Körner: „Die Frage nach Gott beantworten“

„Nur weil wir in der Kirche schön Gitarre spielen, wird niemand mehr kommen. Wir müssen den Menschen die Frage nach Gott beantworten und ihnen unsere guten Gründe für den Glauben nennen.“ Dies betonte Bernhard Körner, Professor für Dogmatik an der Universität Graz, in seinem Vortrag „Die Provokation, verbindlich an Gott zu glauben“ am Dienstag bei der Priesterstudientagung der Diözese St. Pölten. Einer säkularisierten Welt, in der alle Gottesbilder und Heilswege als prinzipiell gleichwertig propagiert würden, müssten die Gläubigen „freundlich, aber bestimmt und unbeirrbar Christus entgegenhalten“. Das Geheimnis Gottes bleibe zwar auch für Christen Geheimnis, so der Dogmatiker. Dieses Geheimnis komme dem Gläubigen jedoch auf zweifache Weise nahe: durch das innere Wirken der Gnade und geschichtlich in der Person Jesu Christi. Körner: „Christus ist als Wirklichkeit zu bezeugen.“

„Eklatanter Mangel an Selbstbewusstsein“ in der Kirche

Heute herrsche die Meinung vor, dass objektive Fakten allein Sache der Naturwissenschaften seien, konstatierte Körner. Der Glaube werde hingegen eine rein subjektive Erfahrung hingestellt, in die sich niemand einmischen dürfe und in der niemand letztlich „Recht haben“ könne. Die Abschaffung der christlichen Disziplin der Apologetik, der Verteidigung des Glaubens, habe einerseits zwar viel Positives bewirkt, so Körner, andererseits „stehen alle Intellektuellen bei Angriffen völlig hilflos da“.
In der Kirche herrsche ein „eklatanter Mangel an Selbstbewusstsein“: „Wir entschuldigen uns bei allen für unseren Glauben.“ Daher tritt Körner dafür ein, „dass der Streit gesucht wird“ – nicht im Sinne einer Herabwürdigung, sondern als eine positive Auseinandersetzung, die den Glauben stärke: „Wir vertreten eine Sache, für die es auch wert ist, einzustehen!“