Liturgiestudientagung in St. Pölten: „Gott ins Gespräch, ins Leben bringen”

Johannes Sieder (Bereich Kinder und Jugend), Fritz Wurzer (KPH Krems), Ilse Kappelmüller (Bereich Kinder und Jugend), Bischofsvikar Gerhard Reitzinger, Organisatorin Angelika Widrich (Bereich Familie), Bereichsleiter Ulrich Schilling (Bereich Kinder und Jugend), Referent Stephan Sigg, Bischof Klaus Küng, Christina Dietl (Bereich Kinder und Jugend)

St. Pölten, 09.11.2014 (dsp) Sprache ist ein wesentliches Element, wovon Glaube lebt. Darüber referierte der junge christliche Erfolgsautor Stephan Sigg im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt, der damit Spiritualität für junge Menschen öffnen will. Unter dem Titel “Gott ins Gespräch, ins Leben bringen” kamen über 120 meist jugendliche Teilnehmer/innen zum diözesanen Studientag für Kinder-, Jugend- und Familiengottesdienste. Klar sei, dass sich auch die Gebetssprache ändere. Etwa von "Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm" hin zu "Lieber Gott, schenke mir ein iPhone".

Sigg referierte darüber, mit welchen Begriffen, Bildern und in welcher Sprache man Kindern und Jugendlichen heute Zugänge zur Botschaft Jesus eröffnen kann. Der Autor schreibt Texte, die bei Jugendlichen etwas auslösen sollen. „Die Sprache ist ein wesentliches Element unseres Glaubens und die Kommunikation eine wichtige Glaubensgrundlage”, betonte der Theologe und warnte vor den „Todsünden” in der Kommunikation, wie z.B. sofortiges Bewerten eines Themas, zu schnellen Ratschlägen oder einer vagen Stellungnahme. Die Kommunikation sei etwas Zentrales im christlichen Glauben. Sigg: „Wenn Jugendliche nicht über ihren Glauben sprechen, dann ist das ein Zeichen, dass der Glaube verschwindet.“ Ein Hinweis: „Wenn wir nicht über den Glauben sprechen, dann macht das niemand. Wir müssen Gelegenheiten schaffen, um das Gespräch in Gang zu setzen. Ob das jetzt im Zug ist oder zuhause in der Familie.“

Jugendlichen zuhören

In seiner Arbeit mit Jugendlichen empfahl er, sich an der Aussage Martin Luthers “den Leuten aufs Maul schauen”, also hören, wie die Leute miteinander reden. Er ermunterte die Teilnehmenden in den öffentlichen Verkehrsmitteln den Jugendlichen zuzuhören, wie und worüber sie miteinander  sprechen, und sich daran zu orientieren, wie Jugendliche heute kommunizieren: ständig, mündlich und schriftlich, kurz und knapp, schnell und spontan, in 140 Zeichen, mit Smileys und Abkürzungen. Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, seien Erwachsene aufgefordert, kraftvoll und nach dem Beispiel Jesu anschaulich und  zielgruppenorientiert zu sprechen. Hinter Worten wie „Barmherzigkeit“ oder „Nächstenliebe“ würden ganze theologische Programme dahinter stehen, die aber Jugendliche als Worthülsen empfinden würden.

Stephan Sigg führte ganz konkrete Beispiele an, wie man Jugendlichen vermitteln könne, dass Glaube(n) mit Alltag zu tun hat. So soll die Sprache kreativ eingesetzt werden: “empört euch!”, “wie sozial bist du?”, “du hast 3 Wünsche frei!”, “das SMS deines Lebens”, etc. und versuchen mit diesen Slogans zu Gottesdiensten einzuladen. Ebenso würden sich dazu die Titel von TV-Serien eignen, wie “Auf und davon”, „Mein neues Leben”, „Endlich zu Hause” etc. Mit solchen Aufrufen würden sich Jugendliche meist angesprochen fühlen. Videoclips könnten Einstiege für Gottesdienste oder Religionsstunden sein. Ein Songtext könne zu einem persönlichen Gebet umgeschrieben werden, Dinge können fotografiert werden, für die jemand dankbar ist. Englische Titel für Gottesdienste sieht er übrigens nicht anziehend für Jugendliche.

Am Nachmittag wurden in zwei Phasen 15 Workshops angeboten: “Gebete schreiben mit Jugendlichen”, “Jugend- und Familienmessen”, “Philosophieren und Theologisieren mit Kindern”, “Rosenkranzgebet mit Kindern & Jugendlichen neu entdecken”, “Trend der 1000 Lichter”, “Tänze für liturgische Feiern”, um nur einige davon zu nennen.