„Kirchenreform braucht nicht Theorien, sondern Vorbilder“

Die Seligsprechung von Hildegard Burjan am Sonntag im Wiener Stephansdom habe einen engen Bezug zu den Reformbemühungen der österreichischen Diözesen, betonte Josef Kreiml, Rektor der Philosophisch Theologischen Hochschule St. Pölten in seiner Predigt zum Fest des Heiligen und Kirchenlehrers Thomas von Aquin. „Man braucht dazu nicht Theorien, sondern Lebensvorbilder.“ Hildegrad Burjan habe „ein Auge gehabt für das, was Menschen bedrängt“. Dem Gottesdienst am Gedenktag des bedeutendsten Theologen der Scholastik und Patrons der katholischen Hochschulen stand Weihbischof Anton Leichtfried vor. Die Heiligen zeigten uns, dass es möglich sei, „in radikaler Hinwendung zu Gott zu leben“, sagte Rektor Kreiml. Dabei sei es immer Gott, der den ersten Schritt auf uns zu mache. „Die Heiligen haben diesen Anruf Gottes genutzt und sind ihm nachgefolgt“, so Kreiml. Christus wolle uns Menschen als Zeugen haben dort, wo wir gerade sind. Diesem Ziel wolle auch das Theologiestudium dienen.

Zwei Absolventen des Theologiestudiums an der St. Pöltner Hochschule präsentierten im Rahmen der traditionellen „Thomasakademie“ ihre Diplomarbeiten.

„Eheversprechen bezieht sich auf die Treuezusage Gottes“

Verena Kopp referierte über „Treue zur Botschaft Jesu – Ehebruch und Ehescheidung als Prüfstein und Herausforderung“. Die junge Theologin aus Kirchstetten führte aus, dass Jesus in seinem Wort zur Ehescheidung „kein Gesetz formuliert, sondern einen radikalen Ethos“. Er spreche die gegenseitige Verantwortung und schließlich die Liebe der Eheleute zueinander an, was die Ebene des Gesetzes übersteige. Kopp: „Das Eheversprechen bezieht sich auf die Treuezusage Gottes.“ In den frühen christlichen Gemeinden seien aus der Spannung zwischen der Treue zum Wort Jesu und der Verantwortung gegenüber der Situation der Gemeindemitglieder seien schließlich erste Adaptionen entstanden.

Aus „letzter Ölung“ wurde wieder „Krankensalbung“

Stephan Reisinger gab eine Übersicht über „Die Bedeutung der Krankensalbung“ und deren Entwicklung im Laufe der Kirchengeschichte. So tauchte in der lateinischen Kirche des Westens die Krankensalbung erst ab der Karolingischen Reform im 8. Jahrhundert als Sakrament auf. Da im Frühmittelalter fast jede Krankheit lebensbedrohlich war, entwickelte sich die Krankensalbung bald zur „letzten Ölung“, wie Reisinger ausführte Diese verkürzte Sicht auf das Sakrament konnte erst das 2. Vatikanische Konzil korrigieren, das sich wieder am biblischen Zeugnis orientiert hat. Dem Wunsch nach einer Ausweitung der Vollmacht, die Krankensalbung zu spenden, auch auf Diakone und Laien als „außerordentliche Spender“, steht eine Note der Kongregation der Glaubenslehre entgegen. Diese betont „die christologische und ekklesiologische Repräsentanz“ des Priesters.