Jugendpastoral: Die Ernte ist Sache Gottes. Wir sollen das Wachsen fördern

„Jugendpastoral ist ein Dienst an den Jugendlichen und soll sich auf deren Lebenswelt einlassen“, betont Mag. Lucia Deinhofer, Bereichsleiterin Kinder und Jugend der Diözese St. Pölten. Sie hat – wie weitere pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diözese – viele Impulse bei der Pastoraltagung in Salzburg für die Jugendarbeit bekommen. Die dreitägige Veranstaltung endete am Samstag und stand unter dem Motto „Jugend geht ab“.
Künftig werde es immer bedeutender werden, „die regionale Jugendpastoral zu forcieren, sich mit Verantwortlichen in den Pfarren zu vernetzen und ReligionslehrerInnen einzubinden“. Dabei werde die Jugendpastoral die vielen Begabungen und Talente von Menschen, denen Jugendliche am Herzen liegen, fördern. Deinhofer stellt aber auch klar: „Die vielen Jugendleiterinnen und Jugendleiter in unserer Diözese leisten in der direkten Jugendarbeit einen tollen und engagierten Beitrag und sie kennen die MitarbeiterInnen vor Ort.“ Eine zentrale Aufabe der Diözesanstelle sei es daher, „haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen in den Regionen zu unterstützen, Schulungen für MultiplikatorInnen anzubieten und mit der einen oder anderen Großveranstaltung jungen Menschen Mut machen, dass auch viele andere am Reich Gottes mitbauen“.

Nicht gleich nach Effizienz fragen

Jugendpastoral sei überfordert, wenn sie gleich nach Erfolg und Effizienz fragt oder gefragt wird. Die St. Pöltner Bereichsleiterin bringt dazu einen biblischen Vergleich: „Jesus warnt davor, das Feld zu früh zu ernten. Die Ernte ist Sache Gottes. Wir sollen das Wachsen fördern (Vgl. Mt 13,24-30).“

Die Jugendpastoral in der Diözese St. Pölten wolle alle Jugendlichen ansprechen und für sie da sein. Und: „Sie soll Trost und Hilfe sein für die, die zu kurz kommen oder am Rand stehen, und auch das, was in vielen Jugendlichen zu kurz kommt, für die verdrängten Seiten des Menschseins.“ Jugendpastoral bringe junge Menschen zusammen, bildet, baut und begleitet Gemeinschaften, die sich um Gott als ihre Mitte versammeln und sich als Kirche verstehen.

Dafür bräuchte es weiterhin Räume für Begegnung und für Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Glauben. „Jugendhäuser, Jugendzentren und pfarrliche Jugendtreffs bieten diese Möglichkeit, dort können junge Menschen kirchliche Heimat erfahren“, so Deinhofer. „Jugendpastoral möchte junge Menschen begleiten in das Geheimnis ihres Lebens, in die Gegenwart Gottes und sie ermuntern, sich auf diesem Weg zu machen.“ Dies werde in zahlreicher Weise angeboten, z.B. in den Jugendvespern, den Taizègebeten und anderen Jugendgebeten. Jugendpastoral versuche die Begegnung mit Gott zu vermitteln in den vielfältigen Formen gelebter Spiritualität.

Die Pastoralexpertin sagt, „kirchliche Jugendarbeit will Raum sein, in dem Jugendliche das Anbrechen des Reiches Gottes erfahren können“. Es brauche eine „große Vielfalt, wie und wo wir auf Jugendliche zugehen, mit ihnen gehen, sie begleiten, mit ihnen Lebens- und Glaubenserfahrungen teilen“. Was sich Lucia Deinhofer wünscht und woran sie und ihre Kolleg/innen werben: „Viele Menschen mit unterschiedlichen Begabungen, die authentisch und glaubwürdig auf Jugendliche zugehen und Vorbild im Glauben sind.“

500 Teilnehmer/innen

Das Österreichische Pastoralinstitut (ÖPI) als Veranstalter der Tagung verzeichnete die Rekordzahl von knapp 500 Interessierten. Unter den vielen Fachleuten aus der kirchlichen Seelsorge und Pädagogik befanden sich auch mehrere Bischöfe. Neben Referatsbischof Alois Schwarz nahmen u.a. Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser, die Diözesanbischöfe Manfred Scheuer (Innsbruck) und Ludwig Schwarz (Linz), "Jugendbischof" Stephan Turnovszky sowie Weihbischof Franz Lackner und die Altbischöfe Maximilian Aichern und Paul Iby teil.

Intensiver Austausch

Bei der Pastoraltagung „wurde eine zeitgemäße projektorientierte Jugendpastoral durch die starke Präsenz und das hohe Engagement kirchlicher MitarbeiterInnen - sowohl hauptamtlich wie ehrenamtlich - sehr deutlich und intensiv miteinander ausgetauscht“, so Dr. Sepp Winklmayr, Direktor der Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten.

Einerseits seien es „die wertschätzenden und geisterfüllten, niemanden ausschließenden persönlichen Beziehungen, in denen Jugendliche Kirche als Zeichen und Werkzeug der Liebe Gottes erfahren“. Andererseits bräuchten Jugendliche von heute „Anders“-Orte und neue „Szenen“, an denen sie in konkreten offenen Projekten erleben, was Reich Gottes heute für sie bedeuten kann. Soziales Engagement, Gebet, Freizeitgestaltung, Weltjugendtag, persönliche Sinnfindung müssen heute nicht nur erlebnisreich, sondern auch ästhetisch, d.h. schön, in einladenden Räumen, und pragmatisch erlebbar werden, spricht Winklmayr die Herausforderungen der Jugendpastoral an. Nichts laufe zur Zeit zwischen den Jugendlichen ohne die Kommunikation in sozialen Netzwerken und ohne Beachtung der unterschiedlichsten Szenen, in denen Jugendliche verkehren. „Eine zeitgemäße Jugendpastoral muss grundsätzlich als Einladung zum Leben praktiziert werden, weil Jesus gekommen ist, um neues Leben zu bringen“, fasst Sepp Winklmayr abschließend zusammen.

Foto: ED Salzburg/Kumpfmüller