Stift Seitenstetten zeigt Jubiläumsausstellung über Vierkanter

"Leben im Vierkanthof ... wo Bauern und Mönche beten und arbeiten" lautet der Titel einer Ausstellung, die in wenigen Tagen länderübergreifend im niederösterreichischen Stift Seitenstetten und im oberösterreichischen Freilichtmuseum Sumerauerhof in St. Florian ihre Pforten öffnet. Im Stift Seitenstetten - im Volksmund auch "Vierkanter Gottes" genannt - wird das Leben der Mönche und ihr Einfluss auf Kultur und Wirtschaft im Mostviertel deutlich. Das Benediktinerstift feiert heuer sein 900-jähriges Gründungsjubiläum. Die Ausstellung in Stift Seitenstetten ist ab 28. April geöffnet.
"Stift Seitenstetten ist keine Insel der Seligen für sich, sondern wir sind fest verankert in der gesamten Region und nehmen vielfältige Aufgaben wahr." Das betonte Abt Berthold Heigl bei einer Pressekonferenz im Stift am Dienstagnachmittag. Er informierte gemeinsam mit den Landeshauptmännern Erwin Pröll und Josef Pühringer über die Ausstellung. Heigl wies darauf hin, dass die Mönche von Seitenstetten 14 Pfarren betreuen. Ein großes Anliegen sei zudem die Jugend. Das werde etwa durch das Stiftsgymnasium deutlich, das derzeit von rund 350 Schülern besucht wird.

Die überregionale Bedeutung des Stifts unterstrich Landeshauptmann Pröll. Die Ausstellung im Stift sei wesentlicher Faktor des Kulturlebens in Niederösterreich. Pröll wie auch Pühringer hoben die Bedeutung des kulturellen Erbes des Vierkanthofes hervor. Und Pühringer fügte hinzu: "Wer seine Geschichte nicht kennt, kennt sich selber nicht."

Spiritualität der Benediktiner beleuchtet

Die Ausstellung im Stift Seitenstetten erläutert den geistlichen Hintergrund der Benediktiner, ihr Leben und Wohnen im "Vierkanter Gottes". Deutlich wird laut Abt Heigl auch der Jahrhundertelange Einfluss des Stifts auf die geistig-kulturelle Entwicklung der Region bis hin zur Ernährung. Ein Beispiel: die Einführung der Erdäpfel in Notzeiten. Deutlich werde auch, dass das Kloster seit Jahrhunderten eine Heimstätte für Kunst und Kultur ist, so Heigl. Die Stiftsgalerie zeige auf 3.000 Quadratmetern Kunstwerke von der Antike bis zur Gegenwart. Der Bogen der Künstler spanne sich vom Kremser Schmidt, Paul Troger und Daniel Gran bis zu Werner Berg, Maria Lassnig und Fritz Wotruba.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung gilt der Baugeschichte des Stifts, deren Ursprünge auf die romanische Ritterkapelle zurückgeht. Dabei werden im Rahmen der Ausstellung auch Plätze geöffnet, die sonst für Besucher nicht zugänglich sind - etwa die Schatzkammer, das Sommerrefektorium und die Bibliothek, betonte der Abt.

Seit 1112 Benediktiner in Seitenstetten

Seit 1112 beten und arbeiten Mönche nach den Regeln des Heiligen Benedikt in Seitenstetten. Ein gewisser "edelfreier Mann Udiskalk von Still hat ein kleines Kloster für Mönche zu Ehren der Gottesmutter Maria auf seinem freien Eigen Stansteten errichtet", berichtet die älteste Urkunde des Stifts. Der Vierkanter des Stiftes in seiner heutigen barocken Ausformung geht auf Planungen und Ausführungen des Baumeisters Josef Munggenast von 1718 zurück und war letztlich auch Vorbild für viele bäuerliche Vierkanthöfe kleinerer Dimensionen.

Im Rahmen des 900-Jahr-Jubiläums des Stifts werden rund 100 Veranstaltungen im Stift und in der gesamten Region stattfinden, darunter zahlreiche Konzerte. Der Stiftertag am 11. Mai wird mit einem Festgottesdienst in der Stiftskirche um 10 Uhr begangen, zu dem sich auch Abtprimas Notker Wolf, der weltweit ranghöchste Benediktiner, angesagt hat. Das Hauptfest zum Jubiläum findet am 16. September statt. Um 14 Uhr beginnt der Festgottesdienst mit dem St. Pöltner Bischof Klaus Küng, im Anschluss findet ein Festakt mit Landeshauptmann Erwin Pröll statt.

Weitere Infos zum Stift und zur Ausstellung:
www.stift-seitenstetten.at
www.lebenimvierkanthof.at

(dsp/kap)