"Stille ist ein wesentliches Element der Kommunikation"

Papst Benedikt XVI. hat vor einer Reizüberflutung durch moderne Medien gewarnt und zu einer größeren Wertschätzung der Stille und des Schweigens aufgerufen. Der Mensch von heute werde insbesondere im Internet von "Antworten auf Fragen bombardiert, die er sich nie gestellt hat, und auf Bedürfnisse, die er nicht empfindet", heißt es in seiner Botschaft zum 46. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel, den die Kirche am 20. Mai feiert.

Wortlaut der Botschaft


Die Botschaft wurde traditionell bereits am 24. Jänner, dem Fest des heiligen Franz von Sales, veröffentlicht. Der Heilige, der vor 390 Jahren in Lyon gestorben ist, war Bischof, Ordensgründer, Mystiker, Kirchenlehrer und Autor eines "Bestsellers" des 17. Jahrhunderts ("Philothea"), weshalb er auch Patron der Journalisten ist.

Wie der Papst in der Botschaft schreibt, seien angesichts der Reizüberflutung Momente der Stille unverzichtbar, um das Wichtige vom Unnützen und Nebensächlichen zu unterscheiden. Die Stille müsse ein "wesentliches Element der Kommunikation" sein, fordert Benedikt XVI.

Neue Medien: Chance für vertiefte Kommunikation

Zugleich würdigt der Papst die Bedeutung Sozialer Netzwerke, Websites und der mobilen Kommunikation für die Verbreitung der christlichen Botschaft. In "der komplexen und bunten Welt der Kommunikation" scheine das Interesse vieler Menschen für die letzten Fragen der menschlicher Existenz auf. Diese modernen Kommunikationsformen könnten ihnen helfen, "Momente des Nachdenkens und echten Fragens zu erleben". Sie böten Raum für Meditation und Gebet sowie einen Gedankenaustausch über die christliche Botschaft.

Insbesondere kurze Botschaften, die auf das Wesentliche konzentriert und oft nicht länger als ein Bibelvers seien, könnten tiefe Gedanken zum Ausdruck gebracht werden, schreibt Benedikt XVI. Die Suchmaschinen und sozialen Netzwerke seien für viele Menschen, die Rat, Informationen und Antworten suchten, heute der Ausgangspunkt der Kommunikation. Das Netz werde dabei immer mehr zum "Ort von Fragen und Antworten".

Ohne Stille gebe es keine "inhaltsreichen Worte", heißt es in dem Schreiben weiter. Momente der Stille seien die Voraussetzung für eine anspruchvolle Kommunikation. Überdies fänden gerade Freude, Sorge und Leid ohne Worte "eine besonders intensive Ausdruckform". Für Christen sei das Schweigen überdies von besonderer Bedeutung, weil der biblische Gott auch durch sein Schweigen zu den Menschen spreche.

Die Botschaft zum "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel" trägt in diesem Jahr den Titel "Stille und Wort: Weg der Evangelisierung". Der kirchliche Mediensonntag wird in den meisten Ländern am 20. Mai begangen.

Wortlaut der Botschaft

Foto: (c) stock