Kirche ist mit der Welt verbunden

St. Pölten, 17.10.2012 (dsp) Die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ sei unter allen Dokumenten des 2. Vatikanischen Konzils dasjenige, welches „auf dem Konzil selbst entstanden ist als Frucht der konziliaren Bewegung“, sagte Rektor Josef Kreiml bei einem Vortrag in der Philosophisch Theologischen Hochschule St. Pölten. Es sei der umfangreichste Text, den „je ein allgemeines Konzil verabschiedet hat“. Grundlage von „Gaudium et spes“ sei die Erfahrung der Kirche, „dass sie mit der Menschheit und ihrer Geschichte aufs Engste verbunden“ sei, erläuterte Kreiml. Den Konzilsvätern sei „die gesamte Menschheitsfamilie mit der Gesamtheit der Wirklichkeiten, in denen sie lebt“ vor Augen gestanden. Dies drücke sich bereits in den Anfangsworten des Dokumentes aus: „Freude und Hoffnung (lat. „gaudium et spes“), Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Um den Menschen das Heil anzubieten, das die Kirche selbst von Gott empfangen hat, müsse sie „in einen Dialog eintreten“, so der Rektor der Hochschule.

Bei allen gemeinsamen Bemühungen gehe es einerseits um die „Rettung der menschlichen Person“ und andererseits um den „rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft“. Dabei beanspruche die Kirche keinerlei irdischen Machtwillen, wie Kreiml betonte, es gehe ihr um die Weiterführung des Werkes Christi. Das Volk Gottes und die Menschheit, „in die die Kirche eingefügt ist“, stünden „im gegenseitigen Dienst“: Die Kirche sei nach den Worten der Pastoralkonstitution „der Sauerteig und die Seele“ der menschlichen Gesellschaft, zugleich könne die Kirche durch diese selbst „mannigfache Hilfe zur Wegbereitung für das Evangelium“ erfahren könne.

Nach Kardinal Karl Lehmann bringe die Pastoralkonstitution die konziliare Öffnung der Kirche zur Welt von heute „unübersehbar zum Ausdruck“, so Kreiml. Kirche und Welt ließen sich „nicht fein säuberlich von einander unterscheiden“, da der Geist Gottes auch außerhalb der Kirche wirke. Die Welt bleibe für den Christen „unaufhebbar dialektisch“ beides, nämlich „Ort der Sendung und des Kampfes, der Hoffnung und des Todes, der Liebe und der Verwundung“.

Kreiml erinnerte schließlich daran, dass der Text von „Gaudium et spes“ immer im Lichte der vorausgegangenen Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“ gelesen und interpretiert werden müsse, nach der Christus allein das „Licht der Völker“ sei.