Nuntius Zurbriggen zum 875-Jahr-Jubiläum: Stift Zwettl ist geistliche Oase

Nuntius Zurbriggen zum 875-Jahr-Jubiläum: Stift Zwettl ist geistliche Oase

Zwettl, 15.09.2013 (dsp) "Stift Zwettl ist ein Ort des gelebten Glaubens", betonte der Apostolische Nuntius Peter Stephan Zurbriggen beim Hauptfest zum 875-Jahr-Jubiläum des Waldviertler Zisterzienser-Stifts. Außerdem feierte er mit vielen Gläubigen, Pröpsten, Äbten und Äbtissinen sowie Bischof Klaus Küng und Generalvikar Eduard Gruber das Ende der umfangreichen Renovierungen in der Stiftskirche.

Stift Zwettl sei eine "Wohnung Gottes unter den Menschen" und seit fast neun Jahrhunderten für die Bevölkerung und für die Mönche da. Das Stift sei eine geistliche Oase und verweise auf den letzten Grund, nämlich auf Gott für den es sich zu leben lohne. Der Nuntius rief auch dazu auf, den Glauben von Generation zu Generation weiterzugeben. Daher brauche es lebendige christliche Gemeinschaften und die Kirche, da diese eine Glaubenskette habe, die bis zu Jesus zurückreiche. Die 875-jährige Geschichte von Stift Zwettl sei auch eine Verpflichtung "das kostbare Gut des Glaubens unverfälscht weiterzugeben".

Abt Wolfgang Wiedermann erinnerte daran, dass die Renovierungen notwendig gewesen seien, da bereits Steine von der Decke fielen. Zahlreiche Unterstützer hätten dem Stift Mut gemacht: Von der Gemeinde, Land und Bund über die Diözese bis hin zu vielen Initiativen. Ausdrücklich bedankte sich Wiedermann für die ausführliche mediale Hilfe.

Auch Bischof Küng würdigte den Mut zur Renovierung. Stift Zwettl habe für das Waldviertel und für das ganze Land "große Bedeutung". Eine geistliche Gemeinschaft, die ihren Glauben überzeugend lebt, sei anziehend, so Küng. Menschen bräuchten solche Oasen, sie seien Anstoß in sich zu gehen und könnten heilend wirken. Das Charisma des Gebets habe große Ausstrahlung, außerdem dankte der Bischof den Mönchen für ihr seelsorgliches Wirken in den Pfarren.

Im Rahmen mehrjähriger Arbeiten wurde die Stiftskirche restauriert, u.a. die Kreuzrippengewölbe und Säulen, der Hochaltar und die 15 Seitenaltäre, zudem wurden auch Teile der Fassade und des Daches sowie die berühmte Egedacher Orgel und die historischen Glasfenster erneuert. Die Finanzierung teilten sich Land, Bund, Stadt, Diözese sowie der Verein "Freunde des Zisterzienserstiftes Zwettl", der am 30. April 2014 im Rahmen seiner nächsten Generalversammlung einen Dankgottesdienst feiern wird.

Auch die Schatzkammer des Stifts wurde neu gestaltet und wurde am Samstag feierlich eröffnet. Zahlreiche wertvolle Kunstschätze des Stifts sind seitdem für das Publikum zugänglich. An die Eröffnung der Schatzkammer schließt ein Festkonzert in der Stiftskirche an, die ab dann wieder geöffnet ist.

 

Gründung in Kuenringer-Zeit

Die Ansiedlung der Zisterzienser im Waldviertel datiert auf das Jahr 1138 zurück, als der Kuenringer Hadmar I. durch eine Stiftung Mönchen aus Stift Heiligenkreuz die Errichtung eines ersten Klostergebäudes am Kamp ermöglichte. Die wirtschaftliche Basis des Stiftes bildete die Kultivierung des Landes. 1159 konnte die erste romanische Klosterkirche geweiht werden, die im 14. Jahrhundert durch einen gotischen Kirchenbau ersetzt wurde.

Kriege und die Reformation bescherten dem Kloster im 15. und 16. Jahrhundert schwierige Zeiten. Im Barock setzte dann aber eine Periode der religiösen und wirtschaftlichen Erneuerung ein; u.a. wurden die Stiftsgebäude vollkommen umgestaltet und die Kirche fertiggestellt und im Inneren kostbar ausgestattet. Mit dem Kirchturm erhielt das Stift sein unverkennbares Wahrzeichen. Joseph Munggenast und Paul Troger gestalteten den barocken Bibliothekssaal.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte im Rahmen der Josephinischen Kirchenreform eine weitgehende Veränderung des klösterlichen Lebens, die Mönche wandten sich vermehrt der Seelsorge in den anvertrauten 15 Pfarren zu.

Im 20. Jahrhundert überstand das Stift die beiden Weltkriege und die NS-Zeit weitgehend unbeschadet. Mit der Gründung des Bildungshauses in den 1920er-Jahren und der "Höheren Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft Yspertal" als "Projekt für die Zukunft" entstanden neue Arbeitsfelder in der Seelsorge.

Infos zum Stift und den umfangreichen Jubiläumsfeierlichkeiten 2013/14: www.stift-zwettl.at

Foto 1: Abt Wolfgang Wiedermann, Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, Prior Gregor Bichl.
Foto 2: Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, Bischof Klaus Küng, Zwettls Abt Wolfgang Wiedermann und zahlreiche Pröpste, Äbte und Äbtissinen sowie Landtagspräsident Penz feierten in der vollen Stiftskirche das 875-Jahr-Jubiläum sowie das Ende der umfangreichen Renovierungen der Stiftskirche.