Küng: Christlicher Glaube verhilft zur "reifen, tiefen Beziehung"

Gerade der christliche Glaube stellt eine große Hilfe zur Erlangung einer "reifen, tiefen Beziehung" dar. Das hat der St. Pöltener Bischof Klaus Küng Dienstagabend in einem Vortrag mit dem Titel "Die Zukunft der Gesellschaft geht über die Familie" im Klagenfurter Dompfarrhof betont. Der Glaube helfe, "die Dinge richtig zu sehen, den Weg zu finden, der zu einer wahren Liebe, zu einer dauerhaften Beziehung hinführt und zur Überwindung der dabei häufig auftretenden Schwierigkeiten befähigt". Der Vortrag Küngs und ein Gottesdienst im Klagenfurter Dom zuvor fanden im Rahmen der "Woche für das Leben" statt.


Der St. Pöltener Bischof betonte den Wert der Familie für die Gesellschaft. Für vieles, was für die Gesellschaft unerlässlich sei, werde der Grund in der Familie gelegt, so z. B. die Fähigkeit zur Verantwortung und zu solidarischem Handeln und Denken bis hin zur Konfliktfähigkeit. "Die kinderbejahende Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ist unersetzbar", betonte Küng.

In der heutigen Gesellschaft treffe man auf unterschiedlichste "Familienkonstellationen". "Die Kirche muss für alle da sein", so der Bischof. "Trotz alldem gilt aber, dass das Familienverständnis nicht einfach eine Frage der Konvention ist, so als könnte das jeder problemlos so halten, wie es seinem persönlichen Empfinden am besten entspricht."

Der Bischof sprach sich dagegen aus, "Lebensgemeinschaften aller Art" der Ehe gleichzusetzen. "Es müsste dem Staat wichtig sein, die Familie auf der Grundlage einer dauerhaften Ehe und insbesondere die kinderreiche Familie zu fördern und zu stärken", so Küng. Zum Wesen der Ehe gehöre die Ausrichtung auf Kinder, diese seien für die Entfaltung der Liebe bei den Eheleuten und ihrer Familie wichtig. Dabei bedürften Kinder "der Geborgenheit einer festen Bindung der Elten, sie bedürfen ihrer Liebe und Treue".

"Die Zuwendung und das Vorbild der Eltern sind von fundamentaler Bedeutung", erklärte der Bischof. Für jeden Menschen sei das Aufwachsen in einer Familie entscheidend: "Das Manko eines zerrütteten oder nicht vorhandenen Elternhauses hängt dem Betroffenen in der Regel ein Leben lang nach."

"Hoffnungsvoller Trend"

Neben den unterschiedlichen "Familienformen" sei die heutige Gesellschaft gekennzeichnet von sinkenden Zahlen an u. a. Eheschließungen und Kindern; hingegen würden Entscheidungen für Scheidungen und auch Abtreibungen mitunter rascher getroffen. Paare lebten oftmals nur "lose" miteinander und begännen so eine intime Beziehung "ohne die nötigen Voraussetzungen", was häufig zu Enttäuschungen führe.

Neben diesem "Mainstream" in den "Wohlstandsländern" erkannte Bischof Küng aber auch einen anderen Trend: "Wo der christliche Glaube unter jungen Menschen lebendig wird, entdeckt man inmitten einer total an Gewinn und Wohlstand orientierten Gesellschaft plötzlich wieder manche junge Familie mit Kindern." Zu diesem Trend gehöre die Hinwendung zur Familie, in der Kinder viel Raum einnähmen, das "Ja" zum Leben und die Liebe zur Familie seien hier charakteristisch. Küng: "Dieser Trend kann bei uns noch keine großen Zahlen aufweisen, aber ist hoffnungsvoll und zukunftsträchtig."

Jeder gefordert

Zweifellos sei beim Thema Ehe und Familie die Kirche gefordert, aber auch Eltern, Lehrer und jeder Einzelne müssten ihren Teil leisten. So sprach sich Küng z. B. für eine Jugendarbeit und Schulen aus, die "die christlichen Werte mit aller Natürlichkeit, Klarheit und Feinfühligkeit vermitteln, damit junge Menschen ihre Würde erkennen, sich nicht leichtfertig hergeben, nicht ihre Freiheit und Jugend verlieren".

Aber auch eine "moderne Familienpastoral" sei nötig, so sollten sich Familien über ein Netzwerk verbinden. Aber auch Geschiedene und Wiederverheiratete sollten "ihren Platz und ihre Aufgabe" haben. (KAP)