NÖ-Landhaus: Nuntius bei Ausstellungseröffnung "1700 Jahre Mailänder Vereinbarung"

St. Pölten, 12.11.2013 (dsp) Als "großes Geschenk" bezeichnete der Apostolische Nuntius in Österreich, Peter Stephan Zurbriggen, die Religionsfreiheit anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "1700 Jahre Mailänder Vereinbarung – von Carnuntum über Nikomedia bis Mailand" im Landhaus St. Pölten. Er erinnerte daran, dass auch heute noch immer Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Es sei Pflicht, „Religionsfreiheit allen zugänglich zu machen“.

Die Schau helfe weiters, der allgemein verbreiteten Geschichtsvergessenheit entgegenzutreten. Die jüdisch-christliche Kultur habe Europa geprägt und ermöglichte die Integration anderer Kulturen.

"In der heutigen Zeit ist es wichtig, innezuhalten und sich Zeit zu nehmen, zurückzudenken. Wendepunkte, wie die Mailänder Vereinbarung im Jahr 313 n. Chr. ermöglichen uns, dass man auch in schwierigsten Zeiten Toleranz zeigen kann", so Landeshauptmann Erwin Pröll. Die Ausstellung sei ein wesentlicher Beitrag, gegen das Geschichtsvergessen anzukämpfen und das Bewusstsein zu schaffen, "dass in Niederösterreich Religions- und Kulturgeschichte geschrieben wurde". "Niederösterreich ist ein christliches, geschichtsbewusstes und geschichtsträchtiges Land", so Pröll.

"Wer die Geschichte kennt, kann aus ihr lernen und die richtigen Schlüsse ziehen", so Landtagspräsident Hans Penz in seiner Begrüßung. Das Wichtigste der Initiative sei der interkulturelle Dialog, das Grenzüberschreitende und das Verbindende. Das solle durch die Ausstellung bewusst gemacht werden. Die Schau zeige, „wie sehr das Christentum Europa geprägt hat“.

Neben zahlreichen Vertretern aus den Bereichen Politik und Religion waren auch türkische und serbische Gäste anwesend. Besonders deshalb, weil auf den Tag genau vor 1.705 Jahren, am 11. November 308 n. Chr., in der römischen Stadt Carnuntum eine politische Gipfelkonferenz mit weitreichenden und bis heute andauernden Folgen für das heutige Europa stattgefunden hat. Durch die damals in Carnuntum getätigten Beschlüsse wurden die Machtverhältnisse im Römischen Reich neu aufgeteilt. Kaiser Diokletian war nach den turbulenten Ereignissen des 3. Jahrhunderts n. Chr. klar, dass das riesige Römische Reich nicht mehr von einer einzigen Person reagiert werden konnte. Daher schuf er eine Machtaufteilung auf vier Personen, das sogenannte System der Tetrarchie. Bereits zweieinhalb Jahre später erließ der in Carnuntum ernannte Tetrarch Galerius im Namen aller vier Herrscher das Toleranzedikt von Nikomedia, heute Izmit in der Türkei. Damit wurde erstmals das Christentum geduldet und die Verfolgung der Christen, die gerade unter Diokletian sehr stark vertreten waren, beendet. Zwei Jahre später, im Frühjahr 313 n. Chr., verfassten die zwei letzten in Carnuntum ernannten Tetrarchen, Konstantin und Licinius, gemeinsam die Vereinbarung von Mailand, welche letztendlich die Freiheit der Glaubensentscheidung für alle Religionen im Römischen Reich bedeutete.

Die neue Ausstellung „1.700 Jahre Mailänder Vereinbarung – von Carnuntum über Nikomedia bis Mailand“ widmet sich der faszinierenden Zeitspanne dieser Jahre an der Wende zwischen klassischer Antike und deren Götterwelt bis zum Christentum. Mit ausgewählten archäologischen Exponaten und medientauglichen Installationen, werden die weltverändernden Ereignisse von der Machtverteilung in Carnuntum an die vier Tetrarchen über das Toleranzedikt von Nikomedia bis zur Vereinbarung von Mailand begleitet. Sie sollen der heutigen Generation einen Einblick in diesen wichtigen Schritt der europäischen Geschichte geben.

Die Ausstellung kann bis 23. November kostenlos besichtigt werden.

Gruppenfoto: Piero Bordin, Initiator Art Carnuntum, Landeshauptmann Erwin Pröll, Bischof Klaus Küng, Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, NÖ-Superintendent Paul Weiland, Präsident des NÖ Landtages Hans Penz.