Küng: Großteil kirchlicher Missbrauchsfälle bereits behandelt

Vorsitzender der kirchlichen Stiftung Opferschutz begrüßt in APA-Interview Weiterarbeit der Klasnic-Kommission - Ab Herbst gemeinsames Priesterseminar für Diözesen Eisenstadt, St. Pölten und Wien


St. Pölten, 06.09.12 (Kathpress) Ein Großteil der in Zuge des kirchlichen Missbrauchsskandals an Ombudsstellen und Klasnic-Kommission herangetragenen Fälle sind bereits behandelt. Das sagte der St. Pöltner Diözesanbischof und Vorsitzende der kirchlichen Stiftung Opferschutz, Klaus Küng, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview für die Austria Presseagentur (APA). Bischof Küng gab an, dass bereits 800 bis 900 von insgesamt 1.090 vorliegenden Fällen bearbeitet worden seien.

Zugleich begrüßte es der Bischof, dass die von Waltraud Klasnic geleitete Opferschutzanwaltschaft weitere drei Jahre tätig sein werde. Die kirchliche Stiftung Opferschutz bemühe sich, "sehr rasch zu reagieren", sobald seitens der Klasnic-Kommission die Berechtigung von Entschädigungsansprüchen bestätigt werden. Zur Höhe der bisher ausgezahlten Entschädigungssumme an Missbrauchsopfer wollte sich Küng noch nicht äußern. "Ich möchte lieber abwarten, bis alle Fälle abgeschlossen sind", sagte Küng.

Zur Kritik, wonach einige unter Missbrauchsverdacht stehende Priester nach wie vor im Dienst stehen würden, betonte der Bischof der Diözese St. Pölten, er sei den Vorwürfen wie seine bischöflichen Amtskollegen sehr intensiv nachgegangen. Es sei ihm ein Anliegen, entsprechende Konsequenzen schnell umzusetzen. Es sei aber auch wichtig, jeden Fall sorgfältig zu prüfen - etwa, wie lange er zurückliegt, ob der Betroffene bereit ist, alle Maßnahmen und auch eine Therapie zu akzeptieren. "Da muss man Unterscheidungen machen", betonte Küng.

"Aufgrund der sehr schmerzhaften Erfahrungen der letzten Jahre ist das Problembewusstsein viel stärker geworden", wies der Bischof hin. "Es wird alles getan, dass so etwas nicht wieder vorkommt."

Fusion ostösterreichischer Priesterseminare

Küng erklärte in dem APA-Interview auch, warum das Priesterseminar der Diözese St. Pölten ab diesem Herbst mit jenen von Wien und Eisenstadt zusammengelegt wird. Trotz des Rückgangs von Priesteramtskandidaten habe man die Ausbildung in einer größeren Gruppe sicherstellen wollen: "Eine größere Gemeinschaft prägt, man kann sich untereinander stützen." Am Standort Wien werde es 25 bis 30 Seminaristen geben, etwa fünf davon aus St. Pölten.

Zur Pfarrer-Initiative sagte Bischof Küng, es gebe Nöte der Priester, die er "gut nachvollziehen" könne. Dennoch habe er sich - gemeinsam mit den Mitgliedern der Bischofskonferenz - klar dafür ausgesprochen, dass sich die Unterstützer der Pfarrer-Initiative für den Fall, dass sie Leitungsaufgaben innehaben sollen, eindeutig zu den Bestimmungen der Weltkirche bekennen müssen. Geschehe das nicht, stünden personelle Maßnahmen im Raum. Mit Priestern seiner Diözese St. Pölten habe er diesbezüglich gesprochen, so der Bischof. Es herrsche ein "gutes Gesprächsklima".

Eine positive Bilanz zog Küng zur sommerlichen Plakatkampagne "Der Auftrag" in der Diözese St. Pölten. Mitarbeiter der Kirche - Geistliche und Laien - wurden seit Juli auf großflächigen Plakaten mit der Botschaft "Wer alles gibt bekommt mehr zurück" präsentiert. "Es waren trotz der einen oder andern kritischen Anfrage überaus positive Reaktionen", freute sich Küng. "Die Menschen haben großes Interesse an unserer Arbeit gezeigt."