Ergebnisse der diesjährigen Grabungen am Domplatz

Archäologische Ausgrabungen am Domplatz

St. Pölten, 30.10.2013 (dsp) Mit der diesjährigen Grabungsfläche konnten die archäologischen Untersuchungen im Nordteil des Domplatzes von St. Pölten im Wesentlichen abgeschlossen werden. Bereits begonnen wurde mit einer weiteren Grabungsfläche vor dem ehemaligen Palais Wellenstein. Bis Ende September wurden mehr als 750 Tonnen Erdmaterial händisch bewegt, dabei kamen an die 20.000 Einzelfunde zum Vorschein, die 90 Bananenkartons füllen, darunter 364 Münzen und mehr als 1000 sonstige Kleinfunde. „Erneut konnten wir wichtige Erkenntnisse zur Stadtgeschichte von Aelium Cetium und des mittelalterlichen St. Pölten gewinnen, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus von Bedeutung sind“, erklärte dazu Stadtarchäologe Ronald Risy bei einer Pressekonferenz im Rathaus von St. Pölten.

Detailergebnisse zum Bebauungsplan der römischen Stadt

Der große, in den letzten Jahren mehrfach angeschnittene Gebäudekomplex, bestehend aus Sockelmauern und Fachwerkbau, wird im Süden von einer Portikus (überdachter Säulengang) begleitet. Südlich anschließend wurde auch der hier verlaufende innerstädtische Straßenzug festgestellt. Weiters bestätigt werden konnte die Zerstörung dieses Gebäudes durch einen Brand und eine periphere Nachnutzung, teilweise ohne Berücksichtigung der Vorgängermauern.

Entdeckung eines spätrömischen Verwaltungspalastes

Nachdem bereits im Vorjahr ein Badegebäude des 4. Jahrhunderts n. Chr. mit einem im ganzen römischen Reich singulären Grundriss entdeckt und freigelegt wurde, hat sich nun im Herbst die Vermutung, dass es sich dabei um ein Privatbad eines Verwaltungspalastes handeln könnte, vollauf bestätigt. Es wurde im Südwesten der heurigen Grabungsfläche ein großer Saal mit apsidalem Abschluss angeschnitten. „Solche Säle mit Apsis dienten der Repräsentation und gehörten zum Standardrepertoire spätantiker Großvillen, von Statthalterpalästen oder Kaiserresidenzen. Diese Entdeckung zeigt, dass Aelium Cetium in der Spätantike eine viel höhere Bedeutung zukommt, als bisher von der Forschung allgemein vermutet wurde“, erklärte Risy.

In den Mauern des spätantiken Palastes sind zahlreiche Spolien aus Marmor verbaut, die von ehemaligen Grabbauten aus dem 2. und 3. Jahrhundert stammen. Darunter befinden sich verschiedene Architekturteile und auch ein Statuenfragment. Die Verwendung älterer Bauglieder ist ein für die Spätantike typisches Phänomen.

Der Repräsentationssaal wurde in einer zweiten Bauphase nochmals vergrößert, die Apsis besaß nun einen Durchmesser von 7 Meter, der Saal eine Breite von 12 Meter. In dieser Bauphase wurde auch das singulär stehende Badegebäude über eine Mauer mit dem Verwaltungstrakt verbunden. 

Kirche aus dem 9. Jahrhundert

Unter den bisher heuer freigelegten mehr als 1.000 Bestattungen sind zahlreiche, die der im Vorjahr festgestellten Kirche aus dem 9. Jahrhundert (eine der derzeit ältesten bekannten Kirchen Niederösterreichs) zuzuordnen sind und bis auf eine beigabenlos waren. Spuren deuten aber auf eine Beraubung mancher Gräber hin. Einige dieser Gräber lassen eindeutig den Schluss zu, dass die römischen Mauern bei deren Anlage noch sichtbar gestanden sind.

Über den Winter werden noch einige Daten erhoben, um einen Datierungsansatz für einige dieser Bestattungen zu erhalten, möglicherweise steckt hier noch weiteres Potenzial für Überraschungen. Ebenso konnten ergänzende Informationen zu Grundriss und Aufbau der romanischen und gotischen Pfarrkirche verzeichnet werden.