Gedenken an Pädagogik-Pionierin Margarete Schörl

St. Pölten, 28.09.2012 (dsp) Das Bild vom „guten Hirten“ sei das Leitbild von Mater Margarete Schörl (1912-1991) gewesen und habe ihre Pädagogik geprägt, sagte Bischof Klaus Küng bei einer Gedenkmesse. Anlass der Feierlichkeiten im Lilienhof der Congregatio Jesu (vormals Englische Fräulein) in St. Pölten-Stattersdorf und am Vortag im Niederösterreichischen Landhaus war die 100. Wiederkehr des Geburtstages der Pionierin moderner Kindergarten-Pädagogik.
Die Pädagogik Schörls sei von der „nachgehenden Führung“ geprägt gewesen, die „stets das gute sieht“, so Bischof Küng. Das Gelingen von Erziehung sei weitgehend davon abhängig, ob die Erzieher selbst liebende Menschen seien. Mater Margarete habe bereits erkannt, dass „die Kinder das aufnehmen, was die Erzieher ausstrahlen“. Eine liebende Grundhaltung lehre „hinzuschauen“, was eine der Grundlagen der Schörl-Pädagogik sei, sagte Küng – wie auch „ordnend zu begleiten, das Positive zu fördern und ermutigend anzuleiten“.
In der heutigen Gesellschaft sei das Menschenbild „sehr defizitär und reduktionistisch“, kritisierte Küng. Der ganzheitliche Ansatz wie bei Margarete Schörl sei weitgehend verloren gegangen. Dabei biete die Schörl-Pädagogik auch in schwierigen Situationen „Chancen für das Gelingen“ und führe auch zu einer Bereicherung der Erzieher selbst.

Die Pädagogik der niederösterreichischen Ordensfrau sei ein „noch immer viel zu sehr vernachlässigtes Konzept“, bedauerte Festredner Manfred Berger (Dillingen, Bayern) beim Festakt im NÖ Landhaus, an dem auch Bischof Klaus Küng und Landesrätin Barbara Schwarz teilnahmen. Vor allem in Deutschland sei die Schörl-Pädagogik jedoch für einige vorschulische Einrichtungen „zum verlässlichen pädagogischen Orientierungspunkt im stürmisch aufgebrachten Meer der Diskussion um eine Theorie und Konzeption des Kindergartens geworden“.
Leider werde die Pädagogin meist nur auf die sozialpädagogische indirekte Methode der Spielführung, dem sogenannten Raumteilverfahren, reduziert, führte Berger aus. Schörl habe darüber hinaus ein ganzheitliches pädagogisches Konzept entwickelt. Diesem entsprechend solle das Kind im Kindergarten „durch nachgehende Führung in seinem Selbstbewusstsein, seiner Persönlichkeitsentwicklung, seinem Sozialverhalten, seiner Gemeinschaftsfähigkeit sowie in seinen kognitiven, emotionalen und motorischen Fähigkeiten angeregt und gefördert werden“.

1945 erster „Versuchskindergarten“

Margarete Schörl wurde am 27. September 1912 in Wien geboren. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wuchs sie bei Verwandten in der Nähe von Krems auf. Sie besuchte nach der Pflichtschule die dreijährige Hauswirtschaftsschule im Institut der Englischen Fräulein in Krems und lernte dadurch die Schwestern des Institutes in ihrer Tätigkeit als Schul- und Erziehungsorden genauer kennen, wie Zeitzeugin Sr. Felicitas Dornhackl von der Congregatio Jesu (vormals Englische Fräulein) erzählte. Ein Praktikum im hauseigenen Kindergarten motivierte Schörl, die Ausbildung zur Kindergärtnerin zu absolvieren. „1933 entschloss sie sich, in unser Institut einzutreten und arbeitete in der Folge in den Kindergärten von Krems, Schiltern und Reichenhall. 1939 bis 1945, zur Zeit der Enteignung unserer Werke, war Mater Schörl Erzieherin in einer Familie.“
All die Erfahrungen im Umgang mit den Kindern waren Anlass, 1945 im Institutshaus in Krems einen „Versuchskindergarten für Erziehungsreform“ zu eröffnen, der nach etlichen Jahren in die Trägerschaft des Landes Niederösterreich übernommen wurde. „Mater Schörl versuchte alle ihre pädagogischen Erkenntnisse und Erfahrungen weiter zu geben und war als Referentin für Kindergartenleiterinnen und Jugendleiterinnen im In- und Ausland tätig“, so Sr. Felicitas.

Eine Ausstellung über das Leben und Wirken von M. Margarete Schörl ist noch bis 5. Oktober im Foyer des NÖ Landhauses zu sehen.

Foto (Riccabona): Bischof DDr. Klaus Küng vor dem Grab von Mater Margarete Schörl in St. Pölten-Stattersdorf.

Gruppenfoto (NÖ Landeskorrespondenz, J. Burchhart) von links nach rechts:
Jutta Winnecke, Schörl-Referentin Deutschland, HR Dir. Mag. Edmund Lobinger (BAKIP St. Pölten), Mag. Petra Braun (Institutsleiterin KPH Krems), Beate Bagschik (Schörl-Referentin, Deutschland), Bischof Ddr. Klaus Küng, Landesrätin Mag. Barbara Schwarz, Bischofsvikar Dr. Helmut Prader, Dr. Doris Kloimstein (Pastorale Dienste), FOL Anna Ruschka (BAKIP St.Pölten), verdeckt der Festvortragende Dr. Manfred Berger (Ida-Seele-Insititut Deutschland), Verleger Michale Spautz (Deutschland), Fachvorständin Mag. Evelyn Richter (BAKIP St.Pölten), Regina Schönthaler (Heilpädagogische Gesellschaft NÖ), Marianne Blisse (Schörl-Pädagogin Deutschland).