Papst nimmt Rücktritt von Tebartz an

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist zurückgetreten. Papst Franziskus nahm den Amtsverzicht an. Zum Apostolischen Administrator wurde Manfred Grothe ernannt, Paderborner Weihbischof und Leiter der Untersuchungskommission zu Limburg. Entscheidend für den Papst-Beschluss warnicht allein der Prüfbericht zu den hohen Kosten für den Neubau des Limburger Bischofssitzes. Vielmehr hat auch das verlorene Vertrauen der Gläubigen vor Ort die Entscheidung beeinflusst.

Wörtlich heißt es in der Presseerklärung des Vatikan: "Im Hinblick auf die Verwaltung der Diözese Limburg, in Deutschland, hat die Kongregation für die Bischöfe eingehend den Bericht jener Kommission studiert, die nach dem Willen des Bischofs und des Domkapitels eingesetzt wurde, um eingehende Untersuchungen im Hinblick auf die beteiligten Verantwortlichkeiten beim Bau des Diözesanen Zentrums 'St. Nikolaus' vorzunehmen. Angesichts der Tatsache, dass es in der Diözese Limburg zu einer Situation gekommen ist, die eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes durch S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz van Elst verhindert, hat der Heilige Stuhl den mit Datum vom 20. Oktober 2013 durch den Bischof angebotenen Amtsverzicht angenommen und hat einen Apostolischen Administrator ernannt in der Person von S.E. Mons. Manfred Grothe. Der scheidende Bischof, S.E. Mons. Tebartz-van Elst, wird zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut werden. Der Heilige Vater bittet den Klerus und die Gläubigen des Bistums Limburg, die Entscheidung des Heiligen Stuhls bereitwillig anzunehmen und sich darum zu mühen, in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden."

Tebartz-van Elst war wegen einer falschen eidesstattlichen Aussage zu einem Erste-Klasse-Flug nach Indien, seiner Amtsführung und wegen der Kosten von mindestens 31 Millionen Euro für den Bischofssitz auf dem Limburger Domberg in die Kritik geraten. Seit Ende Oktober hielt er sich auf Weisung des Papstes außerhalb seiner Diözese auf.

Seit Anfang März lag der vatikanischen Bischofskongregation der Prüfbericht einer vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Kommission zum Finanzgebaren des Bischofs vor. Der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, war am vergangenen Samstag turnusgemäß mit Papst Franziskus zusammengetroffen. Hierbei dürfte über den Fall Tebartz-van Elst beraten worden sein. Tebartz selbst soll am Montag in Rom mit Ouellet gesprochen haben.

Chronologie der "Causa Tebartz-van Elst"

Franz-Peter Tebartz-van Elst trat Anfang 2008 sein Amt als Bischof von Limburg an. Er war bis dahin Weihbischof in Münster und folgte in Limburg Franz Kamphaus nach, der aus Altersgründen in den Ruhestand ging. Noch vor Amtsantritt Tebartz' hatte das Domkapitel beschlossen, dass auf dem Domberg gebaut werden soll, damit künftige Bischöfe dort eine Residenz beziehen können.

Tebartz-van Elst begann zuerst mit einer Strukturreform: Bisherige Pfarren wurden, wie in anderen deutschen Diözesen auch, zu "Pastoralen Räumen" zusammengelegt. Das führte zu erster Kritik - wie auch in anderen Diözesen. Ab August 2008 war Franz Josef Kaspar als Generalvikar einer der engsten Mitarbeiter des neuen Bischofs.

Kaspar und Tebartz-van Elst fuhren 2012 nach Indien, über den Erste-Klasse-Flug kam es zum Streit mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", weil der Bischof zunächst abstritt, wirklich Erster Klasse geflogen zu sein. Es kam zu staatsanwaltlichen Ermittlungen zu einer eidesstattlichen Aussage des Bischofs.

Im Juni 2013 wurde auf dem Limburger Domberg das neue "Diözesane Zentrum" eingeweiht. Etwa zehn Millionen Euro hat es nach ersten Angaben gekostet, fast doppelt soviel wie ursprünglich geplant. Darüber regte sich Unmut in Diözese und Medien - wie etwa in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Unmut mischte sich mit Widerstand gegen die Ausrichtung der Diözesanführung unter Tebartz-van Elst. In einem Hirtenbrief warb der Bedrängte Ende August, nachdem er in Rom mit der Bischofskongregation beraten hatte, um Vertrauen. Er versprach Transparenz zum Bau des Diözesanen Zentrums.

Im September kam Vatikan-Kardinal Giovanni Lajolo, früherer Nuntius in Deutschland und genauer Kenner deutscher Befindlichkeiten, zu einer als "brüderlicher Besuch" deklarierten Visite nach Hessen. Ergebnis war die Einsetzung einer Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Sie sollte die Finanzierung des Diözesanen Zentrums prüfen. In Rom hoffte man in jenen Tagen, dass damit das, was Kardinal Gerhard Ludwig Müller eine "Kampagne" gegen Limburgs Bischof nannte, zum Erliegen kommen würde. Als hilfreich wurde angesehen, dass auch Generalvikar Kaspar aus Altersgründen in den Ruhestand ging.

Doch im Oktober räumte die Diözese selbst ein, dass die Kosten für das Diözesane Zentrum noch weit höher waren als bisher bekannt: etwa 31 Millionen Euro. Ein Sturm brach los. Priester, Laien, Medien forderten den Rücktritt des Bischofs, einer seiner Vermögensverwaltungs-Berater behauptete, Tebartz-van Elst habe das Gremium belogen. Dieser verteidigte sich in der "Bild"-Zeitung. Gleichzeitig kam es aber in der Affäre um den Erste-Klasse-Flug zu einem Strafbefehl gegen ihn. Daraufhin - es war Oktober 2013 - rückte auch DBK-Vorsitzender Robert Zollitsch von seinem Limburger Amtsbruder ab.

Während in Limburg zehn Strafanzeigen gegen Bischof Tebartz-van Elst erstattet wurden und die DBK-Prüfkommission ihre Arbeit aufnahm und viele Christen - auch evangelische - im Protest aus der Kirche austraten, hielten sich der bedrängte Bischof und Zollitsch zeitgleich in Rom auf, zu Gesprächen mit dem Papst und der Kurienspitze. Am 23. Oktober verordnete Franziskus dem Limburger Bischof eine Auszeit in einem Kloster. Er setzte den designierten Generalvikar Wolfgang Rösch mit sofortiger Wirkung in sein Amt ein. Rösch brach sofort nach Limburg auf, in der Hoffnung, etwas Frieden zu bringen.

Kurz vor Jahresende, während sich Bischof Tebartz-van Elst in einem niederbayrischen Benediktinerkloster aufhielt, wurde das Strafverfahren wegen seines Indien-Flugs nach Zahlung von 20.000 Euro eingestellt. Anfang März 2014 brachte Zollitsch den fertigen Limburger Prüfbericht in den Vatikan - eine seiner letzten Amtshandlungen als DBK-Vorsitzender. Der Inhalt des Berichts blieb zunächst vertraulich.

(KAP)