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Christliche Mystik unterscheidet sich von fernöstlicher

24.08.2009 (KAP) Vor der unreflektiert-naiven Übernahme fernöstlicher oder esoterischer Elemente in die christliche Spiritualität hat der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer gewarnt. Christliche Mystik unterscheide sich von fernöstlicher oder neuplatonischer Einheitsmystik, betont Scheuer in einem Interview in der aktuellen Programmzeitschrift des Wiener "Kardinal König Hauses". Kriterium für Mystik sei für Christen die Person Jesu Christi. "Unterscheidung der Geister ist ein Gebot der Stunde", so Scheuer wörtlich, "sonst verlieren Glaubende ihr Selbstbewusstsein, sonst übernehmen fundamentalistische Ideologien das Ruder". Nicht jeder "Selbstverwirklicher" sei schon ein spirituell Suchender und "nicht jeder spirituell Suchende ist schon ein Mystiker", hielt Scheuer fest.

Gegen den Einbau von Elementen östlicher Religionen wie Atemübungen, Sitztechniken oder Yoga in geistliche Übungen im christlichen Bereich habe er prinzipiell nichts einzuwenden, so Scheuer. Offenbar habe es "Fremdprophetien" gebraucht, um im Christentum wieder an die Bedeutung von Haltungen des Körpers für das Gebet oder auch an die Kraft des Atems erinnert zu werden. Elemente anderer Religionen seien allerdings danach zu befragen, welches Menschen- und Gottesbild sie implizit transportieren, unterstrich der Tiroler Bischof: "Da sollte man auch nicht naiv sein".

Bischof Scheuer äußerte sich anlässlich des neuen Projekts "Stille in Wien" im "Kardinal König Haus", mit dem die Jesuiten einen neuen spirituellen Impuls setzen wollen. Abgeschirmt vom restlichen Betrieb in dem Bildungszentrum werden vier Zimmer zur Verfügung stehen, um sich für ein paar Tage zurückzuziehen, auszuspannen und neue Kraft zu schöpfen. Angebote wie Gebet oder Exerzitien sollen helfen, in diese Stille hinein zu führen. Vorgestellt wird das neue Projekt am Freitag, 16. Oktober, im Rahmen des Festes "125 Jahre Jesuiten in Wien-Lainz". Dabei wird der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky die neuen Räumlichkeiten segnen.

Bischof Scheuer würdigte in dem Interview ausdrücklich die Bedeutung von Exerzitien (geistliche Übungen). Dabei gehe es um eine "Einübung in die Freundschaft mit Jesus". Glaube sei Gnade, aber es brauche auch Zeiten der Übung und besonderen Aufmerksamkeit, so Bischof Scheuer, damit das Leben eine Ordnung und Mitte hat. Scheuer: "Die eigene Lebensentscheidung und der eigene Lebensentwurf werden an der Gestalt Jesu ausgerichtet, die ja die Gestalt der Liebe Gottes in der Geschichte ist".

Kirche und Gesellschaft könnten es sich nicht leisten, auf das zu verzichten, was mit solchen Exerzitien verbunden ist: "Es würde eine oberflächliche, entsolidarisierte und bürokratische Kirche herauskommen, die sich selbst aufgibt". Er wünsche sich, so der Bischof, dass sich mehr Menschen in der Kirche auf intensive Formen der Exerzitien einlassen.

Scheuer: "Exerzitien können die Probleme und Krisen der Kirche in einem guten Sinn relativieren, weil sie zum Fundament des Glaubens führen: Grund der Hoffnung ist nicht etwa der Zölibat, oder dass der Zölibat abgeschafft wird, sondern Gott selbst, der sich in Leben, Tod und Auferstehung Jesu unwiderruflich zugesagt hat". Er wünsche sich deshalb in der Kirche auch eine größere "innere Freiheit", fügte der Bischof hinzu.