Katholische Frauenbewegung setzt Fokus auf Entwicklungszusammenarbeit

Katholische Frauenbewegung setzt Fokus auf Entwicklungszusammenarbeit

St. Pölten-Eisenstadt, 27.08.2014 (dsp/KAP) Angesichts der "ungebrochen neoliberalen Ausprägung" der Wirtschafts- und Finanzpolitik müssen Nichtregierungsorganisationen den Druck erhöhen und auf einen "Systemwandel" im großen Stil drängen: So lautete das Resümee der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), die am vergangenen Wochenende im burgenländischen Schlaining endete. Gerade im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) würden die "krassen Schieflagen" sichtbar, die der Neoliberalismus mit seinen Ungleichverteilungen von Ressourcen und Lebenschancen zeitigt.

Kfb-Vorsitzende Rosenberger: Wichtiger Austausch mit anderen Diözesen

„Die Sommerstudienwoche war für mich auch heuer wieder so etwas wie das Highlight des Jahres in der kfb Arbeit. Es ist immer wieder etwas ganz Besonderes mit allen Diözesanleitungsteams Österreichs und Südtirols gemeinsam einige Tage zu verbringen und dabei so viel Neues, Interessantes und Wissenswertes – heuer zum Thema 'Weil´s gerecht ist – teilen macht stark' – zu hören und zu erarbeiten“, sagt Anna Rosenberger, diözesane Frauenbewegungs-Vorsitzende. Rosenberger weiter: „Im nächsten Arbeitsjahr werden wir zu diesem Thema in das Arbeitsjahr in den Diözesen gehen.“ Es könne in diesem Jahr also noch viel vorgearbeitet und weitergearbeitet werden. Einmal mehr sei ihr bewusst geworden, welch ein Kernthema die Entwicklungszusammenarbeit in der kfb sei „und wie viel wir als Organisation aber auch als Einzelne zu tun haben, damit die Welt ein wenig gerechter, friedvoller und heiler wird durch uns“.

„Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe! Wir alle können zu Frieden und Gerechtigkeit auf dieser unserer EINEN Welt beitragen: Gestaltung meines Lebensstil aus meinem Glauben heraus, Bewußtseinsarbeit und Information, Solidarität und Vernetzung – mit der großen Chance der Kirche, die ja schon ein globales Netzwerk hat“, so Marianne Ertl, diözesane kfb-Referentin.

Ein Anzeichen für den geforderten Systemwandel sei etwa die Absage an eine reine Politik des wirtschaftlichen Wachstums, so die Katholische Frauenbewegung Österreichs.. Noch sei jedoch ein solcher Paradigmenwechsel etwa bei der Welthandelsorganisation (WTO) oder beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht erkennbar, so die zuständige Fachreferentin in der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission (KOO), Hilde Wipfel. Um den Wandel zu erreichen, müsse der Hebel in gleicher Weise bei den Themen Steuerflucht, Steuerhinterziehung und Korruption angesetzt werden, erklärte Wipfel. Treibende Kraft müsse dabei die Zivilgesellschaft sein, da diese die Aufgabe habe, "gegenüber Politik und Wirtschaft Kontrolle zu üben", aber auch innovativ voranzugehen.

Dass solches Grasswurzel-Engagement Erfolge hervorbringen kann, zeige etwa die heurige Unterschriftenkampagne der "Aktion Familienfasttag": Zur solidarischen Unterstützung der politischen Arbeit in Indien konnten laut kfbö mehr als 34.000 Unterschriften gesammelt werden - geplant war eine Kampagne mit rund 5.000 Unterschriften.

Indischer Bischof warnt vor "Feminisierung der Armut"

Das Zauberwort einer solchen Arbeit am Systemwandel lautet "Empowerment" (Ermächtigung). Im Fokus stehen dabei in der EZA immer häufiger die Frauen als Träger von Entwicklungsprozessen. In Indien setze man in der Entwicklungsarbeit seit den 1990er Jahren auf ein solches Konzept der "Ermächtigung", berichtete bei der Studientagung der indische Bischof und langjährige indische Caritas-Präsident, Bischof Yvon Ambroise. Gemeinsam kämpfe man heute vermehrt auch gegen internationale Wirtschaftunternehmen, die durch die Einrichtung etwa von "Wirtschaftszonen" sozial und rechtlich deregulierte Zonen schaffen, um - unter dem Deckmantel der Schaffung von Arbeitsplätzen - Ausbeutung insbesondere von Frauen zu betreiben. Dies sei letztlich eine Bewegung der "Entmächtigung", die "eine Feminisierung der Armut vorantreiben und das zivilgesellschaftliche Engagement schwächen", so Bischof Ambroise.

"Empowerment" sei jedoch nicht nur ein auf Entwicklungsländer beschränktes Konzept - auch europäischen Länder könnten einen feministischen Blick auf Politik und Wirtschaft vertragen, ermutigte Bischof Ambroise die österreichischen Bischöfe zu einem Fokus auf "gender policy". Theorie und Praxis müssten zum Gelingen eines Systemwandels eine neue Verbindung eingehen, so Ambroise unter Verweis auf das Konzept des "organischen Intellektuellen" von Antonio Gramsci, das Theoriebildung, Praxis und intersubjektive Begegnung miteinander verbindet.