Diakonweihe für Diözese St. Pölten in Rom

Bischof Konrad Zdarsa weiht Christoph Weiss zum Diakon.

Rom, 17.10.2013 (dsp/pba) Christoph Weiss aus Ybbs wurde vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa in der Kirche Sant’Ignazio in Rom zum Diakon für die Diözese St. Pölten geweiht. Drei weitere Mitbrüder aus dem Päpstlichen Kolleg „Germanicum et Hungaricum“ erhielten die Diakonenweihe, drei die Priesterweihe.

In der Weiheliturgie stellte Bischof Zdarsa vor rund 1300 Gottesdienstbesuchern aus Österreich, Deutschland, Ungarn und Rom die Hingabe Gottes an den Menschen in den Mittelpunkt seiner Predigt. „Der Vater ist es letztlich, der seinen Sohn ausgeliefert hat, für die Menschen und in die Eucharistie hinein, ebenfalls für uns“, betonte er. Das Geheimnis der Eucharistie sei der letzte Grund allen Lebens. Dies bedeute, immer neu auf Jesus zu schauen und ihm im Leben nachzufolgen. Dabei lenkte der Bischof den Blick der Zuhörer auf den Aspekt des Dienens. Jeder Priester, auch Bischöfe und Prälaten, seien immer auch zu Diakonen geweiht. Jedes Amt in der Kirche sei deshalb ein „Dienst-Amt“.

Priester sein durchdringt den ganzen Menschen

„Gott hat schon früh einen roten Berufungsfaden in mich gelegt“, sagt Christoph Weiss im Gespräch mit dem Pressereferat der Diözese St. Pölten. „Dennoch hat es bis zu meinem 25. Lebensjahr gedauert, bis dieser Faden 'gespannt' wurde.“ Als er 2010 mit einer definitiven Entscheidung gerungen habe, sei es nicht mehr darum gegangen, ob er eine Berufung zum Priestertum habe, sondern darum, „Ja zu sagen zu dieser Berufung, sie anzunehmen, die lange schwelende Glut endlich zu entfachen“. Auf dem Weg zur Priesterweihe Diakon zu werden, ist für Weiss „eine erste Stufe, aber eine wichtige, bleibende Stufe“. Jeder Priester sei auch Diakon: „Vielleicht vergisst man das als Priester viel zu schnell.“

Priester zu werden bedeutet für den nunmehrigen Diakon Christoph Weiss „sich ganz Gott zur Verfügung zu stellen, jeden Tag mehr“. Bereits bei der Diakonenweihe werde dem Kandidaten die Verpflichtung zum Stundengebet anvertraut, auch für den Priester sei das Gebet zentral. „An erster Stelle steht für mich das Sein, nicht die Funktion“, betont Weiss. Wenn Leute zu ihm sagten: „Aha, du wirst Pfarrer“, müsse er korrigieren: „Nein, ich werde Priester!“ Kaplan, Pfarrer etc. zu werden sei nur die Folge des Priesterseins. Ein Priester könne nach vielen Jahren „Pfarrer in Ruhe“ werden, wenn er die Funktion niederlegt, aber „Priester in Ruhe“ werde er nie sein. „Priester sein durchdringt den ganzen Menschen.“

Diese Hingabe drücke sich auch im Gehorsam und im ehelosen Leben aus, wie Weiss erklärt. „Für mich heißt es, alles auf eine Karte, alles auf Gott zu setzen. Wenn Gott existiert, möchte ich zu 100 Prozent auf ihn setzen. Ich vertraue ihm, auch wenn ich nicht weiß, was mich erwartet.“ Der Zölibat stoße häufig auf Unverständnis und noch mehr auf Unwissenheit, berichtet Weiss: Er habe sehr oft positive Erfahrungen gemacht, wenn er versuchte, in Gesprächen seine Motivation für ein zölibatäres Leben aufzuzeigen. „Vielleicht sollten wir Zölibatäre dazu mehr Mut haben.“

Die Frucht dieser Verbundenheit mit Gott sei der Dienst für die Menschen. Nur wenn das Leben von Gott durchdrungen sei, könne ein Diakon, Kaplan oder Pfarrer in der Seel(en)sorge wirken. Weiss: „Diakon oder Priester ist kein Job, kein Amt, sondern ein Dienst.“ Es bedeute für ihn vielmehr eine „Verfügbarkeit für die Menschen aus der Verfügbarkeit für Gott“: von der Spendung der Sakramente bis zur Verkündigung des Wortes Gottes, vom Säugling bis zum Sterbenden, von Schülern über Familien bis zu Kranken. Diakon oder Priester sein bedeute, „Menschen zu einer persönlichen Gottesbegegnung zu führen, aus der man selber lebt“.

Studium in St. Pölten und Rom

Christoph Weiss wurde am 20. September 1984 in Melk geboren, seine Heimatpfarren sind Ybbs/Donau und Persenbeug. Sein Vater ist Diplomkrankenpfleger, seine Mutter Kaufmännische Angestellte. Er hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester.

Nach der Volksschule in Ybbs/Donau besuchte Weiss das Stiftsgymnasium Melk (humanistischer Schwerpunkt), wo er 2003 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte er Katholische Fachtheologie und Katholische Religionspädagogik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Beide Studienrichtungen schloss er im Juli bzw. September 2009 ab. Bereits während des Studiums begann er seine Tätigkeit bei Radio Maria als hauptamtlicher Leiter des Studios Amstetten, als Redakteur und Moderator. 2009 bis 2010 unterrichtete er katholöische Religion am BG/BRG Wieselburg. Über seine Heimatpfarre hinaus engagierte er sich viele Jahre als aktives Mitglied in der Legion Mariens.

2010 trat Weiss in das Priesterseminar der Diözese St. Pölten ein. Bischof Klaus Küng sandte ihn nach Rom an das „Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum“. Zunächst absolvierte er ein Lizenziatsstudium an der Pontificia Università della Santa Croce; derzeit verfasst er seine Dissertation in Dogmatik.