Friedensgebet: Abbas und Peres kommen im Juli zum Papst

Abbas und Israels Staatspräsident Shimon Peres wollen im Juli zu einem persönlichen Friedenstreffen in den Vatikan reisen. Das bestätigten die Büros der beiden Politiker laut israelischen Medienberichten am Sonntag. Papst Franziskus hatte Abbas und Peres bei einer Messe in Bethlehem zu einem gemeinsamen Friedensgebet nach Rom eingeladen.<--break->

Papst Franziskus hat seinen siebenstündigen Besuch in Bethlehem am Sonntagnachmittag beendet. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der Papst verabschiedeten sich um 15 Uhr auf dem Hubschrauberlandeplatz mit einer herzlichen Umarmung.

Vatikansprecher P. Federico Lombardi erklärte, der Palästinenserpräsident und das israelische Staatsoberhaupt hätten die Aufforderung des Papstes angenommen. Einen Termin nannte er nicht. Da die Amtszeit des 90 Jahre alten Peres am 15. Juli endet, wird mit einem Treffen vor diesem Termin gerechnet.

Die Initiative des Papstes sei mit Abbas und dem Friedensnobelpreisträger Peres vorher abgesprochen worden, sagte Lombardi. Ursprünglich sei eine solche Begegnung schon für den Papstbesuch angedacht gewesen. Dies habe sich jedoch nicht verwirklichen lassen.

Nach Einschätzung der israelischen Zeitung "Haaretz" (Onlineausgabe Sonntag) dürfte ein Friedenstreffen von Peres mit Abbas den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu verstimmen. Dieser betrachte Aussöhnungsversuche derzeit mit Ablehnung, weil die Palästinenserführung wieder die Nähe zur militanten Hamas suche.

"Klares Nein zu Gewalt und Gegengewalt"

Dem Abflug des Papstes vorausgegangen war ein Treffen mit Kindern aus den Flüchtlingslagern von Dheisheh, Aida und Beit Jibrin. Das Treffen erfolgte im "Phoenix Center", einer Sozialeinrichtung, die von Johannes Paul II. anlässlich seiner Reise nach Bethlehem im Jahr 2000 angeregt wurde. Eingeweiht wurde das Zentrum zum 25-jährigen Pontifikatsjubiläum des polnischen Papstes im Jahr 2003.

Die Kinder hielten dem Papst Schilder mit der Aufschrift "Stop occupation now!" entgegen. Ein Flüchtlingskind forderte in seiner Rede im Namen der Anwesenden die Räumung der besetzten Gebiete.

Der Papst hielt nach den Darbietungen der Kinder eine kurze improvisierte Ansprache auf Spanisch, die von einem anwesenden lateinamerikanischen Franziskaner übersetzt wurde. Franziskus rief die Kinder eindringlich dazu auf, sich ihre Zukunft niemals von der Vergangenheit vorherbestimmen zu lassen. Leitlinien ihrer Zukunft müssten vielmehr harte und beständige Arbeit, "ein klares Nein zu Gewalt und Gegengewalt" sowie ein Engagement für den Frieden sein.

Zum Mittagessen hatte sich Franziskus mit palästinensischen Familien in einem kirchlichen Pilgerheim getroffen. Anschließend ging er zur Wiege des Christentums, der Geburtskirche in Bethlehem. Sie steht nach christlicher Tradition an dem Ort, wo vor 2.000 Jahren Jesus geboren wurde. In der Krypta des Gotteshauses, der sogenannten Geburtsgrotte, verweilte Franziskus für einige Minuten im Gebet.

Kurz nach 15 Uhr flog der Papst mit einem Hubschrauber der jordanischen Luftwaffe weiter nach Israel. Nach der offiziellen Begrüßung am Ben-Gurion-Flughafen von Tel Aviv erfolgte der Weiterflug nach Jerusalem und ein Treffen mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Gebäude der Apostolischen Delegation.

Anschließend sollten Papst und Patriarch eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Ein ökumenischer Gottesdienst mit Papst Franziskus, Patriarch Bartholomaios I. und Repräsentanten aller im Heiligen Land vertretenen Kirchen sollte um 19 Uhr Wiener Zeit folgen. Anlass war das Gedenken an die Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras I. vor 50 Jahren.