Kirche ereignet sich überall, wo Getaufte sich im Namen Jesu versammeln

St. Pölten, 10.11.2013 (dsp) Der Studientag für Kinder-, Jugend- und Familiengottesdienste der Diözese St. Pölten im Bildungshaus St. Hippolyt gilt als wichtige diözesane Unterstützung für Pfarren, Religionslehrer und Pastoralassistenten. Hauptorganisatorin Angelika Widrich sagt, damit solle den Teilnehmern die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Liturgie näher gebracht werden. Das werde gerade von vielen jungen Kirchenmitarbeitern breit angenommen.
Referent des Studientages war der renommierte Linzer Liturgieexperte Christoph Freilinger, der über „Das Konzil war erst ein Anfang – bleibende Herausforderungen der Liturgiekonstitution“ sprach.

 Für das Feiern gebe es zwei Vorgaben: Nämlich einerseits die Heilige Schrift und andererseits verpflichte das Konzil zum „Erkunden der Zeit“ und zum Eingehen auf die Menschen und ihre Lebenskultur. Für das gottesdienstliche Feiern sei daher wesentlich:  Mit wem feiern wir? Diese Frage sei ja für jene selbstverständlich, die Familien- und Kindergottesdienste gestalten.

Das Liturgiedokument Sacrosanctum concilium wolle vermitteln, dass Liturgie die Feier des Paschamysteriums sei. In einem sichtbaren äußeren Zeichen werde die nicht sichtbare Wirklichkeit Gottes erfahrbar. Christus sei besonders in den liturgischen Handlungen gegenwärtig, so das Konzil: in der Person des priesterlichen Vorstehers, in den eucharistischen Gaben, in den Sakramenten, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden und wenn die Kirche betet und singt. Freilinger erinnert daher an das Christus-Wort: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Hauptzelebrant sei Christus selber und Gottesdienst sei Handeln Gottes in Jesus Christus: Gott handelt, der Mensch antwortet. Die Konsequenzen daraus seien: Alles menschliche Tun im Gottesdienst ist entweder Ausdruck dafür, dass Gott handelt oder Antwort darauf. Außerdem sei Gottesdienst „nicht machbar, sondern nur gestaltbar“. Das wäre auch eine Entlastung für jene, die liturgische Handlungen vorbereiten, da es nicht an uns liege, ob es bei den Menschen ankomme. Liturgie sei also „Werk Christi“.

Im Wiederentdecken der Bedeutung der Versammlung komme erstmals nach Jahrhunderten wieder ein anderes Bild von Kirche zum Ausdruck: In dieser Versammlung vor Ort – in der Vollform unter der Leitung des Bischofs oder eines Priesters, den Bischof vertritt -, sei immer die ganze Kirche präsent. Aber Kirche als Leib Christi ereigne sich überall, wo Getaufte sich im Namen Jesu Christi versammeln: Auch wenn Kinder miteinander im Namen Jesu sich versammeln, lebe darin Kirche. Dieses Verständnis von Kirche im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils habe höchst aktuelle Auswirkungen auf die Frage nach Versammlung im Ort, wenn nicht mehr jeden Sonntag Eucharistie gefeiert werden kann. Der Linzer Theologe gibt auch die Wechselwirkung zwischen Kirchen- und Liturgieleben zu bedenken: Wenn Kinder sich als „störend“ in der Gemeinde erleben, würden sie sich auch in der Liturgie nicht willkommen fühlen.

Bleibende Herausforderungen

Herausforderungen, die Freilinger sieht: Der Gottesdienst sei eine Feier, nicht Belehrung oder Unterweisung. Anliegen ist ihm weiters die Entwicklung einer „liturgischen Ästhetik“, dabei gehe es um sinnenhaftes und ganzheitliches Feiern. Auch die Vielfalt der Gottesdienstformen gelte es (wieder-)zu entdecken. Freilinger will auch den erreichten Stand der theologischen Verständigung in der Ökumene im Feiern einholen. Er betont vor allem „das Verständnis des Gottesdienstes als Handeln der Versammlung“.

Ein weiterer Schwerpunkt des Liturgiestudientages war das demnächst neu erscheinende Gotteslob. Diese präsentierte der St. Pöltner Kirchenmusikexperte Johannes Kreuzpointner. Die beiden Kirchenmusiker Johann Simon Kreuzpointner und Liane Siebenküttel fragten wie eigentlich das neue Gotteslob entstanden ist und drinnen steckt. Abschließend boten die Veranstalter – der Bereich Familie und der Bereich Jugend der Diözese – Workshops. Die Themenpalette reichte von sakralem Tanz über das Gebiet der Frömmigkeit heutiger Jugendlicher bis hin zu zur Frage, wie man gemeinsam mit jungen Menschen spannende Zugänge zum Glauben mithilfe sakraler Kunst erarbeiten kann.