Heiliger Koloman: Märtyrer des „Nicht-Verstehens“

Melk, 12.10.2012 (dsp) „Jährlich finden in Melk das Kolomani-Fest sowie der Kolomani-Kirtag zu Ehren des Stadt- und Stiftspatrons statt; zum 1000. Todestag des hl. Koloman findet im Stift Melk erstmals eine wissenschaftliche Tagung über den Märtyrer statt“, freute sich Abt Georg Wilfinger bei der Eröffnung des viertägigen Symposions im Kolomani-Saal des Stiftes Melk.
Der irische Pilger Koloman wurde 1012 auf dem Weg in das Heilige Land wegen seiner fremden Sprache als vermeintlicher Spion in Stockerau auf einem dürren Hollunderstrauch erhängt, der nach der Legende darauf hin zu blühen begann. Altabt Burkhard Ellegast bezeichnete Koloman als Märtyrer des „Nicht-Verstehens“: Wo Fremdes nicht verstanden werde, entstünden Vorurteile, diese würden zu Urteilen und schließlich zu Verurteilungen, von denen es „nicht weit zum Aufhängen am Hollunderstrauch“ sei. Es gelte, bei der Begegnung mit etwas Fremden oder Unbekannten „den Hollunderstrauch zum Blühen zu bringen“, so Ellegast.

Geschichte und Geschichten

„Koloman ist ein fast unbekannter Heiliger“, sagte Meta Niederkorn-Bruck vom Institut für Geschichte der Universität Wien, die wissenschaftliche Leiterin des Symposions. Deswegen sei jedoch nicht alles Legende, was von diesem Märtyrer überliefert sei. Es gebe zahlreiche Indizien und auch historische Quellen, die im Rahmen der Tagung aus dem Blickwinkel verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen untersucht würden.

So seien der Tod Kolomans im Jahr 1012 und die Überführung seiner Gebeine nach Melk durch die Babenberger im Jahr 1014 durch die Erwähnung in einer Chronik von 1018 gesicherte Fakten. Bereits im 12. Jahrhundert habe eine erste Aufarbeitung allen Materials um Koloman stattgefunden.

Es gebe jedoch nicht nur historisch gesichertes Material, sondern auch die Verehrungsgeschichte sowie Geschichten, die wiederum aus dieser Verehrung entstanden seien, erklärte Niederkorn-Bruck. Das Symposion diene auch der Erforschung von Hintergründen und Motivationen zur Entstehung solcher Geschichten und Legenden.

Im Rahmen der Tagung findet am 13. Oktober üm 18.30 Uhr eine Kolomani-Vesper in der Stiftskirche Statt, anschließend um 20.30 Uhr im Kolomanisaal ein Vortrag von Meta Niederkorn-Bruck zum Thema „Der hl. Koloman in der Geschichte – seine Bedeutung durch die Jahrhunderte für Stift, Stadt und Bevölkerung. Diese Abendveranstaltungen sind frei zugänglich.