Bibelverfilmungen sind wieder hoch im Kurs

Bibelverfilmungen sind wieder hoch im Kurs: Technische Innovationen wie Computeranimation oder 3D-Kino verlocken auch renommierte Hollywood-Regisseure wie zuletzt Darren Aronofsky mit "Noah" (USA 2014) oder Ridley Scott, dessen Streifen "Exodus - Götter und Könige" zu Weihnachten in die Kinos kommt, zu bildgewaltigen Neuinterpretationen der bekannten biblischen Erzählungen. Aber auch außerhalb der Traumfabrik des US-Films dienen das Alte und das Neue Testament heute gerne als Inspirationsquelle:

Die Zeitschrift "Herder Korrespondenz" (Ausgabe 8/2014) verweist dazu auf europäische Autorenfilme oder auf kleinere, experimentelle Werke.

"Batman" Christian Bale als Moses, Joel Edgerton als sein Widersacher Pharao Ramses, weiters Ben Kingsley, Sigourney Weaver, John Turturro und Aaron Paul bilden das Starensemble in Ridley Scotts ("Gladiator", "Robin Hood", "Blade Runner") neuem Monumentalfilm über den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Episoden wie die zehn Plagen oder die Teilung des Roten Meeres bieten sich geradezu für Visualisierungen an, in denen der Computer als eine Art Nebenregisseur fungiert. "Twentieth Century Fox" verspricht für den Start am 25. Dezember 2014 "ein neues, episches Action-Abenteuer der Superlative", das "mit atemberaubenden Visual Effects und in 3D" den Exodus von 600.000 versklavten Israeliten vor Augen führt.

Ridley Scott knüpft damit an die Tradition der großen US-Bibelfilme der Nachkriegsära wie Henry Kings "David und Bathseba" (1951), Cecil B. DeMilles "Die zehn Gebote" (1956) oder George Stevens' "Die größte Geschichte aller Zeiten" (1963) an. Die neue Begeisterung Hollywoods für Bibelstoffe hat auch Mel Gibson mit seinem ebenso erfolgreichen wie umstrittenen Jesus-Leidensdrama "The Passion" (2004) ausgelöst, als Publikum besonders ansprechbar sind laut "Herder Korrespondenz" die vielen evangelikalen Christen im "Bible-Belt" der USA.

Bibelstoffe schon in den Anfängen des Films

Freilich: Wie ein Blick auf die imposante Wikipedia-Liste von Bibelverfilmungen zeigt, reichen filmische Interpretationen des biblischen Heilsgeschehens bis in die Anfänge des kommerziellen Kinos zurück: "La vie et la passion de Jésus Christ" als erste Evangeliumsverfilmung wurde bereits 1905 in Frankreich gedreht, als erste Interpretation des Alten Testaments ist der österreichische Streifen "Eva, die Sünde" von 1920 ausgewiesen.

Charles Martig, Bischöflicher Beauftragter für Film in der Schweiz, wies beim diesjährigen Symposion der internationalen Forschungsgruppe Film und Theologie in Schwerte (Deutschland) auf ein Dilemma hin: Originelle Filme mit biblischem Bezug hätten es zunehmend schwerer, ins Kino zu kommen, "während Bibelfilme für das breite Publikum in der Gefahr stehen, zum Event werden zu müssen, der von einer weltweiten Marketingmaschinerie zu erzeugen versucht wird".

Gelungene Neuinterpretationen

Dennoch erwähnt Stefan Orth in der "Herder Korrespondenz" eine Reihe gelungener, anspruchsvoller "Übersetzungen" in die moderne Filmsprache: Besonders eindrücklich sei die Hiob-Adaptierung "A Serious Man" der Brüder Ethan and Joel Coen (USA 2009), der mit reichlich schwarzem Humor letztlich vor die Frage nach dem Verbleib Gottes heute stelle. Mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet wurde Terrence Maliks "Tree of Life" (USA 2011), der Gottes entscheidende Frage an Hiob "Wo warst du, als ich die Erde gründete...?" (Ijob 38,4) in mitreißende kosmologische Visionen umsetzt.

Neuere biblische Zugänge im Film gibt es aber auch in nicht-westlichen Kontexten, etwa im muslimisch geprägten Iran mit Jesus-und-Maria-Thematisierungen oder einer Kain-und-Abel-Umsetzung in einem Film aus Mali. Afrikanischen Hintergrund bietet auch der Streifen "Son of Man" (Südafrika 2006), in dem ein schwarzer Jesus, der sich für Menschlichkeit engagiert, wie andere Anti-Apartheids-Kämpfer gewaltsam zu Tode kommt. Der Münsteraner Bibelwissenschaftler Reinhold Zwick, Spezialist für Berührungsflächen zwischen Theologie und Film, nannte "Son of Man" laut "Herder Korrespondenz" einen der interessantesten und innovativsten Jesusfilmen seit Denys Arcands "Jesus von Montreal" (Can/Fra 1989) und Martin Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" (USA 1988).

(Trailer von "Exodus - Götter und Könige": www.exodus-derfilm.at)

(KAP)