Zehn Millionen folgen Papst Franziskus auf Twitter

Der Twitter-Account des Papstes hat erstmals eine achtstellige Zahl von Followern erreicht: Genau 10.000.336 Nutzer des Kurznachrichtendienstes hatten am Samstag um 22 Uhr die unter dem Kürzel @pontifex verbreiteten 160-Zeichen-Botschaften abonniert, mit denen sich Franziskus mehrmals wöchentlich an die Öffentlichkeit richtet. Meist fassen die Nachrichten Ansprachen des Papstes zusammen. "Wir beteiligen uns zu oft an der Globalisierung der Gleichgültigkeit; versuchen wir stattdessen eine globale Solidarität zu leben", lautete etwa zuletzt die Nachricht vom Samstagnachmittag.

Vergleicht man die neun verschiedenen Sprachausgaben des Papst-Twitteraccounts untereinander, so ist deren Wettstreit um die größte Follower-Schar seit Ende Juni klar entschieden: Die spanischsprachige Welt ist mit vier Millionen Papst-Abonnenten Nummer Eins und hat die zweitgereihte englische Version um bereits fast eine Million abgehängt. Geht es nach Twitter, so behauptet sich auch Italienisch auf Platz drei mit 1,24 Millionen Nutzern als Kirchensprache.

Auf Portugiesisch hat der @pontifex-Account durch den Weltjugendtag im brasilianischen Rio de Janeiro einen merkbaren Auftrieb bekommen und rangiert derzeit bei 840.000 Followern, was immer noch mehr ist als die Summe aller fünf weiteren Sprachausgaben. Die französische Version schafft es derzeit auf 205.000 Follower, die lateinische trotz verspätetem Start Mitte Jänner auf beachtliche 179.000, während Deutsch (151.000), Polnisch (139.000) und Arabisch (96.000) rein zahlenmäßig allenfalls eine Randbedeutung besitzen.

 

Einflussreichster Account

Im weltweiten Vergleich liegt @pontifex damit auf Rang 66 der 100 der meistgefolgten Twitter-Accounts. Spitzenreiter bleibt in dieser Wertung der Sänger Justin Bieber mit 46 Millionen Followern, wobei abgesehen von Musikern und Sportlern nur US-Präsident Barack Obama (38 Millionen) und Microsoft-Gründer Bill Gates (13,5 Millionen) vor dem Papst aufscheinen; der ebenfalls Twitter-affine Dalai Lama liegt mit acht Millionen als zweite religiöse Persönlichkeit knapp dahinter. Beachtlich ist das @pontifex-Ergebnis auch aufgrund des späten Einstiegs in Social Media, hat doch Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. den Kanal erst am 12. Dezember 2012 eröffnet und bis zu seinem Rücktritt im Februar 2013 drei Millionen Follower versammelt.

In anderen, qualitativen Auswertungen ist der Papst einsame Spitze: @Pontifex ist jener Twitter-Account, dessen Botschaften weltweit am häufigsten von Abonnenten per "Retweet" an die je eigenen Kontakte weitergeleitet werden, wie die Studie "Twiplomacy" im Juli ermittelt hat: Durchschnittlich 11.000 Mal wird jede Kurznachricht von den Empfängern weiterverbreitet, was den Papst bereits jetzt zum "einflussreichsten Twitterer" macht. Insgesamt hat Franziskus in der bisher 227-tägigen Amtszeit 175 "Tweets" auf Deutsch verbreitet, womit er durchschnittlich alle 1,3 Tage eine Botschaft ins Social Web verschickt.

 

Lerneffekt für den Vatikan

Dank dieser "Retweet"-Weiterleitungen könne es vielleicht gelingen, "die Herzen von Menschen zu berühren, die sonst die Botschaft der Kirche kaum suchen", hat Paul Tighe, Sekretär des "Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel" und eine der Hauptfiguren hinter dem Pontifex-Account, am Montag in der US-Erzdiözese Boston erklärt. Der Vatikan lerne durch Twitter viel - etwa, dass junge Menschen heute auf ganz neue Weise "Beziehungen und Gemeinschaft herstellen" und dass nicht nur andere Techniken, sondern auch partizipative, interaktive Kommunikationsformen nötig sind, damit Dialog mit ihnen gelingt.

"Überrascht" war man im Vatikan laut Tighe besonders über die Reaktion der Twitter-Gemeinde auf die Bemühungen des Papstes Anfang September, eine Militärintervention der USA in Syrien zu verhindern. Nach dem spontanen Aufruf zu einem Gebets- und Fasttag am 7. September sei die vom Kommunikationsbüro verwendete "Hashtag"-Beschlagwortung "#prayforpeace" binnen Stunden zu einem "fast subversiven Netzwerk" und zum Treffpunkt für katholische Gemeinden rund um den Erdball geworden - obwohl die Mainstream-Medien die Aktion kaum beachtet hätten.