Bronzezeit im Diözesanmuseum

Mag. Eva Voglhuber vom Diözesanmuseum führt durch die Schatz- und Paramentenkammer

St. Pölten, 10.05.2013 (dsp) Die Ausstellungen im Diözesanmuseum St. Pölten „verbinden das Sichtbare mit dem Unsichtbaren und das Geistige mit dem Materiellen“. Das sagte Bischof Klaus Küng bei der Eröffnung der diesjährigen Sonderausstellung „Bonze-Zeit/en“ und der Wiedereröffnung der restaurierten und neu aufgestellten Schatz- und Paramentenkammer. In der Sonderausstellung tritt die urgeschichtliche Periode der Bronzezeit mit anderen, zeitlich verschiedenen kulturellen Äußerungen durch das gemeinsame Material der Bronze in einen Dialog. Die Objektgruppen werden in drei Abschnitten präsentiert und beinhalten bronzezeitliche Depotfunde aus der Pfarre Gobelsburg, Münzen und Medaillen der neu geordneten Münzsammlung des Diözesanmuseums sowie zeitgenössische Bronzeskulpturen von Josef Colz. Der Bogen wird also von der Urgeschichte bis zur Gegenwart gespannt.

Die bronzezeitlichen Fundstücke aus Gobelsburg bei Langenlois „hatten offenbar mit Riten zu tun“, so Bischof Küng. Ihre besondere Bedeutung zeige sich in Material und Gestaltung aus, durch die „eine Verbindung von Materiellem mit Immateriellen“ ausgedrückt werde. Das gleiche gelte für die modernen Bronzeskulpturen von Josef Colz, die dadurch „den Funden aus uralter Zeit sehr nahe“ seien. Auch bei den Münzen und Medaillen, die Hinweise auf Ereignisse in unterschiedlichen Epochen geben, „begegnen wir Menschen, die geistige Inhalte ausdrücken und ihnen materielle Form geben“, wie Küng sagte. In ganz besonderer Weise treffe dies für die Objekte der Schatz- und Paramentenkammer zu, deren Renovierung und Neuaufstellung ein besonderes Anliegen von Bischofsvikar Prälat Franz Schrittwieser war. Ihr Wert sei „Ausdruck des Glaubens und der Liebe“.

Bronze:  historisch-materielle Bedeutung und künstlerische Bearbeitung

Die Fähigkeit, Metalle zu bearbeiten, stehe in einer Reihe großer kultureller und zivilisatorischer Entdeckungen, erklärte der Direktor des Diözesanmuseums Wolfgang Huber bei der Eröffnung, und habe neben technischen auch weitreichende wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Auswirkungen gehabt. Der Bronzeguss erlaubte den Austausch und Handel genormter Waren, die Bronzebarren fungierten als erste Zahlungsmittel. Mit dem neuen Werkstoff seien jedoch auch neue geistige und künstlerische Möglichkeiten verbunden gewesen: Wie bei jedem Kunstwerk stehe auch hinter dem urgeschichtlichen gestalteten Objekt „eine bestimmte Absicht, eine Idee, deren formale Umsetzungen zur Manifestation allgemeiner und spezifischer kultureller Intentionen wurden“, wie Huber erklärte. Von der historisch-materiellen Bedeutung zur künstlerischen Bearbeitung des Werkstoffes Bronze bietet die Ausstellung eine mehrschichtige Annäherung an das Phänomen Bronze.

Bronzezeitlicher Fund Gobelsburg

Im Zuge von Baumaßnahmen entdeckte man am südöstlichen Ortsrand von Gobelsburg bei Langenlois eine bislang unbekannte archäologische Fundstätte. Der Verein ASINOE (Archäologisch-Soziale Initiative Niederösterreich) untersuchte 2010 den ur- und frühgeschichtlichen Siedlungsplatz. Funde und Fundumstände gewähren Einblicke in den Alltag der dort lebenden Gemeinschaften von der Jungsteinzeit bis in die Zeit der Völkerwanderung (ca. 5300 v. Chr.–6. Jahrhundert n. Chr.). Außergewöhnliche Befunde lassen Rückschlüsse auf damalige kultisch-religiöse Vorstellungen und rituelle Praktiken zu.
17 Ringbarren aus Bronze wurden zu Bündeln geschnürt in einer Grube niedergelegt. Solche Deponierungen von Ringbarren finden sich in ganz Mitteleuropa häufig und datieren in die Frühbronzezeit (2200–1600 v. Chr.). Ihre Arrangements, die definierten Metallformen, die normierten Gewichtsanteile und die Stückanzahl lassen nicht bloß verwahrte Metallgüter vermuten, sondern sprechen für rituelle Deponierungen als „Gaben an die Götter“.  Außergewöhnlich ist der Fund mehrerer tönerner Geschirrsets aus der Mittel- und Spätbronzezeit (15.–12. Jahrhundert v. Chr.) auf einer einzigen Fundstelle. Die Arrangements verweisen auf inszenierte rituelle Handlungen beim Akt der Niederlegung.

Bronze als Münzmetall wird erst mit der zunehmenden Abkehr vom Tauschhandel ab etwa 450 v. Chr. üblich und bleibt nun fast 1000 Jahre bevorzugtes Material für Münzen des täglichen Geldverkehrs. Für die Medaille, die „künstlerische Schwester“ der Münze, hingegen ist Bronze zu allen Zeiten das bevorzugte Material. Ein Kuriosum der Münzsammlung des Diözesanmuseums sind rund 200 chinesische Bronzemünzen aus den letzten 900 Jahren bis zum letzten chinesischen Kaiser, die vermutlich ein Missionar mitgebracht hatte.

Der Intention früher archaischer Kunst ähnlich, vermögen die in klassischer Gusstechnik ausgeführten Bronzeskulpturen von Josef Colz (geb. 1952 in Wengen, Südtirol) „eine Aura des Geistig-Spirituellen und Ethischen zu schaffen“, wie es im Begleitfolder zur Ausstellung heißt. So stellten die Skulpturen analog zu frühen Manifestationen des Bildnerischen über Jahrtausende hinweg „den Anschluss an eine auf das Wesentliche konzentrierte, zeitlos wirkende Bildlichkeit her“. Vielleicht ist diese Affinität zu den frühen Bronzegießern Grund dafür, dass eine Figur „Ptah“ benannt ist, wohl eine Hommage an den ägyptischen Schutzgott der Künstler und Bronzehandwerker.
Die Herkunft aus den ladinischen Alpen mit ihrer großen, nach wie vor lebendigen bildhauerischen Tradition bewirkte „die frische, geradlinige und konsequente Herangehensweise“, so der Text zur Ausstellung. Die Jahre an der Wiener Akademie bei Fritz Wotruba und Joannis Avramidis vermittelten neben einer soliden handwerklichen auch eine theoretische und humanistische Grundlage. „Doch ist die eigentliche Quelle dieser mit den Mitteln der plastischen Kunst realisierten Geschöpfe die Verbindung von kreativer Energie mit Direktheit und Disziplin der bildnerischen Arbeit.“

"Ptah" von Josef Colz

Die Kulturabteilung des Landes Niederösterreich konzipierte gemeinsam mit der Archäologisch-Sozialen Initiative Niederösterreich, besonders Barbara Wewerka, den archäologischen Abschnitt und stellte die Objekte zur Verfügung. Wolfgang Szaviert vom Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien inventarisierte die Münzsammlung und kuratierte diesen Ausstellungsbereich Bereich. Josef Colz stellte seine aus den letzten Jahrzehnten stammenden Plastiken zur Verfügung. Eva Voglhuber vom Diözesanmuseum St. Pölten kuratierte die Schatz- und Paramentenkammer.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr, Montag geschlossen
Sonntag und Feiertag (nur im Juli und August) 10 bis 13 Uhr, Führungen nach Vereinbarung

Museums-Blickpunkte zur Sonderausstellung 2014
Treffpunkt: Eingang Diözesanmuseum – Eintritt frei!
Jeweils 11 Uhr: 31. Mai, 28. Juni, 30. August, 27. September, 25. Oktober 2014
Informationen  zu den jeweiligen Themenschwerpunkten: www.dz-museum.at

Fotos: Mag. Eva Voglhuber vom Diözesanmuseum führt durch die Schatz- und Paramentenkammer; bronzezeitlicher Fund Gobelsburg; "Ptah" von Josef Colz
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