Papst leitet erstes Konsistorium seines Pontifikats

Der Papst leitet in der kommenden Woche das erste Konsistorium seines Pontifikats. Franziskus nimmt 19 Kirchenmänner aus aller Welt in das Kardinalskollegium auf. Gleichzeitig nutzt er die Anreise und Anwesenheit des Kirchensenats zu einer Serie großer Konferenzen.

Ab Montag tritt der Kardinalsrat für die Kurienreform, der C8-Rat, für drei Tage zusammen. Daran schließt sich ab Donnerstag eine Vollversammlung des Kardinalskollegiums an, bei dem Franziskus seine bisherigen Initiativen und Reformideen vorstellen will. Nach dem Konsistorium am Samstag und einer gemeinsamen Papstmesse am Sonntag tagen in der nächsten Woche der Synodenrat und die Finanzkontroll-Gremien.

Höhepunkt ist am 22. Februar die feierliche Kreierung von 19 Kardinälen, unter ihnen der Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller. Bereits mit dessen Ankündigung hatte Franziskus für manche Überraschung gesorgt; der Kirchensenat wird weniger europäisch und mehr lateinamerikanisch.

Die starke Bedachtnahme Lateinamerikas und die Ehrung eines über 98-Jährigen mit dem Purpur - das sind die medial am stärksten beachteten Besonderheiten der ersten Kardinalsernennungen von Papst Franziskus. Fast ein Drittel (6 von 19) der Neuen kommt aus dem Amerika südlich des Rio Grande.

Weiters wird in den Medien betont, dass das Weltkirche-Element vom argentinischen Papst stark berücksichtigt wurde: Immerhin vertreten die 19 neuen Kardinälen 15 Länder des Globus. Mit seiner Aufnahme ins Kardinalskollegium wird der frühere Papstsekretär Loris Francesco Capovilla (98) aus dem Stand ältester Kardinal der Weltkirche.

C8 berät über päpstlichen Räte

Die Tagung der C8-Gruppe, zu der auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx gehört, steht am Beginn der Woche. Auf der Tagesordnung stehen diesmal die zwölf päpstlichen Räte. Bisher hatten die Papstberater über die Bischofssynode und dann über die Kongregationen, die neun großen "Ministerien", beraten. Es halten sich Gerüchte, dass der Laien-Rat zur Kongregation hochgestuft und dabei möglicherweise um neue Aufgaben erweitert werden könnte.

Ab Donnerstag tritt das Kardinalskollegium zu einer Vollversammlung zusammen. Dabei dürfte der Papst die Teilnehmer über die bisherigen Vorschläge des C8-Rates informieren und mit ihnen den weiteren Verlauf der Kurienreform beraten. Danach ist auch mit einer Bestätigung oder Neubesetzung der kurialen Leitungsämter zu rechnen, die zum größten Teil bisher nur provisorisch vergeben waren.

Auf der Tagesordnung dieser Konferenz stehen aber auch die beiden nächsten Bischofssynoden, die in diesem und im nächsten Herbst über Fragen der Familienpastoral beraten, einschließlich der Probleme der wiederverheirateten Geschiedenen. Der frühere deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, der bereits als Bischof von Rottenburg-Stuttgart 1993 Vorschläge dazu gemacht hatte, wenn auch vergebens, wird dazu ein Einführungsreferat halten. Zudem dürften die Fragebögen, die in manchen Ortskirchen bereits bereite Resonanz fanden, in die Beratungen hineinreichen.

Kardinalserhebung in Schlichtheit

Die Kardinalserhebung selbst dürfte diesmal noch schlichter ausfallen als unter Papst Benedikt XVI. Franziskus hatte den "Neuen" in einem Brief bedeutet, dass die Berufung keine Beförderung, keine Ehre oder Zierde sei, sondern schlichtweg ein Dienst: eine Hilfe in brüderlicher Effizienz für den Papst in seinem Dienst für die Universalkirche. Bei aller Freude müssten "eitle Weltlichkeit und Feierlichkeit" außen vor bleiben, die dem kirchlichen Geist der Strenge, der Nüchternheit und der Armut fremd seien, mahnte Franziskus.

In der darauffolgenden Woche treten dann der Bischofsrat der Bischofssynode, aber auch die Kontrollgremien der Vatikanbank IOR - mit Kardinal Christoph Schönborn, der im Jänner ernannt wurde - und der Kardinalskommission für wirtschaftliche und organisatorische Angelegenheiten des Heiligen Stuhls zu ihren Konferenzen zusammen.

Noch unklar ist, ob zuvor bereits der C8-Rat oder die versammelten Kardinäle über die vatikanischen Finanzbelange diskutieren. Aber sicher ist, dass der Papst hier möglichst rasch Klarheit schaffen möchte.