Ermutigung für Pfarrgemeinderäte: „Durch Taufe und Firmung beauftragt und gesandt“

Regionalbegleiterin Maria Meyer-Nolz, Abt Wolfgang Wiedermann, Regionalbegleiter Franz Mollner, Regionalbegleiterin Michaela Lugmaier, BV Dr. Gerhard Reitzinger, Bereichsleiter Pfarre Peter Haslwanter, Abtpräses Christian Haidinger

Zwettl, 24.03.2014 (dsp) Motivation und Ermutigung für Pfarrgemeinderäte der Diözese St. Pölten war ein Treffen der Reihe „PGR-T(D)ankstelle“ der Pastoralen Dienste am vergangenen Wochenende in Zwettl. Die Referenten Christian Haidinger, Abtpräses der Österr. Benediktinerkongregation, und Gerhard Reitzinger, Bischofsvikar und geistlicher Leiter der Pastoralen Dienste, ermunterten die 140 Teilnehmer, über die Grenzen der eigenen Pfarrgemeinde hinauszuschauen, neue Orte der Gottesbegegnung zu finden und mutig den Gekreuzigten und Auferstandenen als „grundlegende Wirklichkeit unseres Glaubens zu leben und durch das Leben zu bezeugen“.

Von Gott selbst zum Zeugnis beauftragt

Auf die aktuelle Umbruchsituation der Kirche ging Altabt Christian Haidinger in seinem Impulsvortrag „Herr, wohin sollen wir gehen?“ (Joh 6,68) ein: „Einige Diözesen haben bereits Zukunftsmodelle gefunden und arbeiten daran, diese umzusetzen“, sagte Haidinger. Er sei jedoch froh, dass „wir in unserer Diözese noch nicht wirklich ein Konzept für die künftige Gestalt der Pfarrseelsorge haben.“ In diesem Zusammenhang dankte Haidinger Bischof Klaus Küng „ausdrücklich für den diesjährigen Fastenhirtenbrief“, in dem die sonntägliche Eucharistiefeier „eindringlich als Mitte, Zentrum und Quelle“ vor Augen gestellt werde. „Recht klar und entschieden“ spreche der Bischof aber auch die Möglichkeit der Wort-Gottes-Feier an Sonntagen an, wenn es einem Pfarrer nicht mehr möglich sei, in jeder seiner Pfarre am Sonntag Eucharistie zu feiern. Christus sei auf vielfältige Weise unter uns gegenwärtig, vor allem auch im Wort Gottes und wenn „zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“.

„Entscheidend und zukunftsweisend für unsere Kirche“ sei die Entscheidung jeder und jedes Gläubigen, „als Getaufte und Gefirmte unsere Sendung anzunehmen und zu leben“, betonte Haidinger. Taufe und Firmung seien „nicht nur ein Geschenk Gottes an uns“ sondern zugleich auch eine Aufgabe. Für das Zeugnis des Glaubens brauche es keine bischöfliche Beauftragung, so Haidinger. „Gott selbst hat uns durch Taufe und Firmung dazu beauftragt und gesandt.“ Es seien zwar auch diözesane Konzepte für die Zukunft der Gemeinden, notwendig „aber darauf zu warten und inzwischen die Hände in den Schoß zu legen wäre gefährlich – vieles könnte in dieser ungenützten Zeit für immer verloren gehen“, warnte Haidinger.

Berufung und Sendung gründet in Gottesbegegnung

Die Sendung jedes und jeder Einzelnen gründe in der Gottesbegegnung, sagte Bischofsvikar Gerhard Reitzinger in seinem Vortrag „Wo du stehst, ist heiliger Boden“ (Ex 3,5): „Alles baut auf den Namen und auf die Gegenwart Gottes.“ Der „Ort, wo heiliger Boden ist“, sei jedoch kein unveränderlicher Platz, sondern „mitten im Alltag“. Reitzinger: „Auch für Mose ist der Ort der Berufung kein Ort zum Ausruhen und kein Heiligtum, das er bewahrt.“

Andererseits seien konkrete Orte der Gottesbegegnung „notwendig und entscheidend für unsere Pfarrgemeinden“, da „Gott keine Utopie“ - wörtlich: Nicht-Ort – sei. Gott zeige sich konkret in Raum und Zeit, an dem Ort, wo man selbst stehe, so Reitzinger. Könne dies wahrgenommen werden, „öffnen sich für uns viele neue Räume“. So sollten auch Pfarrgemeinden zu Glaubens- und Lebensräumen werden, die sich durch verschiedene Arten der Gottesbegegnung über ihre Grenzen hinaus für Neues öffnen.

Dieser Ort der Gottesbegegnung sei jedoch „nicht nur Territorium“, sondern geschehe viel mehr „in uns“. So sei die Berufung und Sendung des Mose beim brennenden Dornbusch, „kein exklusives Geschenk“ gewesen, betonte Reitzinger, sondern sei eine „Grunderfahrung unseres Glaubens“. Jede und jeder Getaufte sei gerufen und gesandt; die „allgemeine Berufung zu Heiligkeit“ komme von Gott her und werde von ihm geschenkt: „Wir sind der Ort der Christus-Gegenwart.“