Nikolaus
 
 

Predigt Jahresschlussandacht 2012

Liebe Brüder und Schwestern! Ein zu Ende gehendes Jahr und der Anfang eines neuen ladet ähnlich wie ein Geburtstag dazu ein, innezuhalten und zu überlegen: Wo stehe ich, wie bin ich unterwegs? Denn der Wechsel der Jahreszahl macht uns bewusst: Die Zeit schreitet fort und wir müssen die Zeit, die uns Gott zur Verfügung stellt, möglichst gut nützen.

Im vergangenen Jahr wurden in ganz Österreich die Pfarrgemeinderäte neu gewählt; unsere Diözese war bezüglich Wahlbeteiligung sogar an der Spitze, und das ist ein gutes Zeichen. Die Aussendung der neuen Pfarrgemeinderäte erfolgte am Beginn des Herbstes im Rahmen einer Wallfahrt nach Maria Taferl: Es herrschte eine gute Atmosphäre. Ende Oktober hat sie dann der Herr Landeshauptmann im Festspielhaus empfangen und ihre Tätigkeit gewürdigt: mit Recht, denn von den Pfarrgemeinden wird vieles geleistet, was der gesamten Bevölkerung zugute kommt.

Zu den besonderen Veränderungen des vergangenen Jahres gehört sicherlich die Zusammenführung unseres Priesterseminars mit den Seminaren der Erzdiözese Wien und Eisenstadt. Der Entschluss dazu war nicht einfach. Er zeigt, dass die Zahl der Berufungen weiterhin bescheiden ist. Gleichzeitig darf man sagen, dass bei der herbstlichen Wallfahrt der Berufungspastoral nach Maria Langegg eine sehr gute Atmosphäre herrschte und durchaus positive Perspektiven erkennbar sind.

Drei weltkirchliche Ereignisse des vergangenen Jahres möchte ich im Besonderen hervorheben: Anfang Mai fand in Mailand das 6. Weltfamilientreffen statt. Ihm ist ein großer Pastoraltheologischer Kongress mit etwa 10.000 Teilnehmern vorausgegangen und den Abschluss bildete eine vom Hl. Vater zelebrierte Eucharistiefeier mit 1 Million Gläubigen. Es war ein sehr ermutigendes Ereignis.

Im Herbst war die Bischofssynode über Neuevangelisierung in Rom und weltweit wurde am 11. Oktober das Jahr des Glaubens eröffnet. In unserer Diözese begannen wir bereits am 7. Oktober mit einer feierlicher Vesper, der der hochwürdigste Herr Nuntius vorstand. In der Franziskanerkirche werden monatlich Katechesen zum Glaubensbekenntnis abgehalten und in Maria Taferl war bereits eine erste Jugendkatechese. In der ganzen Diözese sind die Vorbereitungen für den eigentlichen diözesanen Schwerpunkt des Glaubensjahres voll im Gange: in der Fastenzeit werden in allen Pfarren Glaubensthemen bearbeitet mit dem Ziel einer möglichst bewussten Erneuerung unseres Taufversprechens in der Osternacht. Zudem sind noch viele andere Initiativen unterschiedlichster Art im Gange.

Es gibt schon auch beunruhigende Phänomene, die uns bewusst machen, dass die Glaubenserneuerung dringend ist. Unmittelbar vor Weihnachten hatten wir den Schock der drei Brandstiftungen in Amstetten; es dürfte sich um einen Einzeltäter handeln. Vor einigen Wochen gab es eine Art Hausfriedensbruch im Dom: Es kam plötzlich eine kleine Gruppe vermummter Schauspieler, die in Anspielung an die Vorkommnisse in Russland um den Volksaltar tanzten. Der ORF hat zugesichert, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird. Bedauerlich ist auch, dass es der Plattform, die für die Abschaffung der – wie sie es bezeichnen – „Kirchenprivilegien“ eintritt, gelungen ist, eine ausreichende Stimmenanzahl zu erreichen, um tatsächlich eine Volksbefragung durchführen zu können.

All das sind Hinweise für eine gewisse Stimmungsänderung im Land. Wir brauchen keine Angst zu haben. In der Weihnacht wurde von den Engeln den Hirten verkündet: „Fürchtet euch nicht“ und im Evangelium hörten wir vor wenigen Minuten: „Macht euch keine Sorgen, was ihr essen werdet.“

Aber es ist nicht zu übersehen, dass neue Anstrengungen zur Verkündung des Evangeliums dringend nötig sind. Es werden auch gewisse Umstellungen und neue Akzentsetzungen in der Seelsorge erforderlich sein, weil sich in den letzten Jahrzehnten die Gegebenheiten wesentlich verändert haben und die Gläubigen befähigt werden müssen, um in den heutigen Verhältnisses als Christen leben und wirken zu können. Tiefe und solide Wurzeln sind erforderlich, um in der heutigen Zeit als Christ bestehen zu können. Die christlichen Familien benötigen für die Wahrnehmung ihrer Aufgabe in den heutigen Gegebenheiten Hilfestellungen und die gesamte Sakramentenpastoral bedarf einer dringend notwendigen Neugestaltung, um zu erreichen, dass alle, die sich den Geheimnissen unseres Glaubens nähern, wissen, was sie empfangen, und darauf entsprechend vorbereitet sind.

Die Anliegen der Neuevangelisierung sind auch für unsere Diözese von größter Bedeutung. Es muss unser Ziel sein, eine missionarische Kirche zu werden, die die Jugend anspricht und gewinnt, aber auch jene Menschen einladet, die sich von der Kirche entfernt oder nie zuvor den Zugang zum Glauben gefunden haben.

Für all das ist nicht nur eine ausreichende Anzahl von geistlichen Berufen Voraussetzung, sondern die aktive Beteiligung möglichst aller Getauften und Gefirmten, wie es das II. Vatikanische Konzil gelehrt hat.

Es ist ein großer Wunsch für das Neue Jahr, dass uns wenigstens einige Schritte in diesem Sinn gelingen. Möge uns die Gottesmutter Maria, mit deren Hochfest wir das Neue Jahr eröffnen, in allen unseren Bemühungen beistehen.