Missionstagung in Göttweig

Göttweig (dsp) Das „gemeinsame Priestertum aller Getauften“ ernst zu nehmen, war das Hauptliegen des Gemeinschaftstages Mission im Benediktinerstift Göttweig. Über 80 Experten und Interessierte kamen zu der Veranstaltung, die unter dem Titel „Du bist Prophetin, du bist Prophet, du bist Priesterin, du bist Priester“ stand und von Missio St. Pölten und Wien sowie dem Referat für Mission und Entwicklung der Erzdiözese Wien organisiert wurde. Unter den Teilnehmern waren auch zahlreiche langjährige Afrika-, Lateinamerika- und Asien-Missionarinnen und Missionare.
„Die Kirche in den Ländern des Südens hat viel weniger Priester als im 'alten Europa', aber die Gläubigen geben uns das Beispiel des gelebten gemeinsamen Priestertums durch ihren Einsatz in der Verkündigung, Liturgie und Diakonie“, so Missionspfarrer Herbert Leuthner. Die Länder des Südens „lehren uns im Norden, was das Zweite Vatikanische Konzil mit der Neubetonung des gemeinsamen Priestertums aller Getauften vermitteln wollte“. Mission sei gegenseitiges Geben: „Nicht nur wir Europäer haben dem Süden 'gegeben', sie geben uns viel mehr zurück: Das dort viel stärker gelebte gemeinsame Priestertum“.

1 Priester für bis zu 40.000 Katholiken

Die beiden Ecuador-Missionare Bernhard Ruf und Herbert Leuthner verweisen auf ein konkretes Beispiel in dem lateinamerikanischen Land. Dort betreut ein Landpfarrer teilweise 20.000 bis 40.000 Katholiken, verteilt auf 30 bis 50 Teilgemeinden. Die Pfarre sei eine Gemeinschaft von Gemeinden und Movimientos (Netzwerk). Pastoral wäre Sache der Pfarre, nicht des Pfarrers. Daher verstehe man dort unter „gemeinsamer Pastoral“ ein gemeinsames Priestertum in Koordination mit dem Dienstpriestertum. Die Stärke liege in der Gemeindebildung der Basis, so könne man auch gegen die schwere Konkurrenz der Freikirchen bestehen.

Als Ecuador-Missionar „durfte er die dort gelebten Versuche zur Neuevangelisierung des Kontinents kennenlernen“. Leuthner glaubt, dass „die Grundprinzipen dieses Weges auch für die von Papst und Bischöfen gewünschte Neuevangelisierung Europas gelten, natürlich mit verschiedener Ausgangsposition und unter anderen Umständen“. Die europäischen Ortskirchen sollten mehrere Prinzipien übernehmen. So sollten die Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils ernst genommen werden. In Lateinamerika hätten die Kontinentalsynoden für die Umsetzung des Konzils in das Leben gesorgt. „Sie hatten großen Einfluss auf die Basis der Kirche und so wurde in einem halben Jahrhundert aus einer sterbenden Kirche in Lateinamerika eine Kirche mit vielen lebendigen Zellen überall.“ Das Konzil habe die Bedeutung aller „Getauften als Jünger, Missionare und Pastoralagenten“ aus der Versenkung geholt. Ohne sie hätte die Kirche in den Riesenpfarren nicht evangelisieren können. Alle Gruppen hätten eng zusammengearbeitet: von der Basis – also den Teams und Kleingruppen - bis zum Bischof. Dabei wurde folgendes Konzept erarbeitet: permanentes Sehen – Urteilen – Handeln – Beten und Feiern – Revidieren des Prozesses der „Pastoral de conjunto“ (=gemeinsame Pastoral oder Evangelisierung). Diese Prozesse seien keine einmaligen Events, sondern passierten dauernd. Sie würden auch das permanente Studium und Vertiefung in der Spiritualität des „missionarischen Jüngers“ erfordern, so Herbert Leuthner. In erster Linie ginge es um das Studium der Bibel an der Basis, mit Christus als Zentrum: „Christus verkünden, nicht bloß Werte“. Und dazu käme das Studium der Richtlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Studium nicht durch Vorträge, sondern in Gruppenarbeit: Alle müssen reden lernen, nicht bloß hören.“

Gemeinsames Priestertum aller „nicht selten gefürchtet“

Der Jesuit P. Elmar Mitterstieler betonte in seinem Impulsreferat: „Jede und jeder Getaufte ist durch die Gemeinschaft mit Christus Priester und König und Prophet.“ Das Zweite Vatikanische Konzil habe diese Zusage der unveräußerlichen Gleichheit und Würde und des Priestertums aller Getauften im Rückgriff auf die Heilige Schrift wieder ins Bewusstsein gebracht. Sie sei aber theologisch und in der Verkündigung eher wenig beachtet, „ja nicht selten gefürchtet“, so P. Mitterstieler.

Nach dem Konzil wurden zwar die Pfarrgemeinderäte gegründet, viel vom 'Laienapostolat' gesprochen, und mehrere neue Bewegungen entstanden. Die 'vorvatikanische' Trennung zwischen den zwei 'Klassen' 'Lehrender Kirche' (Klerus) und 'Hörender Kirche' (Laien) wurde aufgehoben.“ Aber in den letzten 30 Jahre schien ihm eine Stagnation eingetreten zu sein und das Bewusstsein der gemeinsamen Würde und des gemeinsamen Dienstes an der Kirche scheine eher zu schlafen.

Foto 1: P. Benno Maier OSB (Diözesandirektor Missio Diözesanstelle St. Pölten), Diakon Franz Ferstl (ehemaliger Diözesandirektor Missio Diözesanstelle Wien und ehemaliger Leiter des Referates für Mission und Entwicklung), Christian Zettel (Mitarbeiter des Referates für Mission + Entwicklung der ED Wien, zuständig für Vikariat Süd), Bernhard Ruf (im Rollstuhl, Leiter des Referates für Mission + Entwicklung der ED Wien), Herbert Leuthner (Diözesandirektor Missio Diözesanstelle Wien), Diakon Roland Reisenauer (Mitarbeiter des Referates für Mission + Entwicklung der ED Wien), Margot Karner (Missio Diözese St. Pölten), P. Elmar Mitterstieler SJ.
Foto 2: Teil der vielen Experten und Interessierten.
Foto 3: Über 80 Experten und Interessierte nahmen an der Tagung im Stift Göttweig teil.