durch die Rezeptionsgeschichte fokussierte Prof. Ernst auf die paulinische Aussage über die Unwürdigkeit (1 Kor 11,27-29) ebenfalls beginnend mit der Kirchenväterliteratur über die Zeit der Reformation und die Neuzeit (mit Zitaten von Goethe u.a.) bis heute und spitze seine Ausführungen schließlich auf die Kernaussage der Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ des eben heilig gesprochenen Papstes Johannes Paul II. zu: „Der heilige Apostel Paulus wertet seinerseits die Teilnahme der christlichen Gemeinde am Herrenmahl als 'unwürdig', wenn Spaltungen bestehen und sich die Gemeinde gegenüber den Armen gleichgültig verhält.“