Die Fastenzeit beginnt

Aschenkreuz

St. Pölten, 05.03.2014 (dsp) Am Aschermittwoch (heuer 5. März) beginnt für die meisten Christen in aller Welt (mit Ausnahme der Gläubigen der Ostkirchen) die 40-tägige vorösterliche Bußzeit "Quadragesima", auch Fastenzeit genannt. Die Bußzeit, an deren Beginn der Empfang des Aschenkreuzes als äußeres Zeichen von Bußgesinnung, Umkehr und Erneuerung steht, eröffnet den österlichen Weg der Kirche, die im Durchgang durch das Leiden und Sterben Christi (Karfreitag) die Auferstehung Jesu feiert. Die auf dem Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) erstmals festgelegte Quadragesima als Vorbereitung auf das Osterfest hebt drei Grundvollzüge des Glaubens hervor: Verzicht, Gebet und Werke der Nächstenliebe.

Den Beginn der Fastenzeit markiert das Aschenkreuz, das den Gläubigen am Aschermittwoch auf die Stirn gezeichnet wird. Bereits in alttestamentlicher Zeit (z. B. im Buch Jona oder im Buch Hiob) diente die Asche als Zeichen der Buße. Am Aschermittwoch legt es der Priester mit den Worten auf die Stirn: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehrst." Üblich ist dabei auch der Ausspruch: "Kehre um und glaube an das Evangelium" - ein Aufruf zur Wegkorrektur und zur Besinnung auf Christus als Zentrum des christlichen Glaubens.

Der Aschenritus stammt aus dem 11. Jahrhundert und damit aus jener Zeit, in der die Büßer öffentlich am Aschermittwoch aus der Kirche ausgeschlossen und als Zeichen der Buße mit Asche bestreut wurden. Erst am Gründonnerstag, dem liturgischen Endtermin der Fastenzeit, wurden sie feierlich wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen.

Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastenzeit her, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan in der Wüste auf sich nahm. Wie in der Wortbedeutung von "fasten" - mittelhochdeutsch "vasten", gotisch "fastan": "(an den Geboten der Enthaltsamkeit) festhalten, festhalten, bewachen, beobachten" - zum Ausdruck kommt, geht es um die Festigung und Reifung im Glauben gegenüber Versuchungen wie Egoismus, Sucht, Untreue oder Verbitterung.

Die Zahl 40 hat in der Bibel einen hohen Symbolwert. So fastete der Prophet Elija 40 Tage in der Wüste, ehe er seiner Berufung folgte. Das Volk Israel wanderte nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung. Moses war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe. Die Stadt Ninive hatte 40 Tage, um ihre Sünden zu bereuen. Fasten ist somit nicht mit Diät oder Schlankheitskuren zu verwechseln, sondern meint eine religiös begründete Einschränkung bzw. Enthaltung der Nahrungsaufnahme mit dem Ziel der leiblichen, aber auch geistigen und seelischen Reinigung.

Einmalige Sättigung am Tag

Die katholische Kirche konkretisiert das Fastengebot als Reduktion des Essverhaltens auf eine einmalige Sättigung am Tag, wobei außerhalb der täglich einmaligen und schlichten Mahlzeit kleine Stärkungen zur Erhaltung der Schaffenskraft erlaubt sind. Das Fastengebot richtet sich an erwachsene Personen vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zu Beginn ihres 60. Lebensjahres; Kinder sollten nicht fasten, Jugendliche unter 18 Jahren nur in eingeschränkter Weise. Vom Fastengebot ausgenommen sind kranken Menschen, Reisende und Teilnehmende an fremden Tischgesellschaften sowie körperlich schwer Arbeitende. Das vorösterliche Fastenbrechen an den Sonntagen entspricht nicht bloß einer weit verbreiteten Tradition, sondern einem Gebot, das dem feierlichen Charakter der sonntägigen Eucharistie Rechnung trägt.

Das Abstinenzgebot und damit der religiös motivierte, freiwillige Verzicht auf Fleischspeisen an allen Freitagen betrifft Katholiken vom vollendeten 14. Lebensjahr bis zum Lebensende. Die Abstinenz als Freitagsopfer, die auch modifizierte Formen wie die Einschränkung im Konsumverhalten oder geistliche Opfer wie den Hilfsdienst am Nächsten kennt, soll die Erinnerung an das Leiden und Sterben Christi gegenwärtig halten. Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind sowohl Fasten- als auch Abstinenztage.

Biber, Bier und Schokolade

Dass die buchstabengetreue Einhaltung von Fastenregeln auch in der Vergangenheit nicht immer vom Geist der Besinnung und Umkehr durchweht war, verdeutlicht ein Blick auf so manch fantasievolle Ausdehnungen und Ausdünnungen des mittelalterlich festgelegten Verbots des Fleischverzehrs von warmblütigen Tieren sowie des Genusses aller Nahrungsmittel aus der Großvieh- und Geflügelhaltung (wie Milchprodukte, Eier, Schmalz): Die Zuordnung von Biber und Gans zu "Wassertieren" und damit zu den erlaubten Fischspeisen bis hin zur Wurstherstellung aus Fischen in mittelalterlichen Klosterküchen sind auch durch kirchliche Mahnungen zur Erinnerung an den eigentlichen Sinngehalt des Fastens bezeugt.

Starkbier als Fastengetränk war in Klöstern schon alleine deshalb üblich, weil andere Getränke für die einfachen Leute des Mittelalters nicht zugänglich waren. Und im Jahre 1569 soll Papst Pius V. auf die Frage eines Gesandten der mexikanischen Bischöfe, ob ein neuartiges Getränk namens "Xocoatl" in der Fastenzeit getrunken werden dürfe, geantwortet haben: "Schokolade bricht das Fasten nicht". Das herb-säuerliche Getränk aus Kakaobohnen, Wasser Chili und Vanille war nicht nach dem Geschmack des Papstes. Während die im Handel mit dem Genussmittel stark vertretenen Jesuiten für die Zulassung von Schokolade eintraten, waren die Dominikaner strikt dagegen.

"Heilige Woche"

Die letzte Woche vor Ostern ist die Karwoche, auch "Heilige Woche" genannt. Sie vergegenwärtigt den dramatischen Höhepunkt im Leben und Wirken Jesu. In ihr wird des Einzugs Jesu in Jerusalem (Palmsonntag), der Feier des Paschafestes mit den Jüngern (Gründonnerstag), der Gefangennahme, Verurteilung und schließlich der Hinrichtung Jesu (Karfreitag) sowie der Grabesruhe am Karsamstag gedacht, bevor in der Osternacht das Fest der Auferstehung gefeiert wird.

(KAP)