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Katholischer Familienverband: „Stimme der Familie in der Politik“

Krems, 13.10.2012 (dsp) Die Familie sei das beste Modell, wie die Solidarität zwischen den Generationen gelebt werden könne, betonte Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbands (KFV) Österreich, bei der Jahreshauptversammlung des diözesanen Familienverbands in Krems. Der KFV sei „die Stimme der Familie in der Politik“, so Alfred Trendl, denn 50.000 Mitgliedsfamilien im Rücken hätten bei Gesprächen mit politischen Verantwortungsträgern durchaus Gewicht. Sich als Christ in der Politik einzusetzen sei „kein Hobby, sondern unsere Aufgabe und Verantwortung“.
Die Situation der Familien sei in Österreich „generell sehr gut“, sagte Trendl. Bei Sparmaßnahmen würde jedoch bei den Familienleistungen, bei denen Österreich in der EU ohnehin nur an 16. Stelle liege, als erstes gespart. Trendl kritisierte vor allem den Umstand, dass die Familienbeihilfe nicht an die Inflation angepasst werde. In den vergangenen 20 Jahren ergebe dies für die Familien einen Verlust von 30%. „Die Familienbeihilfe ist kein Almosen“, betonte Trendl.

Institutionen könnten Eltern nicht ersetzen, wie Landesrätin Barbara Schwarz bei der KFV-Versammlung erklärte: In den Familien gehe es um die Erfahrung von Grundvertrauen und Geborgenheit, wodurch die Kinder erst „den Kopf frei haben für das, was sie dort lernen können“. Dies könne jedoch nicht ohne Liebe und Zuwendung der Eltern geschehen. Die verschiedenen Institutionen könnten „pädagogisch vieles übernehmen und auch ersetzen“, so Schwarz, „aber nicht den Alltag in der Familie“. Ziel sei nicht das „Großziehen“ von Kindern – „großziehen tut man ein Kalberl“ – sondern das Begleiten, damit die Kinder glückliche Menschen mit Persönlichkeit und Selbstkompetenz werden könnten, die wiederum bereit wären, eine Familie zu gründen.

Ehe im Rückzug – Familie bleibt wichtig

In Österreich könne über die letzten Jahrzehnte eine Abnahme bei den ehelichen Familienformen beobachtet werden, sagte Elisabeth Fónyad-Kropf vom Institut für Praktische Theologie der Universität Wien in ihrem Statement zur Tagung. Ehen blieben jedoch die häufigste Familienform in Österreich. Die Ehe beschreibe keinen „endgültigen Status“ mehr, sondern wird eine Phase im Leben. Nichteheliche Lebensformen würden zwar steigen, jedoch auf relativ niedrigem Niveau. Offen sei, so Fónyad, ob sie ein Anfangsstadium in der Familiengründungsphase mit Tendenz zur „Ehe-Überleitung“ seien oder sich zu einem „permanenten Familienstand“ entwickelten.

Die Institution der Ehe gelte einer Mehrheit der Österreicher weiterhin als wichtig, berichtete Fónyad, von einem Drittel werde sie abgelehnt. „In den letzten zwanzig Jahren stieg jedoch die Ablehnung gegenüber der Ehe als Institution.“ Wertgeschätzt werde sie – ähnlich gelungenen Partnerschaften allgemein –, wenn sie „das subjektive Glücksempfinden des Einzelnen sichert“. Nach Fónyad bleibe die Familie der wichtigste Lebensbereich im Leben der Österreicher, „über die Generationen hinweg“. Österreicher zwischen 18 und 29 Jahren räumten jedoch Freunden, Bekannten und Peergroups einen fast gleich hohen Stellenwert in ihrem Leben ein wie der Familie.

Fónyad sieht die Notwendigkeit konkreter Unterstützungsmaßnahmen für ein „Leben in Fülle“ der einzelnen Paare. Zum einen in der Gestaltung der „Work-Life-Balance“: Die Entscheidung zur Familie falle in einem „immer engeren und späteren Zeitfenster der Familiengründung“, zugleich gebe es „massive Entgrenzungen zwischen Arbeits- und Lebenszeit“. Zum anderen würde der Bedarf an Kinderbetreuung weiter steigen, wie auch der Bedarf an Fürsorgeleistungen für pflegebedürftige Menschen.

Kath. Familienverband