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Liturgie-Experte: Kirchenräume prägen den Glauben wesentlich

Liturgie-Experte: Kirchenräume prägen den Glauben wesentlich

St. Pölten, 26.02.2014 (dsp) Die vor 50 Jahre von den Konzilsvätern mit überwältigender Mehrheit (2147 Ja-Stimmen, gegen vier Nein-Stimmen) beschlossenen Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils und die ihr folgende Liturgiereform sind die“sichtbarste Frucht“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Darauf verwies Josef Keplinger vom Liturgiereferat der Diözese Linz im Eröffnungsreferat der St. Pöltner Priesterstudientagung, die vom 24. bis 26. Februar im Bildungshaus St. Hippolyt stattfand. Das Jubiläum der Liturgiekonstitution und die Einführung des neuen „Gotteslob“ im vergangenen Advent waren Anlass, die Priesterstudientagung diesmal dem Thema Liturgie zu widmen.

„Kirchenräume prägen den Glauben wesentlich und kirchliche Räume sind zentrale Vorgaben für den liturgischen Vollzug“, betonte Keplinger. Darum sei Kirchenraum-Gestaltung auch eine „seelsorgliche Verantwortung“. Der Kirchenraum mit seinen Symbolen dränge zum entsprechenden Handeln. Kirchenräume hätten „riesiges Potenzial“ und könnten eine Kraftquelle sein, die die Gottesdienstbesucher im Glauben stärken könnten. Der Raum habe zweierlei Bedeutungen: Einerseits ermöglichen sie erst Versammlungen, andererseits gebe es dadurch eine Bewegung hin zu Jesus Christus.

Keplinger, der seine mit dem Pius-Parsch-Preis gewürdigte Doktorarbeit aus dem Fach Liturgiewissenschaft über den „Vorstehersitz“ in der Liturgie verfasst hat, nannte die Liturgiekonstitution „sichtbarste Frucht“, weil das Konzil in einer Rückschau auf die ersten Jahrhunderte der Kirche die liturgischen Orte wieder auf den Vorstehersitz, den Ambo und den Altar „aufgefaltet“ hat.

Während in der vorkonziliaren Liturgie der Altar zum alleinigen liturgischen Ort geworden war, hat diese Auffaltung zu sichtbaren Veränderungen im Gottesdienstraum und im Gottesdienst geführt. Keplinger unterstrich, dass der eigentliche „Ort“ der Liturgie Christus selbst sei, das fleischgewordene Wort Gottes. In jeder liturgischen Feier sei immer Christus gegenwärtig. Christus wäre somit der eigentliche „Raum“, in den die feiernde Gemeinde eintritt. Weil der Mensch aber räumlich ist, ist er es auch in seiner Gottesbeziehung, so Keplinger. Der Raum sei sozusagen die sichtbare „Außenhaut“ des unsichtbaren Mysteriums. Der Raum könne das Geschehen vertiefen, er könne ins Geheimnis hineinführen. Die liturgischen Orte sollten in dieser Sicht öffnen für das Geschehen, das hinter dem Wahrnehmbaren liegt. Kirchliche Räume seien Verweiszeichen auf das, was Gott durch Jesus Christus im Heiligen Geist an den Feiernden tue. Man müsse sich bewusst sein: „Was in der Taufe geschieht, aktualisiert sich in jeder liturgischen Feier.“ Das hätten schon die Christen der ersten Jahrhunderte in ihren Kirchenbauten berücksichtigt.

Vorstehersitz, Ambo, Altar

Der Sitz des Vorstehers im Gottesdienst sei kein Ehrenplatz. Sondern ein Funktionsort, der auf die Gemeinde hingeordnet sei: Gott rufe sein Volk zusammen und die Gemeinde versammelt sich als Antwort auf diesen Ruf. Der Vorsteher sei somit sichtbares Werkzeug des Handelns Gottes, der sein Volk zusammenruft.

Der Ort der Wortverkündigung sei der Ambo. Mit Nachdruck verwies Keplinger darauf, dass das Wort ein „Gegenwartsort Christi“ ist. Er zitiert die Kirchenväter Augustinus und Ambrosius, die vom Wort als „hörbarem Sakrament“ beziehungsweise vom „Kelch des Wortes“gesprochen haben. Diese Rückbesinnung auf die Bedeutung des Wortes habe zu einer Aufwertung der Schriftlesung in der Liturgie geführt, der Ambo als fixer Ort der Schriftlesung hat das vorkonziliare, auf dem Altar hin und her geschobene Pult abgelöst. Der Altar schließlich sei Bild des Leibes Christi, er sei Symbol des darauf gefeierten Geschehens. Er ist die einende Mitte und wird „zur Schwelle des Übertritts in die himmlische Liturgie hinein“.

Foto: 1. Reihe v.l.n.r.: Moderatoren Michaela Lugmaier und Franz Mollner, Referent Josef Keplinger, Weihbischof und Hauptorganisator Anton Leichtfried, Bischof Klaus Küng.