Nikolaus
 
 

Radiomesse Dom St. Pölten, 29. September 2013

Schwestern und Brüder in Christus!

Das heutige Evangelium ist sehr eindringlich. Sehr ernsthaft. Der Ernst des Lebens ist auf einmal greifbar.

Tragische Ereignisse, die wir über die Medien erfahren, erschüttern uns. Wie kann es nur so weit kommen. Und das nicht nur irgendwo, sondern hier bei uns?! Ein tragischer, tödlicher Verkehrsunfall. Alle sind erschüttert. Und zwei Wochen später? Alle fahren so wie bisher.
Katastrophenmeldungen, Atomunfall, Stromausfall, Hochwasser, Hitze, Trockenheit, - furchtbar – Weltungergangsmeldungen! Und was ändert sich? Wer ändert sich? Zehn Tage später?! Drei Tage Katastrophenmeldungen – aber dann muss der Alltag wieder funktionieren!

Wir Christen dürfen heute eine frohe Botschaft hören! Es gibt Gerechtigkeit und Zukunft durch Christus!
Da gibt es in der Geschichte Jesu heute einen Reichen, der jeden Tag ein Fest feiert, dem es mehr als gut geht, und dessen Horizont sehr beschränkt ist: „Wichtig ist, wie es mir geht, alles andere ist mir ziemlich egal.“
Und da gibt es einen kranken, armen Menschen vor meiner Haustür – den ich kenne. Mit dem, was von meinem Essen überbleibt, wäre ihm schon geholfen. Aber das interessiert mich nicht.
Von dem reichen Mann wird nicht verlangt, dass er die Sozialordnung der ganzen Welt verbessert und für alle Menschen auf Erden sorgt. Aber, da gibt es einen, der vor seiner Haustür liegt. Dem kann er eigentlich ganz leicht helfen. Nur mit dem, was überbleibt!
Wir blicken auf die kommende Woche. Wer liegt vor meiner Haustüre, wem werde ich in dieser Woche begegnen? Wer ist mir ganz nahe, wer geht mir ganz nahe. Ich kann heute und morgen nicht alle Nöte der Welt verändern. Aber: Wem kann ich schnell und mit wenig Aufwand, ja ganz einfach helfen? Ein freundliches „Guten Morgen!“, eine helfende Hand, „Ich freue mich mit Dir!“ „Ich möchte Deine Trauer teilen.“
Die ganze Welt kann ich nicht von heute auf morgen ändern.
Aber: Wem schenke ich heute und in dieser Woche zehn Sekunden?!