Pfarrgemeinderatswahl – Pfarren bleiben wichtige Brennpunkte

Nach den vorläufigen Endergebnissen aus allen 20 Dekanaten der Diözese St. Pölten zeigt sich bei der Pfarrgemeinderatswahl 2012 ein Interesse an der Mitgestaltung des Pfarrlebens weit über die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstbesucher hinaus. Trotz leichtem Rückgang der Wahlbeteiligung von 27,5 im Jahr 2007 auf nunmehr 25,7 Prozent, sind um etwa 38 Prozent mehr zur Wahl gegangen als der durchschnittliche Kirchenbesuch an Sonntagen zählt.


„Die Pfarrgemeinderatswahlen zeigen, dass die Pfarren wichtige Brennpunkt des gemeinschaftlichen Lebens sind und bleiben“, sagt Sepp Winklmayr, Direktor der Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten, in einer ersten Stellungnahme. „Die Bevölkerung ist an der aktiven Mitgestaltung des Pfarrlebens interessiert.“ Dieses Interesse gehe weit über die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstteilnehmer hinaus. Die gewählten Jugendlichen, Frauen und Männer würden der Pfarre gemeinsam mit dem Pfarrer „ein persönliches Gesicht geben“, so Winklmayr.

Frauenquote auf 59% gestiegen

Nach den vorläufigen Ergebnissen ist ein starker Trend zu neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festzustellen: Ca. 2.100 Pfarrgemeinderäte ziehen neu in den Pfarrgemeinderat ein. Das sind 37 Prozent der über 5.700 Gewählten. Zurückgegangen ist allerdings die Wahlbeteiligung, die von 27,5 Prozent bei der letzten Wahl vor fünf Jahren auf diesmal 25,7 Prozent gesunken ist. In der Pfarre Purk im Dekanat Spitz lag die Wahlbeteiligung bei rekordverdächtigen 95,5 Prozent.

Insgesamt gab es in der Diözese etwa 457.000 Wahlberechtigte. Das sind alle Katholiken über 16 Jahre und die Gefirmten ohne Altersbegrenzung. 117.000 Personen sind diesmal zur Wahl gegangen. Das sind um 38 Prozent mehr, als der durchschnittliche Gottesdienstbesuch ausmacht. Nach vorliegenden Meldungen wurde an diesem Wochenende in 11 Pfarren nicht gewählt. Von einigen Pfarren liegen noch keine Ergebnisse vor, etwa von jenen, die etwa nach dem Urwahlmodus vorgegangen sind.

Die Gesamtzahl der gewählten Pfarrgemeinderatsmitglieder ist mit rund 5.700 Personen etwas höher als bei der Wahl vor fünf Jahren. Der Anteil der Frauen ist mit 59 Prozent gegenüber 2007 um rund 5 Prozentpunkte gestiegen. In absoluten Zahlen heißt dies, dass etwa 3.300 Pfarrgemeinderäte weiblich sind. Jugendliche machen in den Pfarrgemeinderäten nur einen kleinen Teil aus. Dennoch werden voraussichtlich165 Jugendliche unter 20 Jahre in die Pfarrgemeinderäte einziehen, und der Altersschnitt der gewählten Pfarrgemeinderäte beträgt nur 45 Jahre.

Neue Herausforderungen

„Gerade in Zeiten der Veränderungen und Umbrüche kommt den neu gewählten Pfarrgemeinderäten eine wichtige Rolle zu“, betont Direktor Winklmayr. Für die Periode der nächsten fünf Jahre seien diese mit ihrem Glaubensbeispiel und ihrem ehrenamtlichen Engagement Vertrauenspersonen für Pfarre und Kirche und somit „Garanten für ein Gelingen des Gemeindelebens vor Ort“. Weil in vielen Pfarren der Pfarrer nicht mehr ständig anwesend sein kann, würden die Pfarrgemeinderäte ihre Leitungsaufgaben stärker wahrnehmen müssen, so Winklmayr. Angesichts größer werdender Strukturen werde es entscheidend sein, dass es in der Pfarre vor Ort Personen gibt, die die Seelsorge verantwortlich mittragen und sichern. Gegenüber den Tendenzen, dass Glaube immer mehr privatisiert wird und aus der Öffentlichkeit verschwindet, würden die Pfarrgemeinderäte auch vermehrt als Glaubenszeugen gefragt sein.

PGR-Wahl ein „pastorales Großereignis“

Die PGR-Wahl sei ein „pastorales Großereignis“, sagt Peter Haslwanter, Diözesanverantwortlicher für die Pfarrgemeinderäte. Durch die vielen persönlichen Gespräche im Zuge der Kandidatenfindung würden sich sehr viele Rückmeldungen über die Anliegen der Menschen in den Pfarrgemeinden ergeben, die in die künftige Arbeit des Pfarrgemeinderates einfließen könnten. In diesem Zusammenhang sei das Wahlmotto „Gut, dass es die Pfarre gibt!“ „ein Volltreffer was das Gefühl der Menschen in den Gemeinden betrifft“ gewesen, so Haslwanter. Die hohe Erneuerungsrate bei den Pfarrgemeinderäten bringe besondere Chancen für die Kirche mit sich: „Die Begabungen wollen entdeckt, gefördert und eingesetzt werden.“

Fotos: Pfargemeinderatswahlen in den Pfarren Viehdorf, Krems St. Veit, Oberwölbling, Steinakirchen und Ybbs.