„Neues Miteinander“ beim PGR-Kongress

Abschlussplenum der Delegierten der Diözese St. Pölten

Mariazell-St. Pölten, 31.05.2014 (dsp) Einen „grundlegenden Stimmungswandel“ und ein „neues Miteinander“ stellten die Delegierten bei den Abschlussgesprächen des Pfarrgemeinderatskongresses im Plenum der Diözese St. Pölten fest. Drei Tage lang hatten sich 600 Vertreterinnen und Vertreter aus ganz Österreich unter dem Motto „Ermutigungen – Spannungsfelder – Zukunftsspuren“ über neue Entwicklungen im Gemeindeleben und in der Pfarrseelsorge ausgetauscht, sich vernetzt und einander ermutigt. In rund 60 Workshops, davon 5 aus der Diözese St. Pölten, wurden neue pastorale Projekte vorgestellt, in denen Laien in der Kirche die Initiative und Verantwortung übernehmen.
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Der neue Stil von Papst Franziskus habe in der Gesprächskultur und im Umgang miteinander spürbar etwas verändert, wie die Teilnehmenden einmütig feststellten. Im Gespräch zwischen Klerus und Laien, zwischen Amtsträgern und Basis sei „die Spannung abgefallen“. Es sei die Erfahrung eines „wirklich runden Tisches ohne Kommunikationsgefälle“ gewesen. Besonders durch das gemeinsame Beten, Mahl-Halten und Gespräch – und zwar in dieser Reihenfolge, wie immer wieder betont wurde – sei ein „neues und tieferes Miteinander“ erlebbar geworden.

Auch vorhandene Spannungen wurden größtenteils als „fruchtbar“ erfahren. Spannungen sollte man „nicht umgehen, sondern mit ihnen umgehen“, wie es ein Delegierter ausdrückte. Werde die darin enthaltene Energie „vernünftig genützt“,  könne „viel kreatives Potenzial“ freigesetzt werden, war die Überzeugung in den Gesprächsrunden. Dazu sei es wichtig, Probleme nicht zu „dramatisieren“, den Humor zu bewahren und auch erhaltene Schläge nicht zu erwidern. Bei vorhandenen Regeln gelte es darauf zu achten, ob sie „als Geländer vor dem Sturz bewahren“ oder „als Stacheldraht“ die Entwicklung behindern.

Ein weiteres Themenfeld war das persönliche Zeugnis und die Befähigung dazu. Alle Getauften seien dazu aufgerufen, so zu leben, „dass sie nach ihrer Hoffnung gefragt werden“. Aus der ganzen Heiligen Schrift gehe hervor, dass Gott den Menschen viel zumute; an keiner Stelle heiße es: „Bleib sitzen, und mach es dir gemütlich.“ So müssten alle Veränderungen „bei mir selbst beginnen“ und dann in die entsprechenden Gruppen und Lebensfelder eingebracht werden. Dabei sei es wichtig, „der Jugend zu vertrauen“ und „die Frauen nicht zu vergessen“, wie immer wieder betont wurde.

Bischof Küng: Kirche muss zur Nachfolge Christi führen

„Wir stehen am Beginn eines neuen Kirche-Seins und Christ-Seins“, sagte Bischof Klaus Küng in der diözesanen Abschlussrunde des Kongresses. Es sei Gott, der uns rufe, aber auch die Not und die Sehnsucht der Menschen. „Entweder führt die Kirche zur Nachfolge Jesu, oder sie erfüllt ihre Aufgabe nicht“, betonte Küng. Dafür sei es unerlässlich, dass Christus in der Mitte stehe, bei jedem einzelnen und in jeder Gemeinschaft.

Die Sendung der Kirche betreffe alle Getauften. Deswegen werde „die Zukunft der Kirche weniger klerikal“ sein, so Küng. Besonders in einem säkularisierten Umfeld komme es auf das Lebenszeugnis des Einzelnen an. Dabei sei es „eine große Herausforderung, die Hemmung zu überwinden, Rede und Antwort zu stehen“, doch existenzielle Fragen beschäftigten alle Menschen. Wie Papst Franziskus immer wieder betonte, müssten wir „an die Ränder gehen“, unterstrich Küng. Es gelte dabei jedoch nicht nur die soziale, sondern auch die geistliche Not der Menschen wahrzunehmen.

In der heutigen Zeit ein glaubender Mensch sein zu können, sei „ein großes Geschenk“, wie Weihbischof Anton Leichtfried im diözesanen Plenum betonte. Deswegen seien wir dazu aufgerufen, dieses Geschenk des Glauben weiterzugeben und uns immer wieder zu fragen: „Was ist unser besonderer Auftrag an dem Ort, wo wir leben? Was ist meine Sendung genau dort, wo ich stehe? Wer braucht heute meine Hilfe?“

Den Schlusspunkt der dreitägigen Veranstaltung bildete eine Sendungsfeier in der Mariazeller Basilika unter Leitung von Bischof Alois Schwarz, der innerhalb der Bischofskonferenz für die Pfarrgemeinderäte zuständig ist. Die Feier endete mit einem Segen, den sich Bischöfe und Pfarrgemeinderäte gegenseitig spendeten.

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