„Jubel & Elend“ auf der Schallaburg

Plakat Ausstellung

Melk, 29.03.2014 (dsp) In Kooperation mit dem Heeresgeschichtlichen Museum Wien und Schloss Artstetten präsentiert die Schallaburg von 29. März bis 9. November 2014 unter dem Titel „Jubel & Elend. Leben mit dem Großen Krieg 1914-1918“ die bisher umfangreichste Ausstellung zum Ersten Weltkrieg. 1.000 Objekte von 140 nationalen wie internationalen Leihgebern erzählen spannende und vielfach berührende Geschichten über individuelle Schicksale im Großen Krieg. Die Schallaburg beleuchtet auf 1.300 Quadratmetern Fläche auch die globalen Perspektiven dieses ersten weltumfassenden und industrialisierten Krieg.

Die Schau konzentriert sich auf individuelle Schicksale und verdeutlicht die Auswirkungen und Folgen des Krieges auf die Bevölkerung. „Es ist keine Ausstellung der Objekte, sondern der vielen Geschichten hinter den Objekten“, betonte der Geschäftsführer der Schallaburg Kurt Farasin am Eröffnungstag. So begegnen die Besucher im ersten Schauraum 15 Protagonisten aus unterschiedlichen Ländern, Berufen und sozialen Verhältnissen der damaligen Zeit, die durch die Ausstellung „führen“ und eine „individuelle Reise durch die Zeit“ ermöglichen. Im Rahmen einer Sammelaktion haben auch 4.500 Personen Erinnerungsstücke aus ihren eigenen Familien eingebracht, von denen 120 Objekte mit ihren bewegenden Geschichten in der Ausstellung gezeigt werden. Diese bisher noch nie gezeigten Zeugnisse aus Privatbesitz lassen den „Großen Krieg“ damit greifbar werden.

Zu sehen sind auch Exponate zu den Schlüsselereignissen des Krieges, zur Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand, zum Kriegsausbruch und Kriegsverlauf, aber auch Alltagsobjekte, die durch den Krieg geprägt sind: Bastelarbeiten von Kriegsgefangenen oder berührende Briefwechsel zwischen Soldaten und ihren Angehörigen. Bilder von Egon Schiele oder Oskar Kokoschka offenbaren, wie Künstler den Krieg erlebten. Raritäten aus den Sammlungen in- und ausländischer Museen dokumentieren das Kriegsgeschehen am der Front, aber auch im Hinterland und in der Heimat. Die Ausstellung schließt mit Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg, der ein „Ende ohne Frieden“ nahm, und der Frage, wie es sein konnte, dass die Menschheit wenig später in einen weiteren, noch größeren Krieg schlitterte.

Kirche und Glaube im Krieg

Ein Schauraum ist dem Thema „Krieg, Glaube und Aberglaube" gewidmet. Im krassen Gegensatz zu den tatsächlichen Ereignissen an den Kriegsschauplätzen sorgte die Propaganda dafür, dass die so genannte „Heimatfront“ dem Krieg nicht ihre Unterstützung entzog. Dabei habe auch die katholische Kirche eine zentrale Rolle gespielt, wie es in den Texten zur Ausstellung heißt. Die Bedrohung durch den Tod, ständige Sorge um das Schicksal der Angehörigen, vielfältige Entbehrungen und das Gefühl, einem unbegreiflichen Geschehen ausgeliefert zu sein, nährte bei vielen Menschen religiöse Gefühle. „Geistliche sind oftmals eine mentale, ob zu Hause oder im Feld. Viele gießen aber Öl ins Feuer, rufen zum Kampf gegen Ungläubige auf und predigen Hass auf den Gegner. Dabei ist der Gott, den Soldaten und Daheimgebliebene anrufen, oft auch jener des Feindes.“

In christlich geprägten Ländern drängten sich zu Weihnachten noch deutlicher als sonst Fragen nach dem Sinn des Krieges auf, nach dem eigenen Schicksal und der Zukunft. Neben den religiösen Ritualen, die Halt geben konnten, verbreiteten sich im Laufe des Krieges jedoch auch Aberglaube und okkulte Praktiken. Mit dem Einsatz von Glücksbringern und Abwehrzaubern, mit Kettenbriefen und Deutungen von Himmelserscheinungen hoffte man, das Schicksal zu eigenen Gunsten lenken zu können.

Konfliktlabor: Streiten will gelernt sein

Der Konfliktforscher Friedrich Glasl entwickelte ein neunstufiges Modell der Eskalationsdynamik. Dieses Modell zeigt auf, wie Konflikte – egal ob auf politischer Ebene oder im persönlichen Bereich – nach ähnlichen Mechanismen funktionieren. Eine räumliche Darstellung dieser Eskalationsstufen steht im Mittelpunkt eines eigens für die Ausstellung eingerichteten, interaktiven Konfliktlabors. Zur Einführung in das Thema werden nach Alter abgestimmte Filmsequenzen gezeigt. Der Workshop selbst thematisiert anhand konkreter Übungen Fragen wie den Einfluss von Mimik, Gestik oder Tonfall auf Konfliktsituationen und zeigt gleichzeitig die Chancen von Konflikten und konstruktive Lösungsansätze auf. Ein kleines Heftchen namens „Konflikthelferlein“ dient den Teilnehmern des Workshops dabei zur individuellen Dokumentation der Erkenntnisse. Das Konfliktlabor steht Gruppen nach Anmeldung und Individualbesuchern jederzeit offen.

www.schallaburg.at