Papst trifft wichtige Personalentscheidungen

Papst Franziskus hat zwei wichtige Ämter in der Leitung der katholischen Weltkirche neu besetzt. Wie der Vatikan am Samstag bekanntgab, ernannte er den britischen Erzbischof Paul Richard Gallagher (60) zum neuen vatikanischen Außenminister. Den bisherigen Amtsinhaber, den Franzosen Dominique Mamberti (62), machte er zum Präfekten des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur. Er löst Kardinal Raymond Leo Burke (66) ab.

Burke wurde vom Papst zum Kardinalpatron beim Malteserorden ernannt. Der Amerikaner, der als einer der schärfsten konservativen Kritiker des neuen Kurses von Papst Franziskus gilt, hatte seine bevorstehende Versetzung bereits im Oktober selbst angekündigt.

Mit Gallagher, zuletzt Apostolischer Nuntius in Australien, ist zum ersten Mal ein Brite vatikanischer Außenminister. Als "Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten" leitet er die Zweite Sektion des Kardinalstaatssekretariats. Erzbischof Mamberti, den Benedikt XVI. (2005-2013) 2006 ins Amt berief, blieb bei der Gestaltung der vatikanischen Außenpolitik in der öffentlichen Wahrnehmung eher zurückhaltend.

Gallagher, am 23. Januar 1954 in Liverpool geboren, wurde 1977 zum Priester geweiht. Später ging er an die Päpstliche Diplomatenakademie; ab 1984 folgten Tätigkeiten an den Apostolischen Nuntiaturen in Tansania, Uruguay und auf den Philippinen sowie im Kardinalstaatssekretariat. Im Jahr 2000 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Ständigen Beobachter beim Europarat in Straßburg, 2004 dann zum Vatikanbotschafter in Burundi und Titularerzbischof von Hodelm. 2009 wurde Gallagher Nuntius in Guatemala, seit Dezember 2012 dann in Australien. Er spricht Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch und gilt als effizienter Diplomat.

Der Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten leitet die sogenannte Zweite Sektion des Kardinalstaatssekretariats. Sie ist zuständig für die diplomatischen Beziehungen des Heiligen Stuhls mit anderen Ländern. Diese Sektion regelt unter anderem den Abschluss von Konkordaten und ähnlichen Verträgen sowie die Vertretung des Heiligen Stuhls bei internationalen Organisationen und Konferenzen.

Die Abberufung Burkes von der Spitze der Apostolischen Signatur hatten Beobachter seit längerem erwartet. Der Kardinal, seit 2008 Präfekt der höchsten kirchenrechtlichen Berufungsinstanz nach dem Papst, gilt als einer der energischsten Vertreter des konservativen Kurienflügels.

Während der Familiensynode im Oktober war er der wortgewaltigste Gegner einer stärkeren Öffnung der Kirche in sexualethischen Fragen. Insbesondere wandte sich Burke dagegen, dass die Kirche auch in nichtehelichen Partnerschaften Gutes suchen und fördern sollte.

Diesen neuen seelsorgerischen Ansatz empfahlen bei der Familiensynode im Oktober zahlreiche Bischöfe. Burke hat bereits angekündigt, dass er auch nach seiner Versetzung in die drittrangige Funktion eines Patrons des Malteserordens seinen Rang als Kurienkardinal nutzen werde, um öffentlich für seinen konservativen Standpunkt zu werben.

(KAP)