Papst: Christen brauchen Kirche trotz Skandalen

Auch Skandale in der Kirche rechtfertigen aus Sicht von Papst Franziskus nicht, dass sich ein Christ aus der kirchlichen Gemeinschaft zurückzieht. Gott habe seine Heilsbotschaft Menschen mit ihren Grenzen und Schwächen anvertraut.

Doch: "Man kann nicht mit Gott in Gemeinschaft sein ohne die Gemeinschaft der Kirche", auch wenn manche Handlungen kirchlicher Vertreter Probleme und Skandale verursachten. Den Gedanken, sich als einzelner Mensch alleine erlösen zu können, nannte Franziskus eine gefährliche Versuchung.

 

Christen seien keine Individualisten, sondern schöpften ihre Identität aus der Zugehörigkeit zur Familie der Gläubigen, so der Papst weiter. "Wenn der Satz 'Ich bin Christ' sozusagen mein Vorname ist, dann ist der Satz 'Ich gehöre zur Kirche' wie ein Nachname." Es sei unmöglich zu sagen: "Ich glaube an Gott, aber die Kirche interessiert mich nicht."

 

In diesem Zusammenhang betonte Franziskus die Bedeutung der Glaubensweitergabe durch Eltern, Großeltern, Priester, Ordensleute oder Katechisten. "Niemand wird von sich aus Christ. Christen entstehen nicht im Labor", so der Papst vor den rund 30.000 Teilnehmern, die bei leicht regnerischem Wetter auf den Petersplatz gekommen waren. Bis heute denke er oft an das Gesicht einer Nonne, die ihn als Kind in Argentinien den katholischen Katechismus gelehrt habe, sagte er. Solche Menschen erfüllten den Christen mit Dankbarkeit und Liebe. Sie begegneten ihm aber nur in der kirchlichen Familie, die ihn aufnehme und zum Glauben führe. "Lieben wir daher die Kirche", rief der Papst aus.

 

Vor der Generalaudienz hatte Franziskus in der nahe gelegenen Audienzhalle mehrere Hundert Kranke und Behinderte begrüßt, die wegen des Wetters das Geschehen auf dem Petersplatz von dort aus auf Bildschirmen verfolgten. Mit seinen Ausführungen setzte der Papst seine in der vergangenen Woche begonnene Katechesen-Reihe über die Kirche fort.

(KAP)