Kirche ist Sprachrohr der "vermeintlich Überflüssigen"

Eine scharfe Kritik an einer Wegwerf-Kultur, die zu einer ökonomischen Bemessung der Menschen und ihres Wertes führt, hat Caritas-Präsident Michael Landau im Klagenfurter Concordia-Haus geäußert.

"Der Tod eines Kindes im Sudan ist kein Aufreger, eine negative Entwicklung der Aktienkurse führt aber zu einem gewaltigen Rauschen im Blätterwald", so Landau bei einem Referat zur dieswöchigen Schwerpunktwoche des Katholischen Bildungswerkes Kärnten. Deren Thema "Glauben und Handeln" müsse für Christen eine Einheit sein, gehöre es doch wesentlich zum Christsein, "den Schrei der Armen zu hören".

Zusammenhänge müssten verstanden werden, um sich Armen mit situationsgerechter Hilfe zuwenden zu können, forderte Landau. Der Reichtum der einen beruhe heute auf der Ausbeutung der anderen, wobei die "Wohlstandsinseln in einem Meer von Armut" auf Dauer nicht stabil seien, warnte der Caritas-Präsident. Ungerecht seien deshalb Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit: "Wenn mit einer Million Euro 12.000 Menschen nachhaltig aus der Situation des Hungers befreit werden können, dann sind das 12.000 Menschen weniger, die wackelige Boote besteigen und versuchen, nach Europa zu kommen."

Die Kirche gehöre an die Seite der Armen und müsse Sprachrohr der Ausgegrenzten, vermeintlich Überflüssigen und "von der Entsorgung Bedrohten" sein, forderte Landau. In Europa bedeute das nicht weniger als "die Hörsäle der Theologie um die Begegnung mit den Armen zu erweitern". Darüber hinaus sei jeder einzelne Christ gefordert, sei doch christliche Nächstenliebe keine Aktivität für eine christliche Neigungsgruppe, sondern Wesensvollzug aller Glieder der Kirche.

Immerhin bestehe jedoch auch unter jungen Menschen eine hohe Bereitschaft zu Solidarität, "besonders dort, wo Not ein Gesicht bekommt", erklärte Landau, und weiter: "Eine Generation von Egoisten sieht anders aus". Künftig werde man vor allem danach suchen müssen, was Solidarität stiftet und Menschen zu einem "genaueren Hinsehen" stärke.

Als ein Beispiel dafür wurde im Rahmen der Schwerpunktwoche die "Iniciativ Angola" präsentiert. Die 1996 von Jugendlichen gestartete Aktion betreut derzeit acht große Projekte in Angola, in denen bereits 50 Jugendliche einen Freiwilligeneinsatz geleistet haben, wie Projektleiter Hanzej Rosenzopf darlegte. "Wichtig für den Erfolg ist die Auseinandersetzung mit hilfsbedürftigen Menschen und das Wissen, wofür der Einsatz ist", so der Salesianerpater. Jugendliche seien bereit, an die Grenzen zu gehen - was auch für die jährlich bis zu 40 Jugendlichen gelte, die in den Sommermonaten arbeiten und einen Teil ihres Lohnes an Projekte spenden sowie Konzerte und Fußballturniere organisieren.

(KAP)