Papst erwägt kostenfreie Ehe-Annullierungen

Papst Franziskus lässt prüfen, ob Ehenichtigkeitsverfahren an Kirchengerichten künftig nicht nur schneller, sondern auch gratis sein können. Das sagte Franziskus laut Radio Vatikan am Mittwoch vor einer Gruppe von Kirchenrechtlern. Die Fachleute nehmen in diesen Tagen an einem Kurs des zuständigen Vatikangerichts, der Rota Romana, über Nichtigkeitsverfahren teil.

Bei der Familiensynode im Oktober im Vatikan sei der Vorschlag gekommen, die Kosten der Verfahren für die Eheleute abzuschaffen, sagte Franziskus. "Man muss sehen", meinte er.

Ausdrücklich warnte der Papst davor, geistliche und wirtschaftliche Anliegen zu mischen. Das komme gar nicht selten vor, berichtete Franziskus den Kirchenrechtlern unter Verweis auf einen Fall während seiner Zeit als Erzbischof in Buenos Aires: "Ich musste vor Zeiten einen Mann vom Kirchengericht entfernen, der sagte: 10.000 Dollar, und ich mache dir alle beide Verfahren, das zivile und das kirchliche." Seien geistliche und wirtschaftliche Interessen verknüpft, dann sei das "nicht Gott".

Die Kosten für ein Ehenichtigkeitsverfahren variieren von Diözese zu Diözese. Oft wird laut Radio Vatikan eine Grundgebühr von 200 bis 300 Euro verlangt. Dazu kämen gegebenenfalls Honorare für psychologische oder ähnliche Gutachten.

Franziskus erinnerte daran, dass er noch vor der Synode eine Kommission eingerichtet habe, die mögliche Reformen bei den Ehenichtigkeitsverfahren untersuchen solle. Dabei gehe es in erster Linie um eine Beschleunigung und Vereinfachung der Abläufe. Hunderte Kilometer bis zum nächsten Kirchengericht zurücklegen zu müssen, um ein solches Verfahren anzustrengen, sei den Gläubigen kaum zuzumuten, sagte Franziskus. Viele gäben angesichts solcher Schwierigkeiten auf und verharrten weiter in einer irregulären Lebenslage.

Leiter der Kommission ist Pio Vito Pinto, Dekan der Rota Romana, "zweiter Mann" ist der argentinische Kirchenrechtler Alejandro Bunge. Bunge ist ein früherer Mitarbeiter des Papstes aus Buenos Aires, wo er Gerichtsvikar am Interdiözesanen Kirchengericht war.
Franziskus holte ihn im April an das zweithöchste Gericht der katholischen Kirche mit Sitz im Vatikan.

(KAP)