„Brückenbauer Kardinal König als Vorbild nehmen“

„Brückenbauer Kardinal König als Vorbild nehmen“

Rabenstein, 01.09.2014 (dsp) „Wie leben geht – Ehe, Familie, Partnerschaft“ – darum ging es bei den heurigen Kardinal-König-Gesprächen ain Rabenstein an der Pielach. Und damit widmete man sich einem hochbrisanten Thema, denn von 5. bis 19. Oktober findet im Vatikan die von Papst Franziskus einberufene Familiensynode statt.

„Das Thema Familie ist unerschöpflich und es wird seit Jahrhunderten diskutiert“, so Moderator Heinz Nußbaumer. Unbestreitbar sei, dass das was wir als Familie verstünden, ordentlich ins Trudeln geraten sei. Bei den Vorgesprächen stellten die Mitglieder des Kardinal-König-Vereins fest, dass das Bild der Familie immer großen Veränderungen unterworfen gewesen sei. Dabei habe sich ein Paradigmenwechsel ergeben, bei dem es nicht mehr um den Gehorsam der Frau gegenüber dem Mann gegangen sei, sondern vom Bindeglied der Liebe zwischen Mann und Frau gesprochen worden sei.

„Wichtig ist, dass die Menschen gehört werden und dass ein Gespräch beginnt“, ortete Annemarie Fenzl, langjährige Mitarbeiterin von Kardinal König, in ihrer Standortbestimmung einen Paradigmenwechsel in der Kirche. Große Erwartungen an das Schlusspapier der Synode, so Fenzl am Rande der Gespräche, habe sie nicht. „Ich erwarte mir aber kleine Schritte in die richtige Richtung: mehr zuhören, vorsichtiger urteilen und einfühlen.“ Auswertungen des weltweiten Familienfragebogens hätten gezeigt, dass die Kluft zwischen Lehre und Leben sehr groß sei. Kardinal König sollte uns dabei als Brückenbauer ein Vorbild sein.

"Revolution in der Kirchengeschichte"

„Das ist eine Revolution in der Kirchengeschichte, dass ein Papst anfängt zuzuhören“, schlug auch Matthias Beck, Mediziner, Philosoph und Priester, in dieselbe Kerbe. Die Strukturen der Ehe und Familie werden, so Beck, noch weiter aufbrechen. „Wir haben es mit einer Entchristlichung Europas zu tun.“ Es gehe daher darum, den Einzelnen in den Mittelpunkt zu rücken. In diesem Zusammenhang sollte mehr Wert auf die spirituelle Erziehung junger Menschen gelegt werden. Schon von der Pubertät an sollte trainiert werden, den Heiligen Geist in sich selbst zu erkennen und die Stimme Gottes in sich hören zu lernen.

"Es muss Einzelentscheidungen geben“

„Und dann kann ich später sagen … bis dass der Tod uns scheidet.“ Nachsatz: „Geht die Ehe aber schief, dann geht es um Barmherzigkeit.“ Beck: „Weder staatliche noch kirchliche Gesetze können alles regeln. Es muss Einzelentscheidungen geben.“ In Bezug auf den Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten könne er sich, so Beck, vorstellen, dass eine Lösung angedacht wird, wie sie in der Ostkirche praktiziert wird: Dort ist eine zweite Ehe möglich, ohne dass die Betroffenen von allen Sakramenten ausgeschlossen werden.

Seit 2008 sind die Pielachtal-Gemeinden Rabenstein, wo der unvergessene Wiener Kardinal Franz König am 3. August 1905 geboren wurde, und Kirchberg abwechselnd Schauplatz des Treffens.

Foto: Annemarie Fenzl, langjährige Mitarbeiterin von Kardinal Franz König, der in Rabenstein zur Welt kam, und Gottfried Auer, "Obmann vom Verein Kardinal König - Glaube und Heimat im Pielachtal".