Herbstwanderung
Erntedankkorb
 
 

Lehrpfad zum Thema Obdachlosigkeit eröffnet

St. Pölten, 30.10.2012 (dsp) Wie man in geschichtlichen Zeiten mit dem Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit umgegangen ist, das zeigt ein ein Lehrpfad der Emmausgemeinschaft im St. Pöltner Stadtwald auf neun Schautafeln. Wie etwa ein Blick auf die historische Fotografie des Bezirksarmenhauses Herzogenburg im Vergleich mit den heute existierenden Tageszentren und Notschlafstellen der Emmausgemeinschaft zeigt, hat sich vieles verbessert. Doch in Zeiten schicksalshafter oder systembedingter Krisen ist es nach wie vor sehr leicht, zu verarmen,so Walter Steindl, Leiter der Einrichtungen zur Grundversorgung bei Emmaus.
„Jeder, der ein Dach über dem Kopf hat, kann sich nicht ansatzweise vorstellen, was das bedeutet, obdachlos zu sein“, sagte Bürgermeister Matthias Stadler anlässlich der Eröffnung des Lehrpfades. Leider herrsche in unserer Gesellschaft weniger Toleranz und Verständnis für Einrichtungen wie die Notschlafstellen der Emmausgemeinschaft vor, sagte Stadler. Dabei wäre hier Nächstenliebe und Solidarität gefragt. Gerade in St. Pölten wäre durch die Nähe zur Bundeshauptstadt zusätzlicher Bedarf für solche Einrichtungen gegeben, denn Armut und Obdachlosigkeit machten nicht vor Stadtgrenzen Halt.

Emmaus führt in St. Pölten drei Notschlafstellen für Männer, Frauen und Jugendliche. Der Lehrpfad möchte auf die Situation der Menschen hinweisen, die dort Zuflucht finden. In den vergangenen fünf Jahren nächtigten in den Notschlafstellen 1.036 Männer, Frauen und Jugendliche. Die Anzahl der Personen, die aufgenommen werden, ist stetig gestiegen – von 155 im Jahr 2007 auf 255 im Jahr 2011. Heuer waren es bis 24. Oktober 208 Personen.

2007 bis 2011 verzeichneten die drei Einrichtungen 42.845 Nächtigungen. Im Vergleich zur Zahl der aufgenommenen Personen lasse sich hier keine signifikant anhaltende Steigerung erkennen, sagt Walter Steindl. Das liege daran, dass die Verweildauer der Gäste in der Grundversorgung abgenommen hat. Sie betrug für die Männer-Notschlafstelle im Jahr 2008 ca. 55 Tage – 2 Jahre später bereits nur mehr 36 Tage. Dieser Trend halte bis heute an.

„Das zeigt einerseits, dass die Zahl derer, die in absolute Armut geraten, ständig im Steigen begriffen ist, dass andererseits aber auch die Hilfsangebote greifen“, erklärt Steindl. „Betroffenen gelingt es heute schneller, in passende Wohnformen zu wechseln. Der freie Wohnungsmarkt mit seinen ständig steigenden Preisen ist dabei allerdings nicht hilfreich. Es ist der vom Land NÖ geförderte Ausbau von Plätzen im betreuten Wohnen – z.B. im Zuge der extramuralen Versorgung von PsychiatriepatientInnen – der hier seinen Niederschlag findet.“

Foto (Emmaus): Bürgermeister Matthias Stadler; Christa Hausmann, Leiterin des Referats Wohnen bei Emmaus; Werner Stöß, Leiter der Notschlafstelle für Männer; Stadträtin Ulrike Nesslinger; Walter Steindl, Leiter der Grundversorgungseinrichtungen bei Emmaus; Andreas Aigner, Mitarbeiter in der Notschlafstelle Kunrathstraße (v.l.n.r.)