Augustsammlung-Start der Caritas St. Pölten - dramatischer Hinweis auf hungernde Kinder

Augustsammlung-Start der Caritas St. Pölten - dramatischer Hinweis auf hungernde Kinder

St. Pölten, 04.07.2014 (dsp) „Alle 10 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Hunger und Unterernährung. Rund 842 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger. Hunderte Millionen Mütter und Väter wissen Tag für Tag nicht, wie sie ihren Kindern genügend zu essen geben sollen.“, betonte Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck zur Auftaktveranstaltung der diesjährigen Caritas Augustsammlung. Die Folge ist Hunger, der bei den Kindern zu bleibenden Entwicklungsrückständen und lebenslangen Beeinträchtigungen führt.

Vor allem bei Kindern unter zwei Jahren sind die Folgen fatal und nicht mehr aufholbar: Sie sind für ihr Alter viel zu klein, lernen viel schwerer und sind damit von Anfang an am Abstellgleis des Lebens. Unterernährung trägt weltweit jedes Jahr zum Tod von 2,6 Millionen Kindern bei – jeden Tag sterben Kinder in Westafrika und Syrien an Hunger. Caritas und Katholische Männerbewegung haben sich eine Zukunft ohne Hunger zum Ziel gesetzt. Schuhböck kritisiert, dass das weltweite Hungerproblem auch durch Nahrungsmittelspekulationen hierzulande entsteht. Weiters könne er nicht verstehen, warum das reiche Österreich immer weniger für Hilfe in anderen Ländern gebe. Schuhöck appelliert an die Bevölkerung mit Hand, Herz und Hirn zu reagieren.

Senegal-Expertin Annamaria Bokor von der Auslandshilfe der Diözese St. Pölten berichtete von ihrem jüngsten Aufenthalt im Senegal, wo sie Kleinkinder gesehen hat, die so geschwächt waren, dass sie vermutlich später schwere Schäden davontragen. Wenn sie überhaupt überleben. Das sei schwer zu ertragen. Die Caritas sei hier in Lichtpunkt, weil sie Nothilfe und Hilfe für Familien anbiete. Konkret stellt die St. Pöltner Caritas weiters Saatgut, Material und landwirtschaftliches Know How zur Verfügung.

Auf die vielfältigen Herausforderungen wies Abbe Bertin Sagna, Caritas-Direktor in der senegalesischen Diözese Tambacounda, hin. Seine Region leide besonders unter Wassermangel, jede/r Fünfte sei von Hunger betroffen. Die Caritas habe im überwiegend muslimisch geprägten Land einen sehr guten Ruf und genieße das Vertrauen der Bevölkerung. Die Caritas stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Seine Sorge: Nach Beendigung der diversen Projekte brauche es weitere Hilfe aus Österreich. Die Diözese Tambacounda sei tagtäglich mit der Herausforderung Not und Hunger konfrontiert.

Westafrika und Syrien

Die  Augustsammlung lenkt  heuer den Blick auf zwei Regionen, die besonders betroffen sind: Westafrika und Syrien. Den Menschen in der Sahelzone droht die dritte Hungerkatastrophe innerhalb von sieben Jahren. Ausbleibender Regen und schlechte Ernten sind für die Lage mitverantwortlich. Etwa 2,5 Millionen Menschen in Westafrika brauchen dringend Nahrungsmittel, um zu überleben. Besonders betroffen: der Senegal, wo 2,2 Millionen Menschen durch Nahrungsmittelknappheit bedroht sind. 340.000 Kinder leiden bereits schon an teils schwerer Unterernährung.

Und der weltweite Hunger hat einen weiteren Schauplatz gefunden: Vor drei Jahren führten politische Unruhen zu einem blutigen Bürgerkrieg in Syrien. Bis heute sind über acht Millionen Menschen in die Nachbarländer – z.B. in den Libanon – geflüchtet. Rund 5,5 Millionen Kinder sind auf der Flucht, verletzt und schwer unterernährt. Die Gesundheitsversorgung ist vielerorts zusammengebrochen, Nahrungsmittel sind knapp. Rund 200.000 Kinder leiden an Unterernährung.

Von der Nothilfe zum Eintreten für die Rechte

Die Maßnahmen, mit denen die Caritas Hunger und seinen Ursachen entgegenwirkt, sind vielfältig: Ein Lebensmittelpaket sichert kurzfristig das Überleben. Vor allem in Katastrophensituationen (zum Beispiel bei Dürre, Hochwasser,...) muss rasch geholfen werden, um das Überleben zu sichern. Lebensmittelpakete ermöglichen, dass akute Notsituationen überbrückt werden können.
Den Menschen ihre Rechte zu sichern, hilft ihnen nachhaltig. Nur durch nachhaltige Hilfestellungen ist es möglich, dass Menschen auf Dauer von den eigenen Erträgen aus der Landwirtschaft leben und auch ihre Familien versorgen können. Durch den Klimawandel müssen sich die Menschen zum Beispiel neue Anbaumethoden aneignen.

Einige Maßnahmen der Caritas, um den Menschen langfristig zu helfen sind:
• Landwirtschaftliche Entwicklung: Verteilung von hochwertigem Saatgut, Einführung verbesserter Anbaumethoden, Bewässerungsanlagen
• Schulungen in nachhaltiger, ökologischer Landwirtschaft und Nutztierhaltung
• Vorsorge: Lagerung, Verwaltung und Haltbarmachen von Produkten (Getreidebanken...), um Ernteverlusten vorzubeugen
• Anwaltschaft: Öffentliches Eintreten für die Rechte der Menschen (Zugang zu Wasser, Boden, Saatgut)

Flashmob gegen den Hunger

Anschließend an das Pressegespräch fand am Riemerplatz ein Flashmob gegen den Hunger statt. Alle zehn Sekunden fiel zu Trommelschlägen ein Teilnehmer des Flashmobs zu Boden und blieb liegen symbolisch für den Hungertod. Die Caritasdirektoren und MitarbeiterInnen der Caritas halfen den Menschen wieder auf, ebenfalls symbolisch für die Hilfe, die die Caritas leistet.

Aktion Gurkenglas: In Sauren Gurken Zeiten kann jeder Cent helfen!

Ursprünglich bezeichnete die "Saure Gurken Zeit" eine Zeit, in der die Nahrungsmittel knapp waren. Während bei uns Lebensmittel mittlerweile in jeder Saison im Überfluss vorhanden sind, müssen in anderen Ländern die Menschen wochen-, monate- oder jahrelang eine Saure Gurken Zeit erleben. Sowohl in Westafrika, als auch in Syrien und den Nachbarländern leiden die Menschen an Hunger. Das wollen wir ändern! In Sauren Gurken Zeiten kann jeder Cent helfen und deswegen rufen wir dazu auf, in den Sommermonaten Kleingeld im Caritas-Gurkenglas zu sammeln und im September zur Bank zu bringen. Denn: Jeder Cent hilft! Infos unter www.caritas.at/hunger

Bevölkerung spendete im Vorjahr € 176.609,-

Die Augustsammlung wird heuer bereits zum 42. Mal von Caritas und Katholischer Männerbewegung durchgeführt. Sie ist eine der wichtigsten österreichweiten Spenden-Kampagnen für die Armutsregionen der Welt und insbesondere für Afrika.

Caritas und KMB danken allen Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern für die großzügige Unterstützung der Augustsammlung 2013. In der Diözese St. Pölten wurde im Vorjahr die Spendensumme von € 176.609,- aufgebracht. Diese Zahl soll heuer verdoppelt werden. Unter anderem durch die Sammlungen, die in allen Pfarren der Diözese durchgeführt werden.

Wie kann man spenden?
Erlagscheine liegen in allen Banken und Postämtern auf. Es gibt auch die Möglichkeit unter www.caritas-stpoelten.at online zu spenden.

Spendenkonto:
Raiffeisenbank St. Pölten
BLZ 32585, Kto.-Nr. 76000
Kennwort: Augustsammlung
IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000
BIC: RLNWATWWOBG

Foto 1: Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck und Abbe Bertin Sagna, Caritas-Direktor in der senegalesischen Diözese Tambacounda, bitten um Hilfe aus der Bevölkerung, um den Hunger zu bekämpfen.
Foto 2: Caritasdirektoren Friedrich Schuhböck und Abbe Bertin Sagna halfen den Menschen wieder auf, ebenfalls symbolisch für die Hilfe, die die Caritas leistet.