Neues Gotteslob soll auch zeitgemäße Gebetssprache fördern

Das neu gestaltete Gebets- und Gesangbuch "Gotteslob" der katholischen Kirche richtet sich nicht nur an regelmäßige Gottesdienstbesucher, sondern genauso an suchende und der Kirche fernstehende Menschen. Das betonte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann am Samstag im Rahmen einer internationalen Fachtagung über das "Gebet" im niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz.

Er hoffe, dass das "Gotteslob" ein neues Interesse an Kirche, Gottesdienstformen und am eigenen religiösen Leben wecke, sagte der Koordinator der Deutschen Bischofskonferenz zur Erstellung des neuen Gotteslobs. Für das neue "Gotteslob" habe man dazu auch eine "zeitgemäße Gebetssprache" gefunden, "die neugierig macht und einlädt, sich neu auf den Weg des Betens zu machen".

Das neue Gotteslob wird seit dem Start des neuen Kirchenjahrs im vergangenen Herbst nach und nach in den deutschsprachigen Pfarren eingeführt. Vor rund 150 Tagungsteilnehmern in Heiligenkreuz berichtete Bischof Hofmann über den zwölfjährigen Entstehungsprozess der Neuauflage, dessen umgestalteten Aufbau und den neu erstellten Abschnitt zu den Gebeten.

Neben Psalmen und klassischen Gebetstexten enthalte das Gotteslob neue Formen des Gebets, "die unser heutiges Lebensgefühl, unser Suchen und Fragen, unsere Ängste und Hoffnungen widerspiegeln", sagte Hofmann. Im Vergleich zum alten Gotteslob seien nun u.a. auch das Klagegebet oder neue Mariengebete, darunter auch ein Text der evangelischen Schriftstellerin Christa Peikert-Flaspöhler, neu enthalten. "Hier wurde bewusst auch eine ökumenische Weite zugelassen, um in Bezug auf Maria auch eine feminine Spiritualität aufzugreifen", sagte der Bischof. 

"Brücke zum Glauben"

Eplizit verwies Hofmann auf das neu im Gotteslob enthaltene Glossar katholischer Begriffe, das dem immer weiter verbreiteten Unwissen über religiöse Grundbegriffe entgegenwirken soll. Das Gotteslob sei zudem als "Hausbuch" konzipiert. "Viele Menschen haben zu Hause keine Bibel mehr. Ihnen soll mit diesem Gebet- und Gesangbuch eine Brücke zu ihren Anfängen und Anfragen an den Glauben geschaffen werden", sagte Hofmann.

Als "Schule des Betens" bietet das neue Gotteslob verschiedene Formen des Gebetes für das breite Spektrum menschlicher Lebenssituationen und Glaubenserfahrungen. Man habe hier unterschiedliche Aspekte bedacht, so der Bischof: "Den gläubigen Menschen, der seinen Glauben ins Wort heben und im Lied ausdrücken will; aber auch den suchenden Menschen, der fragt und dessen Sprache wir aufgreifen wollten, damit wir ihn erreichen können; aber auch den fernstehenden Menschen, dass er neugierig wird."

"Der betende Jesus"

Zu der Internationalen Fachtagung über das "Beten in der Bibel und seine Rezeption" hatte die Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. eingeladen. Am Freitag und Samstag sprachen dabei zahlreiche namhafte Referenten oder hielten Workshops ab. Der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel referierte dabei über die "Gebetspraxis der Kopten", während sich der deutsche Theologe Thomas Söding dem Thema "Der betende Jesus" widmete.

"Jesus ist ein Lehrer des Gebets, der selbst betet", sagte Söding, der an der Ruhr-Uuniversität Bochum lehrt und Mitglied der internationalen Theologenkommission ist, in seinem Vortrag am Samstag. Jesu Lebensader sei die Liebe zu Gott, die sich in der Liebe zum Nächsten erweise. "Das Gebet gibt dieser Liebe Ausdruck, deshalb ist es ein christologisches Motiv und zwar des wahren Menschseins Jesu und meine These ist, dass dadurch die historische Erinnerung an Jesus geschärft wird", sagte der Theologe.

(KAP)