Neuer Abt von Seitenstetten: „Wachsen – Reifen – Blühen“

Seitenstetten, 09.02.2013 (dsp) „Die Grundlage für meine neue Aufgabe als Abt ist das Vertrauen auf Gott, auf die Mitarbeiter und auf meine bisherige Lebenserfahrung“, sagte der neue Abt des Stiftes Seitenstetten, P. Petrus Pilsinger, bei einer Pressekonferenz am Tag nach seiner Wahl durch den Konvent des Benediktinerklosters. In seiner bisherigen Tätigkeit als Direktor habe er versucht, das Stiftsgymnasium so zu führen, „dass an unserer Schule die Kinder und Jugendlichen in Ruhe wachsen und reifen können“. Dem Motto der Schule „Wachsen – Reifen – Blühen“ wolle er auch als Abt im Kloster treu bleiben. „Die Freude, die ich in der Schule erlebt habe, geben mir Zuversicht auch für meinen Dienst als Abt“, betonte Abt Petrus.
Als die drei wichtigsten Punkte für sein zukünftiges Wirken nannte Pilsinger das Chorgebet, die Gemeinschaft und das pastorale Wirken. „Das tägliche Gebet ist eine zentrale Aufgabe. Das tägliche Chorgebet ist unser Zentrum, muss Mitte unseres Hauses und unserer Gemeinschaft sein. Wenn das Herz kräftig schlägt, können wir auch für die Menschen da sein.“
Zur Bedeutung der Gemeinschaft, sagte Pilsinger, dass ein Kloster ein Lebensentwurf sei, der das Gemeinsame in den Vordergrund stelle: „Wir leben voneinander, und das nicht nur materiell.“ Es gelte, Toleranz gegenüber der Individualität des Einzelnen zu leben, ohne den Blick und das Bewusstsein auf das gemeinsame Ziel des klösterlichen Lebens zu verlieren.
Die pastoralen Aufgaben und Herausforderungen würden von der Gemeinschaft „aktiv und mit Freude erfolgreich bewältigt“. In manchen Bereichen werde das Stift in Zukunft „vielleicht etwas leiser treten“, wie der neu gewählte Abt erklärte: „Im Kloster geht es nicht um Außenwirkung und Eventkultur, sondern um die gute Bewältigung des Alltags.“

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

In den 14 Stiftspfarren gelte es Menschen zu gewinnen, die in der Seelsorge „in Eigenverantwortung“ mitarbeiten. Laien seien „durch die Taufe für den Dienst an den Menschen geweiht“, so Pilsinger. „Das müssen wir im Kloster lernen, und das müssen die Menschen draußen lernen.“ Auf die Frage nach den so genannten „heißen Eisen“ in den Kirchendiskussionen sagte Abt Petrus: „Das Allerwichtigste ist eine persönliche Beziehung zu Gott – alles andere ist im Vergleich dazu unwichtig.“

Für die Zukunft der Mönchsgemeinschaft gebe es einige „Hoffnungszeichen“, wie Pilsinger erklärte: In diesem Jahr würden ein Priester und ein Diakon geweiht, zwei Mitbrüder absolvierten gerade ihr Theologiestudium; seit Allerheiligen sei ein neuer Postulant (Vorstufe zum Noviziat) im Kloster, ein weiterer Interessent werde zu Ostern aufgenommen. Auch die 70 bis 80 Teilnehmer bei den Jugendvespern machten ihn zuversichtlich: „Die Jungen kommen wieder, sie interessieren sich für Gott – das ist das Wichtigste.“

Abt Berthold Heigl zog Bilanz

Der noch bis 21. März, dem Fest des hl. Benedikt, amtierende Abt Berthold Haigl, blickte auf seine 28-jährige Amtszeit zurück. Die schönsten Erlebnisse seien für ihn gewesen, wenn „ich erfahren durfte, dass die Menschen gerne zu uns kommen, um hier aufzutanken und sich zu stärken an Leib und Seele, um Gemeinschaft zu erleben, um den Glauben zu vertiefen, um sich zu freuen an den schönen und vielfältigen kulturellen Angeboten oder an der Schöpfung und Natur in unserem schönen Hofgarten“.

Als Grund für seinen Ende November des Vorjahres überraschend bekannt gegebenen Rücktritt nannte Heigl erneut seine gesundheitliche Verfassung. Die Implantation eines Schrittmachers und Defibrillators sowie eine Herz-Reha in Groß Gerungs hätten eine „gewisse Erleichterung, Stabilisierung und Rhythmisierung“ gebracht. Die Entscheidung sei im letzten halben Jahr gereift und „nicht leicht gefallen“, wie Heigl sagte: „Nicht deshalb, weil ich an meinem Amt hängen würde, sondern es beschäftigte mich die Frage, was ist in dieser Situation wirklich der Wille Gottes.“ Heute sei er überzeugt, dass gerade jetzt nach 28 Jahren und am Ende des Jubiläumsjahres der „Kairos“, der richtige Augenblick, gekommen sei.

Bericht zur Abtwahl