Leichtfried: „Schätze des Konzils noch nicht gehoben“

St. Pölten, 10.12.2012 (dsp) „Das“ Konzil war zwar nur eines in einer Reihe von vielen, sei für uns jedoch „sehr bedeutend und prägend“, betonte Weihbischof Anton Leichtfried bei einem Vortrag über die Offenbarungskonstitution „Dei Verbum“ im Rahmen einer Adventbesinnung des Katholischen Akademikerverbandes und des „Forums XXIII“ in St. Pölten. „Die Schätze des Konzils sind noch lange nicht alle gehoben und noch nicht ausgeschöpft.“
Die Konstitution „Dei Verbum“ über die göttliche Offenbarung gehöre dabei zu den „spannendsten und krisenhaftesten“ Texten des Konzils, so Leichtfried. In der Formulierung des Textes in Abweichung zum vorgelegten Schema habe das Konzil „zu seinem Selbstverständnis gefunden“. Der Inhalt sei für heutige Theologiestudenten zwar „selbstverständlich und haut niemanden mehr vom Hocker“, im Licht der Theologiegeschichte beinhalte die Konstitution jedoch „revolutionäre Ansätze“.

So habe noch das 1. Vatikanische Konzil die Offenbarung als „Erlässe und Instruktionen von Gott“ angesehen, als ein Geschehen „rein auf der Informationsebene“, wie Leichtfried formulierte. Das 2. Vatikanum habe darüber hinausgehend festgehalten, „dass Gott nicht nur etwas mitteilt, sondern sich selbst.“ In seinem Sohn teile er sein Leben und damit letztlich alles mit uns. Leichtfried: „Es geht nicht um Information, sondern um Gemeinschaft.“

Im Hinblick auf fehlende schriftliche Zeugnisse aus der Lebenszeit Jesu, meinte der St. Pöltner Weibischof, dass es „für viele praktisch“ wäre, wenn Jesus selbst „ein kleines Handbuch“ geschrieben hätte. Diesem Wunsch setzte Leichtfried entgegen, dass im Mittelpunkt des Offenbarungsgeschehens „nicht ein Text, kein Buch, sondern eine Person“ stehe. Auch zu Lebzeiten Jesu sei dessen Lehre nur aus der Nachfolge heraus zu begreifen gewesen: „Ein Text genügt nicht, man muss die Person erleben.“

Was heute „relativ harmlos und selbstverständlich“ klinge, sei noch zu Beginn des 20. Jahrhundert nicht vorstellbar gewesen, erklärte Leichtfried. Die Inhalte von „Dei Verbum“ würden jedoch auch heute wieder eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung mit „fundamentalistischen Verkürzungen von Religionen“, der Esoterik und dem Atheismus spielen.