Bischof Küng: Stabile Familie bleibt "Wunschtraum" aller

Bischof Küng: Stabile Familie bleibt "Wunschtraum" aller

Vatikanstadt, 30.01.2014 (KAP/dsp) Die ungeschminkten Antworten auf die Familienumfrage des Vatikans lassen erkennen, "dass die Verkündigung nicht sehr gut gegangen ist". Das sagte Österreichs "Familienbischof" Klaus Küng am Donnerstag am Rande des Ad-limina-Besuchs des heimischen Episkopats in einem Interview mit "Radio Vatikan".

Zugleich unterstrich Bischof Küng, dass den Menschen Ehe und Familie unverändert ein großes Anliegen seien: "Weiterhin ist es sowohl für Jugendliche, Eltern und eigentlich für alle der Wunschtraum, eine Familie zu haben, die dauerhaft ist - im Grunde wie es immer war. Dann sieht man auch, dass beim Scheitern der Familie tiefe Wunden da sind und viele Tragödien."

Küng wies auf Gegner kirchlicher Aussagen über Ehe und Familie, die oft nicht verstanden hätten, was die Kirche eigentlich sagen will. Im heutigen geistigen Umfeld sei es "viel schwieriger geworden, eine christliche Familie zu begründen und das durchzustehen", so der St. Pöltner Bischof nach der Übergabe der rund 34.000 österreichischen Rückmeldungen auf den vatikanischen Fragebogen an den Generalsekretär der Bischofssynode, Erzbischof Lorenzo Baldisseri.

Zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedene sprach der St. Pöltner Bischof von seiner "Sorge, dass jeder erwartet, die Kirche werde überhaupt absehen von allen Prinzipien. Das wird sicher nicht der Fall sein." Jede Kommunion, die ein Ehepaar empfange, sei "eine Besiegelung der eigenen Ehe" und gleichzeitig eine "Kraftquelle", die von Gott ausgehe. Wenn man "nicht mehr in Übereinstimmung lebt mit Christus, der treu war bis zum Tod am Kreuz", entsteht nach den Worten Küngs "ein widersprüchliches Geschehen". Ob die im Herbst 2014 und 2015 zusammentretende Bischofssynode hier "neue Wege entdeckt", werde abzuwarten sein. "Auch bei jemandem, bei dem alles schiefgegangen ist, bestehen Chancen, dass er das Ziel erreicht", so Küng wörtlich; auch hier gelte es vor allem "Wege der Hoffnung" zu finden.

Dass Papst Franziskus die Familie ins Zentrum der Seelsorge stellen wolle, halte er für eine "Eingebung des Heiligen Geistes". Beim Thema Scheitern gehe es "vor allem um Prophylaxe, nicht nur um Therapie", sagte Küng. Damit wolle er in keiner Weise relativieren, dass die Kirche allen helfen müsse; "das ist ein ganz großes Anliegen von Papst Franziskus, das ich persönlich hundertprozentig unterschreibe".

Der Modus, via Fragebögen Meinungen innerhalb der Kirche zu erheben, hat nach Einschätzung des Bischofs Vor- und Nachteile. Manchmal werde "eine bestimmte Richtung" forciert, die Fragebögen seien "ja auch zum Teil verändert" worden. Er persönlich pflege mit Hilfe von Spezialisten genau hinzuschauen, "wie und wer es gemacht hat".

Neuerlich Kritik an Samenspenden-Regelung

Auf die Frage nach dem umstrittenen Urteil des Verfassungsgerichtshofes, wonach künftig lesbischen Paaren in Österreich Samenspenden zugänglich sein sollen, wiederholte Bischof Küng seine Sorge im Hinblick auf die betroffenen Kinder: "Ein Kind hat Recht und Anspruch auf Vater und Mutter." Ein durch eine solche künstliche Befruchtung entstandenes Kind müsse a priori ohne Vater aufwachsen. "Und wir wissen das auch von der Adoption, wie schwierig das ist." Problematisch sei auch, dass durch die Liberalisierung Tür und Tor für Leihmutterschaft und andere Arten der Fortpflanzung geöffnet werde, "in denen das Kind immer mehr zum Produkt wird, und zu etwas, was man sich besorgt".