Hirtenbrief über Eucharistie und Wort-Gottes-Feier

Foto: Jerko Malinar

St. Pölten, 18.03.2014 (dsp) Über die „tiefe Bedeutung der Eucharistie“ und ihr Verhältnis zur Wort-Gottes-Feier schreibt Bischof Klaus Küng in einem Hirtenbrief, der am 2. Fastensonntag erschienen ist. Küng geht darin auf die Problematik ein, die aus der Spannung zwischen Anspruch und Realität in den einzelnen Pfarren entstehen kann.

Die Eucharistie sei nach dem Konzilsdokument „Lumen gentium“ Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens, erinnert Bischof Küng in seinem Hirtenbrief, da uns Christus durch sie Gemeinschaft mit ihm schenke und uns dadurch in die Gemeinschaft mit Gott hineinnehme. „So wird unser Leben zu einem Weg der Vereinigung mit Gott.“

Durch die von Kaiser Joseph II. am Ende des 18. Jahrhunderts geschaffene Pfarrstruktur, sei es jedoch nicht mehr möglich, dass in allen Pfarren an jedem Sonntag Eucharistie gefeiert werden kann. Einerseits könne den Priestern nicht abverlangt werden, an einem Sonntag regelmäßig mehr als zwei oder drei heilige Messen zu feiern. Andererseits gelte es dafür zu sorgen, dass die Gläubigen aufgrund der geringeren Möglichkeiten „nicht über längere Zeit die Beziehung zur Eucharistie verlieren“.

„Im Wissen um die tiefe Bedeutung der Eucharistie“ empfiehlt Küng den Pfarren, sich auf eine Gottesdienstordnung zu einigen, die möglichst vielen Gläubigen die Teilnahme an einer Sonntagsmesse erlaubt.“ Wenn keine hl. Messe gefeiert werden kann“, sei die Wort-Gottes-Feier, so Bischof Küng, „eine wertvolle Hilfe, um die tiefere Bedeutung des Sonntags bewusst zu machen und den Wunsch nach der Begegnung mit dem Auferstandenen und nach einem Leben in Verbundenheit mit ihm zu wecken“.

Wort-Gottes-Feier verwirklicht „wesentliches Element des Sonntags“

Auch in der Wort-Gottes-Feier trete Christus in die Mitte der Gemeinde, „zwar nicht sakramental, aber durch die Verkündigung seines Wortes und durch die Versammlung der Gläubigen im Gebet“. Da in der Wort-Gottes-Feier „ein wesentliches Element des Sonntags“ verwirklicht werde, dürfe diese „nicht als minderwertig betrachtet“ werden, wie Küng betont. Wenn in einer Pfarre keine heilige Messe gefeiert werden könne, und es schwierig sei, in einer anderen Pfarre an einer Eucharistiefeier teilzunehmen, „dann wird die Wort-Gottes-Feier zu einem wichtigen Element der Sonntagsheiligung und zu einem wertvollen Beitrag zum kirchlichen Leben“.

Im Rahmen einer sonntäglichen Wort-Gottes-Feier solle jedoch „grundsätzlich keine Kommunionspendung erfolgen“, schreibt Küng, da die Kommunion unmittelbar mit den Worten über das Brot und dem Brechen des Brotes zusammenhänge und „daher ein wesentliches Element der Eucharistiefeier“ sei.

Im Zusammenhang ob Eucharistie- oder Wort-Gottes-Feier – darum bittet der Bischof – sollte jedoch „alles vermieden werden, was unter den Gläubigen zu Spannungen führt, oder zu einer Art Druckausübung, an der Eucharistie- oder an der Wort-Gottes-Feier teilzunehmen“. Auch wenn immer die Eucharistiefeier das Zentrum des christlichen Sonntags bleiben werde, muss alles vermieden werden, was eine Gemeinde spaltet „Vor allem sollen wir, wie Papst Franziskus oft erinnert, nicht urteilen.“

Besonderer Dienst des Priesters

Beim Vollzug der Eucharistie erfülle der Priester „einen besonderen Dienst“, wie Küng betont. Bei der Feier der Eucharistie sei der Priester „nicht bloß eine Art Vorsitzender“: „Durch den Empfang der Weihe sei der Priester befähigt, bei bestimmten Handlungen 'in persona Christi', das heißt, an seine Stelle tretend tätig zu werden.“ Dabei stehe der Priester ganz im Dienste des Hohenpriesters Jesus Christus und im Dienste der Kirche und aller Gläubigen.

Allerdings sei es „in keiner Weise ein Privileg des Priesters“, Christus zu vergegenwärtigen. Jeder getaufte Christ und jede getaufte Christin „können und sollen“ Christus vergegenwärtigen – in der Familie, am Arbeitsplatz, auf der Straße, in der Gesellschaft. Küng: „In dieser Gemeinschaft mit ihm und untereinander ruft er uns zur Nachfolge, er stärkt uns und beruft uns, Anteil zu nehmen an seinem Opfer: Damit auch wir unser Leben Gott hingeben und es seinem Willen anvertrauen! Damit auch wir es unseren Mitmenschen hingeben, sie lieben, soweit wir es trotz all unseres Unvermögens können!“

Der Hirtenbrief im Wortlaut: http://www.dsp.at/dioezese-st-poelten/artikel/2014/hirtenbrief-eucharistie-und-wort-gottes-feier