Neuer Seitenstettner Abt will Menschen „mit offenem Herzen begegnen“

Seitenstetten, 21.03.2013 (dsp) Bei einem Festgottesdienst wurde P. Petrus Pilsinger offiziell in sein Amt als Abt des Stifts Seitenstetten eingeführt. Er bekam von P. Berthold Heigl, der den „Vierkanter Gottes“ 28 Jahre lang geleitet hat und gesundheitsbedingt zurückgetreten ist, das Abtskreuz überreicht. Abtpräses P. Christian Haidinger, der die feierliche Übergabe leitete, betonte die große Aufgabe: Einerseits müsse er Abt sein – also „Vater“ – für die Gemeinschaft. Andererseits müsse er Menschen führen können in ihrer jeweiligen Eigenart. So sehe es die Regel des Ordensgründers Benedikt vor, dessen Gedenktag der 21. März ist.
Haidinger fragte: „Ist es purer Zufall, dass P. Petrus gewählt wurde oder hatte da nicht doch Gott seine Hände im Spiel?“ Als Christen würden wir glauben, dass vieles, das als zufällig erscheint, doch von Gott gelenkt werde. Das sei auch wichtig in Anbetracht der großen Verantwortung, die der neue Obere habe, denn er sei nicht nur für die Gemeinschaft, das Stiftsgymnasium mit Hunderten Schülern sowie für die Mitarbeiter des Klosters verantwortlich, sondern auch für eine ganze Region. Die Benedikt-Regel sage auch, dass er als Abt einmal Rechenschaft für seinen Dienst vor Gott ablegen müsse. Doch er müsse keine Angst, denn seine Mitbrüder hätten ihn einmütig ins Amt berufen.

Abt Petrus: Menschen mit offenem Herzen begegnen

Abt Pilsinger möchte den Menschen „mit offenem Herzen begegnen“. Er wolle den guten Ruf des Stifts bewahren und bitte daher um das Gebet, dass er ein guter Abt werde. Neben der Ordensgemeinschaft liege dem langjährigen Direktor des Stiftsgymnasiums vor allem die Schule ihm am Herzen. Denn das Schönste seien für ihn fröhliche Menschen und „wenn was los ist“. Er erinnerte aber auch an die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, der wirtschaftliche Bereich sei jedenfalls kein „normaler“, sondern es versucht, diesen im Sinne des Evangeliums zu führen. Abt Pilsinger habe seit seiner Wahl im Februar viel Zuspruch bekommen und bittet nun die Region, dass sie weiterhin mit dem Stift an einem Strang ziehe. Die Gesellschaft solle im Zeichen der christlichen Nächstenliebe gestaltet werden.

Er ertappe sich angesichts seiner Aufgabe immer wieder dabei, dass er zwischen den Wellen und Wogen der neuen Tätigkeit oft den Sturm sehe, was ihm Angst mache. Das Gebet für ihn verstehe er daher als „Rettungsanker, um nicht unterzugehen“. Mitarbeiter der Schule und des Wirtschaftsbetriebe würdigten den neuen Abt als dynamisch und voller Energie. Ein Beispiel dafür sei die kürzlich fertiggestellte Turnhalle für die Jugend von Seitenstetten, für die er maßgeblich mitgewirkt hat.

Landeshauptmann-Stv. Sobotka: dreifacher Dank des Landes

Mit den Hunderten Festgästen feierten ua. Bischof Joseph Afrifah-Agyekum aus Ghana, der Stift seit vielen Jahren verbunden ist, Abtpräses Haidinger, fünf Äbte sowie zahlreiche Politiker. Landeshauptmann Stellvertreter Wolfgang Sobotka sagte, P. Petrus sei durchaus ein Visionär, der vieles in der Entwicklung vorhersehe. Sein Dank des Landes NÖ sei ein dreifacher: Für die umfangreiche Seelsorgetätigkeiten in der Region, für die Leistungen des Stifts für die Region als geistliche Oase, die das Mostviertel gestärkt und beeinflusst habe. Vom Stift Seitenstetten sei auch die „Neuentdeckung des Gartens“ ausgegangen, die sich jetzt wieder in vielen Ausstellungen oder bei anderen Klöstern finde. Und drittens dankte er für die Aufgaben, die das Stift etwa im Schulwesen oder für das Vereinswesen leiste.

Altabt Heigl: Gott hält Hand schützend über das Kloster

Altabt Heigl zeigte sich „zutiefst bewegt“ für die Anerkennung, die er erfahren habe. Schmunzelnd meinte er: „Dabei habe ich ja gar nichts geleistet, sondern die Leute arbeiten lassen.“ Er fühle, dass „Gott schützend seine Hand über das Kloster hält“. Er betonte: „Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten.“ Besonders wichtig sei ihm, dass das Stift so stark in der Region verwurzelt sei und aus seiner Sicht gebe es „eine fruchtbringende Zusammenarbeit für alle in der Gegend“. Er wünsche dem Stift weiterhin Freude am Christsein.

Zur Person von Abt Petrus Pilsiner

Der 1964 geborene Petrus Pilsinger trat 1987 in das Benediktinerstift Seitenstetten ein und erhielt den Ordensnamen Petrus. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums wirkte er als Diakon in der Pfarre Seitenstetten. Am 29.6.1990 empfing der die Priesterweihe im Dom von St. Pölten. Von 1990 bis 1991 machte er das Pastoralpraktikum als Kaplan in der Pfarre Aschbach. Von 1991 bis 1995 war er Kaplan in der Pfarre Kematen-Gleiß .

Abtbenediktion am Ostermontag

Nach der Amtsübernahme ist es die Aufgabe des neuen Abtes wesentliche Aufgaben im Kloster zu vergeben. Auch der Alten- und der Wirtschaftsrat, zwei bedeutende Beratungsgremien werden neu gewählt. Diese Verteilung der Aufgaben und Ämter ist ein erster Schritt in das operative Alltagsleben eines Abtes.

Nach der Amtsübernahme folgt noch die Weihe des Abtes durch Diözesanbischof Klaus Küng. Diese findet mit einer großen Feier am Ostermontag um 14.00 Uhr statt. Sowohl die Stiftskirche als auch der Stiftshof werden in die Veranstaltung einbezogen. Zur Weihe werden zahlreiche kirchliche und weltliche Würdenträger und an die 2.000 Gläubige erwartet.

Foto (v.l.): Altabt Berthold Heigl, Abtpräses Christian Haidinger, Abt Petrus Pilsinger