Kirche stellt Texte für Weltkriegs-Gedenken zur Verfügung

Angesichts des 100. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges haben Österreichs Bischöfe zu Totengedenken und Friedensgebeten aufgerufen. Am Vorabend des Gedenktages - am 27. Juli - sollen Pfarren und kirchliche Gemeinschaften "bei den Denkmälern der Toten gedenken, um für den Frieden zu beten und darum, selbst Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu sein",so die Bischofskonferenz.

Gestaltungsvorschläge dafür wurden unter der Verantwortung des Innsbrucker Bischofs Manfred Scheuer, der auch Präsident der Friedensbewegung "Pax Christi" Österreich ist, erarbeitet und in einer Kurz- und einer Langversion den Pfarren zur Verfügung gestellt. Download hier!

Das Gebet für Frieden in Österreich und der ganzen Welt sei besonders allen gewidmet, "die bis in unsere Tage unter den Folgen von Kriegs, Terror und Gewalt leiden", heißt es in der Einleitung der Textvorlage, die auch für ökumenische Gedenkfeiern geeignet ist und Schrifttexte, Anregungen für Ansprachen sowie Liedvorschläge enthält. Gott solle die Menschen nicht müde werden lassen, "sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen", die beide nicht selbstverständlich seien. Es sei Auftrag jeder Generation, "Hass und Streit zu überwinden und Versöhnung zu fördern".

Erinnert wird an das "unnütze Blutbad" der 15 Millionen im Ersten Weltkrieg Getöteten und seiner schrecklichen Folgen für das 20. Jahrhundert. "Wir können heute nach 100 Jahren die Geschichte nicht zurückdrehen und die Folgen aus dieser Katastrophe nicht ungeschehen machen, wir können aber aus der Geschichte lernen, denn Derartiges darf sich nie mehr wiederholen", so die Textvorlage.

Die Bischöfe hatten in ihrer Erklärung bei ihrer Vollversammlung im Juni betont, Krieg bedeute immer eine "Niederlage für die Menschheit", woran auch die vielen Kriegerdenkmäler erinnerten.
Krieg sei weder Schicksal noch Naturgesetz, weshalb man im Gedenken an den Ersten Weltkrieg stets auch die Wurzeln dieser "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" benennen müsse. Dazu zählen die Bischöfe einen zum Religionsersatz gewordenen Nationalismus, weiters Hass, Verachtung und Arroganz gegenüber anderen Völkern sowie die Anmaßung absoluter Macht über Leben und Tod.

Aufgerufen wird in den liturgischen Texten für das Gedenken am 12. Juli auch zu einer gelebten "Brüderlichkeit" als Getaufte, die auch Papst Franziskus bereits mehrmals angesprochen habe. Sie sei "Auftrag an jeden im eigenen Umfeld", fördere und festige zudem ein friedliches Miteinander unter den Völkern und Staaten. Dem Leid und Verzagen angesichts vieler Kriege habe Jesus durch sein Lebensbeispiel und sein Wort den Frieden entgegengesetzt, denn: "Der wahre Friede gründet in Gott".

Religionen könnten "vorausschauend sein" und allen die Überzeugungen mitteilen, "dass der Krieg ein Übel ist, dass die Gewalt niemals im Namen Gottes gerechtfertigt werden kann", zitiert die Langversion des Textvorschlags aus einer Ansprache von Andrea Riccardi, dem Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio. Diese Vision der Religionen, mit der sie ein "Bezugspunkt des Friedens" seien, sei zugleich "heiter, sicher, uralt und ganz neu".

(KAP)