Bischof Küng: "Fortschreitende Fehlentwicklung" bei Fortpflanzungsmedizin

Als Ausdruck einer "fortschreitenden Fehlentwicklung" hat Bischof Klaus Küng den Entwurf für ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz erneut zurückgewiesen. Die geplanten "Anpassungen" machten Kinder "immer mehr zum Produkt einer Fortpflanzungsindustrie, das man sich erwirbt oder das man verwirft, wenn es nicht passt", kritisierte der "Familienbischof" im Interview mit dem "Standard".

Er halte es für einen "sehr großen Irrtum", dass die Politik glaube, mit internationalen Entwicklungen mithalten zu müssen. Für "besonders schlimm" halte er bei dem Entwurf die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID), trotz der vorgesehenen Reduktion auf Einzelfälle, erklärte der Bischof von St. Pölten nun. Es sei für die Kirche kein Argument, dass dadurch die Chance auf mehr Kinder erhöht werde: "Dafür gibt es bessere Wege", verwies Küng auf gesellschaftliche Maßnahmen wie etwa ideelle und materielle Förderungen der Familien.

"Tür und Tor" öffne die Ermöglichung der Eizellenspenden der Praxis von Leihmüttern, die eine "weltweit zu beobachtende Tendenz zu Leid und Ausbeutung von Frauen" darstelle, betonte der Bischof. Medizinische Gefahren und Risiken - Küng ist promovierter Arzt - bestünden sowohl für die Frauen, denen Eizellen entnommen werden, als auch für die Empfängerinnen, was eine aktuelle Statistik über die steigenden Frühgeburten vor der 32. Schwangerschaftswoche auch belege.

Weiters sei die Eizellenspende für die Identität des damit "erzeugten" Kindes ein Problem - in gleichem Maß wie die nun auf lesbische Paare ausgeweitete Samenspende. Küng: "Die Sorge gilt dem Kind, das den Vater nicht kennt, und nicht einmal erfährt, wenn die Mutter es nicht will. Dieses Kind kann nicht die bei Vater und Mutter, die zwischen und von Mann und Frau unterschiedliche Arten zu lieben erleben, was für die Persönlichkeitsentwicklung von großer Bedeutung ist."

IVF ist "Riesenproblem"

Die künstliche Befruchtung (IVF), die bei allen Neuerungen impliziert ist, sei ein "Riesenproblem in der Art, wie mit Leben umgegangen wird", mahnte der Bischof: "Wie viele Fehlversuche stattfinden, davon redet man nicht." Medizinische Machbarkeits-Versprechungen würden den Druck auf Paare mit unerfülltem Kinderwunsch wesentlich vergrößern. Alternativen bestünden durchaus - wie etwa Adoption oder Pflegekinder. "Manche Ehepaare, denen kein Kindersegen zuteil wird, ziehen es vor, sich sozial zu engagieren", so Küng.

Differenziert stellte Küng eine Begegnung mit Justizminister Wolfgang Brandstetter dar, der den Entwurf gemeinsam mit Familienministerin Sabine Oberhauser präsentiert hatte: Während der ÖVP-Minister am Montag erklärte, er habe bezüglich des "konsensfähigen und gesellschaftlich akzeptierten" Gesetzesentwurfes bereits mit dem Familienbischof nach dessen Kritik gesprochen, sagte Küng, es habe sich bloß um einen "Smalltalk bei einem Empfang" gehandelt.

Scharfe Kritik an den Inhalten des Gesetzesentwurfes und der Fristsetzung bei dessen Begutachtung hatten neben Küng bisher u.a. Jugendbischof Stephan Turnovszky, die Katholische Aktion, das kirchliche IMABE-Institut, der Katholische Familienverband, der Moraltheologe und Mediziner Matthias Beck sowie die überkonfessionelle "Aktion Leben" geäußert.

(dsp/KAP)